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Inklusion: Mehr Plätze für behinderte Kinder

Inklusion : Mehr Plätze für behinderte Kinder

Die Stadt will die Zahl der Kita-Plätze für Jungen und Mädchen mit Behinderung in den kommenden Jahren von derzeit knapp 400 auf 600 erhöhen. Dabei soll sich das Schwergewicht weiter verlagern: von eigenständigen heilpädagogischen Einrichtungen und Gruppen hin zu gemischten integrativen Gruppen in regulären Kindertagesstätten.

Das Schlüsselwort heißt Inklusion. "Kinder mit Handikap sollen bereits im Vorschulalter möglichst gemeinsam mit nicht-behinderten Altersgenossen aufwachsen. Auch Plätze für unter Dreijährige mit besonderem Förderbedarf wird es deshalb in Zukunft geben", sagt Klaus Kaselofsky, Vize-Leiter des Jugendamtes. Wie ein solches Miteinander funktioniert, weiß man in der Kita an der Diepenstraße.

Die Einrichtung mit einer heilpädagogischen Gruppe (zehn behinderte Kinder) sowie zwei integrativen Gruppen (jeweils zehn nichtbehinderte und fünf behinderte Kinder) gehört zum städtischen Förderungszentrum. Auf dem Hof spielen die Kinder an diesem noch frischen Frühlingstag Busfahrer. "Ich will lenken", ruft Dario und will nach vorne. "Warte noch einen Moment", ruft ihm Leiterin Myrna Krause zu.

Seit Mitte der 70er Jahre lebt man hier das inzwischen "Inklusion" genannte Konzept. Eine Strategie, die besonderen Aufwand bedeutet. Im Team von Diplom-Heilpädagogin Krause arbeiten eine Diplom-Sozialpädagogin, vier Erzieherinnen, zwei Heilerziehungspflegerinnen, eine Kinderkrankenschwester, eine Kinderpflegerin sowie eine Hauswirtschafterin. "Außerdem bringen Ergotherapeuten, Motopäden, Physio- und Sprachtherapeuten ihr Wissen ein", sagt Markus Lüke.

Der 49-Jährige leitet das Förderungszentrum, verfügt über jahrelange Erfahrung. Die gemeinsame Erziehung, Bildung und Betreuung der Kinder stärke deren "Selbstbewusstsein, Eigenständigkeit und Identität", weiß er. Aus Sicht der beiden Praktiker ist entscheidend, dass die steigende Zahl integrativer Gruppen in Düsseldorf künftig für ein möglichst dezentrales Angebot sorgt.

"Je nachdem, wo eine Familie mit behindertem Kind lebt, muss sie weite Wege zu einer geeigneten Kita in Kauf nehmen. Das sollte sich ändern, denn gerade die sozialen Kontakte im Wohnviertel setzen sich in der Schulzeit fort", sagt Lüke. Für eine Verbesserung der wohnortnahen Versorgung könnte - neben mehr integrativen Gruppen in Regel-Kitas - auch das relativ neue Konzept der Einzelintegration sorgen.

Dabei entscheiden Eltern, ihren Sprössling in einer Einrichtung unterzubringen, in der es weder integrative noch heilpädagogische Gruppen gibt. "28 Plätze gibt es bislang, 41 Kinder werden es im kommenden Kita-Jahr sein", sagt Kaselofsky. Allerdings sehen die Praktiker die Einzelintegration nicht zwingend als Königsweg, auch wenn sie auf den ersten Blick ein Maximum an Inklusion zu bieten scheint. "Es gibt Fälle, in denen das Sinn macht", sagt Myrna Krause. Die Heilpädagogin gibt aber zu bedenken, "dass der in heilpädagogischen oder integrativen Einrichtungen versammelte Sachverstand in normalen Regel-Kitas nicht in gleichem Umfang abrufbar ist."

(jj)