Düsseldorf: Messdiener mit grauem Haar und Herzblut

Düsseldorf: Messdiener mit grauem Haar und Herzblut

Weil die jungen Ministranten werktags zur Schule mussten, sprangen in St. Margareta vor genau 25 Jahren erstmals ältere Semester ein.

Vor 25 Jahren waren die Werktagsmessen der katholischen St. Margareta-Basilika für den damaligen Pfarrer eine eher einsame Angelegenheit. Nicht etwa wegen der Gottesdienstbesucher, die kamen zuverlässig. Aber wenn die Glocke um 9 Uhr morgens die katholischen Gerresheimer zur Messe rief, fehlte am Altar die Unterstützung. Denn die Messdiener waren in der Schule.

Nicht wenige Gläubige störten sich daran, dass der Pfarrer die Zeremonie alleine vornahm. Ihr Einwand: Der Gottesdienst würde ohne Messdiener nicht dieselbe Feierlichkeit entfalten wie sonst während des sonntäglichen Hochamts. Pfarrer und Küster suchten nach einer Lösung, die sie schließlich in den eigenen Reihen fanden. Erwachsene erklärten sich bereit, ihrem Pfarrer zur Hand zu gehen. Am morgigen Sonntag jährt sich der Dienstantritt der Seniorenmessdiener von St. Margareta zum 25. Mal. Gefeiert wird das um 11.15 Uhr mit einem festlichen Hochamt. "Für uns ist die heilige Messe das zentrale Ereignis des christlichen Glaubens", sagt Hans Schwarte. Der Küster von St. Margareta gehört zu den Dienstältesten der Seniorenmessdiener und ist von Beginn an dabei. Gleichgesinnte für die Assistenz des Pfarrers zu finden, sei aber nicht besonders schwer gewesen, erklärt der Pensionär. "Ich musste nur bei der Kolpingfamilie anfragen, da hatte ich schon vier, fünf Mann zusammen."

Mittlerweile ist die Gruppe der engagierten Rentner im Alter von 58 bis 86 Jahren auf zwölf Mitglieder angewachsen. So viele braucht es auch, um den zahlreichen Feierlichkeiten gerecht zu werden. Denn zu den Werktagsmessen kommen noch besondere Feiertage hinzu wie die Apostel-, Marien- oder Patronatsfeste, an denen gleich fünf Senioren in Rochett und Talar Pfarrer Monsignore Oliver Boss beim Hochamt assistieren. "Uns ist sehr wichtig, dass wir die eigentlichen Ministranten nicht verdrängen", betont Schwarte. Bei den übrigen Gottesdiensten wird das Weihrauchfass also wieder von den deutlich jüngeren Messdienern geschwungen. Aus dem Gemeindeleben sind deren pensionierte Kollegen aber nicht mehr wegzudenken. Abseits der Altardienste bauen sie die Krippe auf oder helfen bei den Vorbereitungen zu Ostern und den Pfarrprozessionen mit. Fällt der Organist einmal aus, stimmt halt ein Seniorenmessdiener die Liturgie an. "Und wenn es mal schief geklungen hat, haben wir trotzdem immer durchgesungen", sagt Schwarte.

Mittlerweile ist aus der Männergruppe eine feste Gemeinschaft geworden, die auch in der Freizeit viel unternimmt. Gemeinsam mit den Ehefrauen fahren sie seit 20 Jahren auf eine Besinnungswoche. Bei gemeinsamen Diskussionsrunden wie zuletzt in einem Kolpingheim in Salzbergen dreht sich dann alles um theologische Themen. Ansonsten stehen mindestens viermal im Jahr Planbesprechungen zur Organisation der Termine an. Altbier und Mettigel beim anschließenden Ausklang mit inbegriffen. Die Resonanz aus der Gemeinde zu den ergrauten Ministranten ist positiv. "Es melden sich oft Menschen, die im Anschluss an ihre Pensionierung gerne mitmachen wollen. Nachwuchsprobleme haben wir bislang keine", sagt Schwarte.

(RP)