Tim Mälzer in Düsseldorf: "Meine Küche ist eher hausfrauen-bürgerlich"

Tim Mälzer in Düsseldorf : "Meine Küche ist eher hausfrauen-bürgerlich"

Der berühmte TV-Koch Tim Mälzer eröffnet am Düsseldorfer Flughafen im Abflugbereich sein Restaurant unter dem Namen "Hausmann's".

Viele Fernsehköche benennen ihre Restaurants nach ihrem berühmten Namen. Deine Restaurants heißen Hausmann's und Bullerei. Warum heißen sie nicht "Mälzers"?

Tim Mälzer Nirgendwo steht Tim Mälzer drauf. Das liegt daran, dass ich das nicht als One-Man-Show sehe. Das ist eine Teamarbeit, die ich nur als TV-Koch prominent mache. Ich weiß das gut aus meinen Anfangsjahren, als ich noch Mitarbeiter war. Jeder möchte und soll ein Stück von sich mit einbringen. Das ist zumindest meine Philosophie.

Wie viel Tim Mälzer steckt also im neuen Hausmann's am Flughafen?

Mälzer Du meinst das Essen? Also etwa ein Drittel gebe ich vor. Ein Drittel erarbeiten wir gemeinsam. Ein Drittel ist die Entscheidung des Kochs vor Ort, so lässt sich das umschreiben.

Warum ist in dem Namen ein nicht der deutschen Rechtschreibung entsprechendes Apostroph zwischen Hausmann und dem S, Spötter nennen es Deppen-Apostroph?

Mälzer Es sieht zunächst einmal netter aus als Logo und richtet sich ja gerade an Flughäfen wie Frankfurt und Düsseldorf auch an internationale Gäste, für die dieses Apostroph normal ist.

Wie läuft das Hausmann's in der Düsseldorfer Altstadt an der Hafenstraße?

Mälzer Entgegen einiger Zeitungsberichte der Vergangenheit läuft die Hafenstraße sehr gut. Ich hatte bei der Altstadtlage zunächst die touristische Komponente nicht auf der Pfanne. Man muss in der Altstadt darauf achten, dass es nicht zu bollerig wird. Das ist wichtig in dieser Lage.

Wie unterscheidet sich das neue Restaurant am Flughafen vom ersten Hausmann's in der Altstadt. Schließlich liegt das Flughafenrestaurant im Sicherheitsbereich, dort können nur Gäste mit gültigem Flugticket und wenig Zeit vorbeischauen.

Mälzer Der Charakter an der Hafenstraße entspricht sicher mehr dem, was man unter ,Essen gehen' versteht. Also eher Vorspeise, Hauptgericht, Dessert. Die Leute, die dort hinkommen, bringen ja Zeit mit. Am Flughafen musste man das Programm straffen, weil die Leute, wie du ja richtig sagst, auf der Durchreise sind.

Was sind die Spezialitäten am Airport? Gibt es etwa Tomatensaft?

Mälzer Nein, es gibt keinen Tomatensaft, den gibt es erst im Flugzeug. Meine Küche ist eher eine hausfrauen-bürgerliche. Es ist das, was wir gerne essen. Eine Haxe etwa, oder ein Butterstampf, in dem auch noch wirklich Butter ist.

Wird das Angebot um rheinische Spezialitäten erweitert?

Mälzer Ja, am Düsseldorfer Flughafen gibt es passend zur Stadt eine Senfsuppe. Am Frankfurter Flughafen, wo es ja auch ein Restaurant von uns gibt, gibt es "Grie Soß", also hessische Grüne Sauce.

Welches ist dein Lieblingsessen?

Mälzer Immer und überall Spaghetti Bolo. Das geht auf jeden Fall. Hier am Flughafen machen wir sie mit Gezupftem von Rind, Schwein und Lamm mit Parmesan, das ist eher so ein bisschen wie ein Ragout. Mit Bolognese kann man nie was falsch machen.

Du bist in Hamburg zuhause und hast eine gewisse Außensicht auf Düsseldorf. Was ist anders an der Stadt?

Mälzer Oft mag Düsseldorf in erster Linie über die Kö definiert werden. Das ist so unsinnig wie Hamburg über die Mönckebergstraße oder Berlin über den Ku´damm zu definieren. Das ist aber ein verzerrtes Bild. Denk an die Immermannstraße mit seinen tollen japanischen Restaurants oder viele Konzepte an der Ackerstraße in Flingern, wo Kreative leben und arbeiten. Und um auf Einkaufstraßen einzugehen: Die ähneln sich auch immer mehr, überall H&M, alles das gleiche von Hamburg bis Düsseldorf.

Apropos gleichen? Wann ist Schluss mit der Expansion des Hausmann's. Es gibt jetzt schon drei. Wird das eine Kette wie Starbucks mit Läden an jeder Ecke?

Mälzer Nein, auf keinen Fall. Wir wollen nicht den gleichen Fehler begehen wie Gosch. Noch gibt es genug Möglichkeiten zu wachsen, ohne gleich zur Kette zu werden. Klar, das Hausmann's ist eine Systemgastronomie. Und gleichzeitig ist es keine Systemgastronomie. An jeder Ecke wird es definitiv keinen Laden geben. Du darfst nicht vergessen: Ich bin kein Spitzenkoch, nur ein Fernsehkoch. Die Atmosphäre der Restaurants muss noch besonders und individuell bleiben.

THORSTEN BREITKOPF FÜHRTE DAS GESPRÄCH.

(RP)
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