Cimbernstraße: Mieter wehren sich gegen Abriss

Cimbernstraße : Mieter wehren sich gegen Abriss

Besetzte Häuser wie vor 30 Jahren in der Kiefernstraße wird es in Oberkassel wohl nicht geben. Aber 48 Mieter wollen ihren Auszug aus fünf Häusern nicht ohne Weiteres hinnehmen. Sie schreiben an OB Elbers.

Szenen wie vor 30 Jahren, als an der Kiefernstraße in Flingern Häuser besetzt worden sind, werden sich in Oberkassel wohl nicht wiederholen. Doch kampflos will der Großteil von 48 Mietern, die in Alt-Oberkassel an der Cimbernstraße wohnen, den drohenden Abriss einer kompletten Zeile von sechs Häusern nicht hinnehmen. Mehrere 100 Unterschriften haben Bürger innerhalb weniger Tage gesammelt; ein Protestschreiben an Oberbürgermeister Dirk Elbers (CDU) bereiten sie vor.

"Das ist der einzige Weg, um deutlich zu machen, dass hier etwas geschieht, was nicht in Ordnung ist", sagt eine Bewohnerin der Cimbernstraße. Sie und ihre Nachbarn möchten nicht namentlich genannt werden, weil sie Repressalien durch ihren Vermieter, die Oberkasseler Grundbesitzgesellschaft mbH, fürchtet.

Die Mehrheit der Oberkasseler Stadtteilpolitiker weiß der Investor hinter sich. Die Bezirksvertretung hat mit Stimmen von CDU und FDP dem Abriss der Häuser aus den 50er Jahren zugestimmt. Begründung: Der Eigentümer habe das Recht dazu, und die Erhaltungssatzung gelte nur für Gebäude aus dem 19. und frühen 20. Jahrhundert.

Ein Sprecher der Grundbesitzgesellschaft verteidigt den geplanten Abriss der Häuser. Ein Gutachter habe festgestellt, dass ihr Energiebedarf um 342 Prozent über dem Wert liege, der gemäß einer Norm für sanierte Gebäude zulässig ist. Der Wert für Neubauten werde sogar um 473 Prozent überschritten. Der Unternehmenssprecher betonte, keinem der Mieter sei bisher gekündigt worden.

Im Übrigen habe in den Häusern an der Cimbernstraße und in einem angrenzenden Haus an der Wildenbruchstraße, das bereits abgerissen worden ist, die Hälfte der Wohnungen leer gestanden. Den zuletzt verbliebenen Mietern an der Wildenbruchstraße seien "zum Teil renovierte Mietflächen zur Verfügung gestellt" worden, Kosten für Umzug und Renovierung sowie Maklergebühren seien vergütet worden. "Bis jetzt ist nach unserem Kenntnisstand keinem Mieter ein wirtschaftlicher Nachteil entstanden."

Auf dieser Basis wolle man sich auch mit der Mieterin eines Kosmetikinstituts an der Marggrafenstraße einigen. Sie ist die letzte verbliebene Mieterin in einem weiteren Haus, das die Oberkasseler Grundbesitzgesellschaft gekauft hat. Weil es Bestandteil der Planungen im Karree Cimbern-, Wildenbruch- und Markgrafenstraße ist, soll es ebenfalls abgerissen werden.

Die Mieter der Häuser an der Cimbernstraße fürchten nicht nur den Verlust ihrer Wohnung - die älteste Mieterin lebt schon seit 53 Jahren in ihrer Wohnung; wie andere in Oberkassel beklagen sie eine Entwicklung dahin, dass bezahlbare Wohnungen im linksrheinischen Stadtteil immer seltener werden. Auch an anderer Stelle seien schon Häuser mit dem Ziel abgerissen worden, Gebäude mit hochwertigen und entsprechend teuren Wohnungen zu errichten.

"Wer weniger als zehn Euro pro Quadratmeter zahlen will, kriegt mehr und mehr ein Problem", sagt eine Mieterin der vom Abriss bedrohten Häuser. Diese Entwicklung führe dazu, dass Normalverdiener sich Oberkassel nicht mehr leisten könnten. "Das verändert das Bild des Stadtteils." Am Baustellenzaun des bereits abgerissenen Hauses an der Wildenbruchstraße hing noch bis vor kurzem ein Schild: "Hier entsteht ein neuer Bonzen-Palast."

Ein Hauch von Kiefernstraße.

(RP)
Mehr von RP ONLINE