Düsseldorf: Merkel: "Das kann ein böses Erwachen geben"

Düsseldorf : Merkel: "Das kann ein böses Erwachen geben"

Die CDU-Spitzenkandidatin Angela Merkel mahnte ihre Anhänger am Sonntagabend in Düsseldorf eindringlich vor Schläfrigkeit vor der Zielmarke. Fast klang es so, als quälten die Kanzlerin trotz oder gerade aufgrund guter Umfragewerte gelegentlich politische Todesahnungen, als sie vor mehreren tausend Sympathisanten sagte: "Das kann ein böses Erwachen geben nach dem dem Wahltag."

Anschließend bedankte sich Merkel bei den Heerscharen junger Helfer vom "teAM"-Deutschland, die im Wahlkampf Tage und halbe Nächte zwischen Kiel und Konstanz dafür kämpfen, dass Merkels Albtraum nicht wahr wird: dass nämlich die "mächtigste Frau Europas" (Etikettierung durch Dritte) von einer Bundestagsmehrheit aus SPD, Grünen und Linkspartei in den Ruhestand geschickt wird.

Warnung vor dem "Trio Infernale"

Auf dem Zenit des Ansehens abgewählt zu werden — das ist selbst einem ganz Großen wie Winston Churchill 1945 passiert. Für dessen Seufzer, dass Undankbarkeit gegenüber ihren großen Führern das Zeichen selbstbewusster Völker sei, dürfte Angela Merkel 13 Tage vor dem Tag X jegliches Verständnis fehlen. Ihr Ausruf: "Und deshalb, liebe Freunde, am 22. September keine Experimente, beide Stimmen für die Union", hörte sich wie ein Marschbefehl an.

Diejenigen, die sich am Vormittag aus ganz Deutschland kommend bei Nieselregen in Düsseldorf einfanden, orangefarbene Trikots trugen und orangefarbe "Angie"-Schilder schwenkten, mussten nicht überzeugt werden, dass der Wahlsieg noch nicht in den sprichwörtlichen trockener Tüchern ist; dass vielmehr das von CDU-Generalsekretär Hermann Gröhe beschworene rot-rot-grüne "Trio infernale" Gabriel, Trittin, Wagenknecht auf seine Chance lauert, das Land regieren zu können.

Bei manchen Sätzen wogt die Menge

Merkel meinte dazu, ein solches Linksbündnis stehe mit seinen Steuererhöhungsplänen dafür, denjenigen, die fleißig und erfolgreich seien, Knüppel zwischen die Beine zu werfen. Für ihre Verhältnisse ungewöhnlich scharf attackierte die Kanzlerin die rot-grünen Pläne zu Lasten des hergebrachten Steuervorteils für Eheleute: "Was hat es noch mit der freien Entscheidung von Menschen zu tun, wenn man jungen Leuten, die heiraten, das Ehegatten-Splitting wegnehmen will?" Bei solchen Sätzen wogte das Meer aus Orange im Saal und auf den nicht zu hundert Prozent besetzten Rängen der riesigen Arena ISS Dome.

Als Merkel (schwarze Hose, lindgrüne Jacke) einzog — an ihrer Seite die Mit-Spitzenkandidaten Horst Seehofer (Bayern) und Volker Bouffier (Hessen) — waren die Anhänger schon längst auf hohe Betriebstemperatur gebracht worden. Direkt hinterm Arena-Eingang empfing die Besucher ein infernalisches Trommelschlagen von sieben Krachmachern.

James Bond und Feuerstöße

Das stundenlange Vorprogramm vor der Schluss-Show mit "Angie" und den beiden Routiniers aus München und Wiesbaden bestand überwiegend aus Hochklasse-Entertainment: Tänzerinnen in großen Roben, leicht, aber hinreichend bekleidete, gelenkig turnende Artistinnen zehn Meter über dem Hallenboden, Feuerstöße neben Kerlen mit nackten Oberkörper, Musik im James-Bond-Filmsound.

Der Höhepunkt neben "unserer Bundeskanzlerin, Dr. Angela Merkel" war unzweifelhaft die britische Beatles-Coverband. Ursula von der Leyen, Volker Kauder, NRW-Landeschef Armin Laschet — sie alle und die ebenso begeisterten Tausenden im großen Rund kannten und sangen die ewig jungen Songs mit den weltberühmten Texten. "Hey Jude", "All you need is love" und — im Wahlkampf-Endspurt besonders angebracht — "Help!"

Wie schon angedeutet: Angela Merkel variierte das "Please, help me" später mehrmals auf deutsch und als Wahl-Matadorin . Die CDUler sollen noch mal richtig kämpfen bis zum 22. 9., CDU-Vize Julia Klöckner sagte dazu schelmisch: "Schlaf wird überbewertet". Und ein gut aufgelegter CDU-Chef NRW Armin Laschet setzte warnend hinzu: "Man kann noch in der allerletzten Minute ein Spiel verlieren."

Hier geht es zur Bilderstrecke: Merkel und Seehofer eröffnen heiße Wahlkampfphase im ISS Dome

(pst)