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Messerstecher wegen versuchten Totschlags vor dem Landgericht Düsseldorf

Landgericht Düsseldorf : Prozessauftakt wegen versuchten Totschlags

Seiner Internet-Bekanntschaft hatte er verschwiegen, dass er sich als Transgender fühlt, darüber kam es am Ostersonntag zwischen zwei jungen Männern zu einem Streit, der mit einer Messerattacke endete. Jetzt muss sich ein 27-Jähriger wegen Totschlags vor Gericht verantworten.

(wuk) Die Messerattacke eines 27-Jährigen, der nach einem Trinkgelage auf einen Besucher (20) in seiner Wohnung in Friedrichstadt losging, hätte tödlich enden können. Davon geht jetzt die Anklage gegen den Angreifer aus. Ab dem 22. September muss sich der Mann wegen versuchten Totschlags vor dem Landgericht verantworten. Das Opfer hatte beim Streit am Ostersonntag Stiche und Schnitte am Oberkörper erlitten. Der Angeklagte hatte nach der Auseinandersetzung versucht, sich selbst in die Psychiatrie einzuweisen. Inzwischen sitzt er in U-Haft.

Was damals als lustiger Abend in der Wohnung eines dritten Mannes mit Champagner und Prosecco begann, führte in den frühen Morgenstunden zu einem Drama. Der Angeklagte, der sich seit frühester Kindheit als Transgender versteht, hatte seinen 20-jährigen Bekannten aus einem Internet-Dating-Portal erst bei diesem Umtrunk darüber informiert. Als beide Männer nach Mitternacht dann in die Wohnung des Angeklagten an der Bilker Allee fuhren, soll es dort wegen der Transsexualität des Angeklagten zum Streit gekommen sein. Zunächst hat der Angeklagte seinen Gast angeblich in seinem Wohnzimmer eingeschlossen, dabei mit zwei langen Küchenmessern mehrfach vor dem Besucher herumgefuchtelt. Als er seinen Gast schließlich frei ließ und der seine Schuhe anziehen wollte, soll der Angeklagte rücklings mit einem Messer auf den 20-Jährigen eingestochen haben. Bevor dem Opfer die Flucht aus der Wohnung gelang, kam es zu weiteren Schnittverletzungen im Brustbereich. Der 20-Jährige lief noch bis zum Hauptbahnhof, wo er eine Polizeistreife ansprach und sofort ärztlich versorgt wurde. Der Angeklagte fuhr zeitgleich zu einer Psychiatrie-Klinik in Gerresheim, wo er sich selbst einwies. Als er die Klinik wieder verlassen wollte, weil er dort nur „verrückte Leute“ getroffen habe, wurde er nachmittags festgenommen. Dabei gab er angeblich zu, seinen Besucher unter Alkoholeinfluss und im Affekt mit einem Messer attackiert zu haben, doch habe er ihn nicht schwer verletzen wollen. Laut medizinischem Befund bestand durch die Wunden keine Lebensgefahr für den 20-Jährigen. Da Messerstiche in den Oberkörper aber grundsätzlich als ein lebensbedrohlicher Angriff gewertet werden, geht die Anklage allerdings von versuchtem Totschlag aus. Ein Urteil wird Anfang Oktober erwartet.