Menschenrechtspreis der Tonhalle an Praxis ohne Grenzen

Engagement für Mittellose : Ehrung für Ärzte-Initiative

Der Menschenrechtspreis der Tonhalle geht an die „Praxis ohne Grenzen“.

Dass Uwe Denker den diesjährigen Menschenrechtspreis der Tonhalle erhält, für den die Gesellschaft der Förderer und Freunde seit fünf Jahren je 10.000 Euro beisteuern, hat er nicht nur Adam Fischers Engagement zu danken. Der Principal Conductor der Düsseldorfer Symphoniker macht zwar seit Amtsantritt humanitäres Handeln im Kulturinstitut zur Chefsache, diesmal aber hat ihn seine Frau auf die Initiative aufmerksam gemacht, für die der 81-jährige Arzt aus Bad Segeberg steht: „Praxis ohne Grenzen“.

Seit 2010 betreibt der Allgemeinmediziner in der norddeutschen Kleinstadt Bad Segeberg mittwochnachmittags eine Sprechstunde für mittellose, unversicherte Patienten, ohne Ansehen von Stand oder Herkunft. Seinem Vorbild sind inzwischen zehn Praxen in Deutschland gefolgt, allein in der Hamburger Praxis ohne Grenzen werden pro Jahr rund 1000 Menschen behandelt, die durchs soziale Raster gefallen sind.

„Der gesellschaftliche Skandal dabei ist: Ein Großteil unserer Patienten kommt eben nicht aus der Gruppe der Obdachlosen oder Migranten, sondern aus dem deutschen Mittelstand“, berichtet Denker. Diese Leute stammten aus der Gruppe der 560.000 „Nichtzahler“ gesetzlicher oder privater Krankenversicherungen, können den Monatsbeitrag von um die 500 Euro nicht aufbringen und landen auch wegen des rigiden Schuldenmanagements der Versicherungen schnell in der Armutsfalle.

Mit Hilfe von Spenden unterhält Denker die Praxisräume, kauft medizinisches Gerät, bezahlt Medikamente und Krankenhausaufenthalte. Seine Initiative ist inzwischen in der Politik angekommen, aus seiner Sicht dringend notwendige Lösungen sind nicht in Sicht.

Fischer will mit seiner Preisvergabe der Initiative „Praxis ohne Grenzen“ auch die Öffentlichkeit verschaffen, die ihr Anliegen befördert. Und formuliert auch deshalb den Satz: „Gesundheit ist ein Menschenrecht.“

Info Menschenrechtskonzert: mit Preisverleihung So, 5. Mai, 11 Uhr, Tonhalle. Programm: Brahms 3., Haydns Kantate „Der Sturm“

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