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Düsseldorf: Mehr Sicherheitsabstand zu Radfahrern

Düsseldorf : Mehr Sicherheitsabstand zu Radfahrern

327 Radfahrer sind in den ersten fünf Monaten des Jahres in Unfälle verwickelt worden, viele von ihnen wurden schwer verletzt. Eine der Ursachen: Zu geringer Abstand beim Überholen und Abbiegen, sagt die Verkehrswacht.

Seit Ende März liegt ein 57 Jahre alter Düsseldorfer im Koma. Folge eines Verkehrsunfalls, den der Mann mit seinem Fahrrad erlitt. Am frühen Morgen war er in der Tempo-30-Zone der Volmerswerther Straße unterwegs gewesen, passierte gerade eine Fahrbahnverengung, als ihn ein Auto überholte. Dessen Fahrer sagt, der Radler habe plötzlich nach links gelenkt und dadurch den Zusammenstoß mit dem Opel verursacht. Ob der Radfahrer je befragt werden kann, ist offen.

Die schlimmen Folgen dieses Unfalls nahmen gestern Polizei und Verkehrswacht zum Anlass, um an der Unfallstelle für mehr Rücksicht auf Radfahrer zu werben. "Gerade an solchen Engstellen ist das Überholen eines Fahrradfahrers nicht möglich, ohne den Mindestabstand zu unterschreiten", sagt Polizeisprecher Jochen Schütt. Und wenn das nicht möglich ist, ist es verboten - zwei Meter Seitenabstand zu Fußgängern und Radfahrern sind laut Straßenverkehrsordnung Pflicht.

Wie nah die Fahrzeuge sind, sieht der Lkw-Fahrer nur kurzzeitig im Spiegel. Foto: Bretz, Andreas (abr)

"Jeder Autofahrer muss damit rechnen, dass ein Fahrrad plötzlich einen Schlenker zur Seite macht - dafür kann es viele Gründe geben. Wer das beim Abstand nicht einkalkuliert, ist mit verantwortlich für einen daraus resultierenden Unfall", sagt auch Simon Höhner von der Verkehrswacht Düsseldorf, die gemeinsam mit der Polizei und der Stadt Düsseldorf im Mai vorigen Jahres die Kampagne "Sehen und Gesehen werden - Radfahren in Düsseldorf" gestartet hat.

Die Unfallstatistik belegt die Notwendigkeit einer solchen Aktion, die nicht nur auf rücksichtsloses Verhalten gegenüber Radlern, sondern auch auf deren eigene Verstöße gegen die Straßenverkehrsordnung aufmerksam macht. Von Januar bis Mai verunglückten in diesem Jahr bereits 327 Radfahrer, 272 davon wurden verletzt. Das sind rund 100 Fälle mehr als im selben Zeitraum des vergangenen Jahres. 2013 waren insgesamt 749 Unfälle mit Fahrradfahrern registriert worden, bei denen 636 teils schwer verletzt wurden. Und glaubt man einer Studie der Uni Münster, sind das längst nicht alle Unfälle, denn demnach wird nur jeder dritte Radunfall auch bei der Polizei angezeigt.

Im Grunde, sagt Polizeisprecher Jochen Schütt, "geht es bei allen Aktionen zur Unfallprävention immer nur um ein Thema: Rücksicht auf andere Verkehrsteilnehmer." Fahrlehrer Ünal Kirbag von der Fahrschule Reinhold demonstriert mit einem kleinen Lkw, wie sehr er die Radlerin Christina Brinkkötter in Bedrängnis bringt, wenn er versuchen würde, sie auf der verengten Fahrbahn zu überholen. "Solche Engstellen gibt es nicht nur hier", sagt Schütt. Viele entstehen auf Düsseldorf Straßen auch künstlich, etwa durch Zweite-Reihe-Parker.

Die Polizei hat sich für die Demonstration aus einem aktuellen Anlass für einen Lkw entschieden. Denn gegen die haben Radler erstens schon wegen ihrer Größe keine Chance. Und zweitens sind Radfahrer für Lkw-Fahrer beim Überholvorgang auch nicht immer im Rückspiegel zu sehen, sondern verschwinden im "Toten Winkel". Möglicherweise hat deshalb auch der Fahrer eines Lkw, der am 10. Juni auf der Luegallee weiterfuhr, nachdem er eine Radfahrerin zu Fall gebracht hatte, gar nicht bemerkt, was er angerichtet hatte. Nach ihm wird noch immer gefahndet. Die Radfahrerin war schwer verletzt worden, konnte erst vergangene Woche aus dem Krankenhaus entlassen werden. Sie war auf der Luegallee auf der rechten Fahrspur unterwegs gewesen und von dem Lkw, der von der linken auf die rechte Spur wechselte, gegen ein geparktes Auto gedrückt worden. Bei dem Lkw soll es sich im einen Kipper in Beige oder Hellgrau handeln.

(RP)