Mietzertifikat MyCrifbürgel: Wie nützlich ist das neue Bonitäts-Zertifikat für Mieter?

„MyCrifbürgel“ : Wie nützlich ist das neue Bonitäts-Zertifikat für Mieter?

Auf Düsseldorfs angespanntem Wohnungsmarkt ist Solvenz Trumpf. Die Firma Crifbürgel bietet dafür eine neue Bescheinigung an. Wie nützlich ist sie? Die wichtigsten Fragen und Antworten.

Wer in Düsseldorf eine Wohnung mieten möchte, muss sich oftmals erst mal nackig machen – jedenfalls, was die persönlichen Daten angeht. Der Standard: Jeder Interessent füllt einen Fragebogen aus, in dem die persönlichen Verhältnisse erklärt werden. Anlage: Perso-Kopie, Gehaltsnachweise und natürlich eine Bonitätsauskunft. Ob eine reelle Chance auf die Wohnung besteht, erfährt man vorher nicht.

Die meisten Makler und Vermieter fordern eine Schufa-Auskunft. Die „Schutzgemeinschaft für allgemeine Kreditsicherung“ ist aber nicht das einzige Unternehmen, was Solvenz- und Schuldenfreiheitsauskünfte anbietet. Seit Beginn des Jahres gibt es einen neuen Anbieter: die Firma Crifbürgel.

Wie funktioniert das Angebot? Wer dem Vermieter eine Selbstauskunft vorlegen will, kann diese im Netz anfordern. Dazu müssen in erster Linie persönliche und Zahlungsdaten eingegeben werden. Das Zertifikat kann dann 30 Tage lang mehrfach heruntergeladen werden. Auf Wunsch kommt es auch per Post. Auf dem Zertifikat stehen Name, Geburtsdatum und Adresse – und natürlich die Information, ob es „negative Zahlungserfahrungen“ gab, sprich, ob man mal Schulden nicht bezahlt hat. Wer es für nötig hält, kann außerdem Gehaltsabrechnungen oder Kontoauszüge einreichen und bekommt dann eine Bescheinigung, dass in den letzten sechs Monaten Geld aufs Konto kam und die Miete pünktlich abging.

Was ist der Unterschied zur Schufa-Auskunft? In erster Linie die Bekanntheit – Schufa steht als generischer Markenname bislang wie keine zweite Firma für Bonitätsauskünfte. Das muss natürlich nicht so bleiben. Ebenfalls anders ist der Preis: Die klassische Auskunft kostet bei der Schufa 29,95 Euro, bei Crifbürgel 23,95 Euro. „Das ist kein Kampfpreis“, sagt Geschäftsführer Christian Bock und verspricht damit Preisstabilität.

Wer steckt dahinter? Die Firma Bürgel gibt es schon seit 1885, sie ermittelte durchgehend Wirtschaftsinformationen über Firmen. 2016 wurde sie von der Wirtschaftsauskunftei-Gruppe Crif mit Sitz in Italien übernommen. In der Schweiz und in Italien bietet Crifbürgel schon länger Mietzertifikate an.

Wie kommt Crifbürgel an die Daten? Wie andere Auskunfteien auch, bedient sich Crifbürgel bei öffentlich zugänglichen Quellen wie dem Schuldenregister und dem Einwohnermeldeamt. Außerdem bezieht die Firma laut Geschäftsführer Christian Bock Daten von „Partnern, die ebenfalls Zahlungserfahrungen sammeln“ sowie Inkassounternehmen. „Wir kontrollieren die Daten und stellen so die Qualität sicher.“

Ist eine Bonitätsauskunft wirklich nützlich? „Gerade in großen Städten mit Wohnungsknappheit, wo bis zu hundert Interessenten bei einer Besichtigung erscheinen, kann das Zertifikat einer vertrauenswürdigen Firma ein wichtiges Differenzierungsmerkmal sein“, glaubt Bock. „Wir sehen ein reges Interesse auch von der Vermieterseite, die wissen will, wie unser Zertifikat funktioniert.“ Tatsache ist: Die meisten Makler fordern schon bei der ersten Besichtigung eine Auskunft. Wer keine mitbringt, riskiert, sofort aussortiert zu werden. Es sei denn, er kann anders glaubhaft machen, extrem solvent zu sein.

Was sagen Makler? „Es gibt so viele Dinge auf dem Markt“, seufzt der Düsseldorfer Makler Jörg Schnorrenberger. Er habe nichts gegen das neue Produkt. „Aber ich finde eine Schuldenfreiheitsbescheinigung vom Vormieter fast noch sinnvoller.“ Er verweist darauf, dass man sich auch einmal im Jahr eine kostenlose Auskunft über die gespeicherten Daten von Auskunfteien geben lassen kann. Nach Ansicht von Crifbürgel-Geschäftsführer Christian Bock nützen diese Auskünfte aber nichts bei der Wohnungssuche.

Was sagen Vermieter? Für Vermieter sei eine solche Auskunft sicher hilftreich, sagt ein Privatvermieter aus Düsseldorf, der aus geschäftlichen Gründen anonym bleiben möchte. „Es zeigt, dass der Mieter professionell an die Suche herangeht.“ Er plädiere jedoch für Datensparsamkeit: Eine Selbstauskunft solle man erst überreichen, wenn der Vermieter ernsthaftes Interesse signalisiere. „Die Mieterauskunft ist erst dann ausschlaggebend, wenn man der einzige Kandidat ist, oder es mehrere Bewerber gibt, die einen gleich guten Eindruck hinterlassen haben.“

Was rät der Mieterverein? „Ich glaube, dieses neue Produkt ist überflüssig“, sagt der Vorsitzende Hans-Jochem Witzke. Der Mietmarkt sei in weiten Teilen ein Vermietermarkt. Deshalb entscheide häufig einzig die Solvenz der Mieter, nicht die persönlichen Verhältnisse. „Vielen wollen damit einen Schnitt machen.“

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