1. NRW
  2. Städte
  3. Düsseldorf

Düsseldorf: Mehr Selbstbewusstsein für Mädchen

Düsseldorf : Mehr Selbstbewusstsein für Mädchen

Das neue Projekt "Mädchenlandschaften" der AGB setzt sich für bessere Schulbildung von Migrantenkindern ein. Innerhalb eines Jahres lernen sie, sich von alten Rollenbildern zu lösen. Die Aktion Mensch unterstützt das Projekt.

Das Viertel rund um den Salzmannbau an der Himmelgeister Straße ist stark von Menschen mit Zuwanderungshintergrund geprägt: Rund 40 Prozent der etwa 2100 dort Lebenden haben ausländische Wurzeln. Das Wohnquartier gilt als "sozial belastet", um die 17 Prozent der Menschen dort sind auf Transferleistungen angewiesen.

Der im Salzmannbau ansässige Verein Aktion Gemeinwesen und Beratung (AGB) hat jetzt das Projekt "Mädchenlandschaften" initiiert, das eine spezielle Gruppe innerhalb dieser Bewohnerschaft unterstützen will: die Mädchen und jungen Frauen im Alter von 13 bis 18 Jahren. "Sie erleben Diskriminierung oft gleich auf mehreren Ebenen", sagt die Soziologin Swantje Nassauer vom AGB. "Und obwohl viele von ihnen in der Schule gut zurechtkommen, könnten die Mädchen oft keine beruflichen Perspektiven entwickeln."

Meist landeten diese trotz anders gelagerter Begabungen in den üblichen "Mädchenberufen" wie Friseurin oder Verkäuferin. "Der Druck, der aufgrund überkommener Rollenmuster von der Familie auf sie ausgeübt wird, ist nach wie vor stark. Und er nimmt in jüngster Zeit sogar noch wieder zu." Das gelte vor allem für die Migrantenkreise, aber nicht nur, sagt Nassauer.

Ein Großteil der 67 Mädchen, die jetzt an dem Emanzipationsprojekt "Mädchenlandschaften" der AGB teilnehmen, hat sich jedoch selbst angemeldet. "Denn da sind schon viele mutige Persönlichkeiten darunter, die mehr wollen", sagt die Sozialpädagogin Leyla Saygin, die das Projekt gemeinsam mit Swantje Nassauer leitet. Z

wei Dinge will man erreichen: "Zum einen das Bewusstsein dafür wecken, dass bei Migranten nicht mehr zwei Kulturen nebeneinander existieren, wobei man sich dann meist für eine entscheidet. Sondern dass in einer Person heute oft viele Kulturanteile zusammenkommen und keine davon vorherrschend ist", so Saygin. Zum anderen, und das vor allem, soll den Mädchen die Gleichberechtigung näher gebracht werden. Im ersten Schritt lernen sie Vorkämpferinnen der Emanzipation kennen — von der Sozialistin Clara Zetkin bis zur ersten deutschen Nachrichtensprecherin Wibke Bruhns.

In einem zweiten Teil stehen Workshops im Mittelpunkt, in denen die Mädchen erarbeiten, welche Vorstellungen sie selbst über sich haben. Dazu werden einige erfolgreiche Frauen aus der Wirtschaft eingeladen. So berichtet eine Ingenieurin über ihren Werdegang und Berufsalltag. Und kann damit zum Vorbild werden für die Mädchen, die oft zuhause noch immer zu hören bekommen, dass Mathe nichts für sie sei.

Schließlich werden die jungen Teilnehmerinnen in Kleingruppen ihre Erfahrungen und Erkenntnisse in Sketchen oder einer Ausstellung umsetzen und diese dann öffentlich vorstellen. Das erste Mal treten sie anlässlich des Weltfrauentags am 8. März im Bürgerhaus Bilk im Salzmannbau auf. Danach sind die Ergebnisse am 27. März bei der 5. Bilker Kriminacht im Stadtteilzentrum Bilk zu sehen. Der Erlös der Veranstaltung soll in das Projekt "Mädchenlandschaften" fließen.

(RP)