Mehr Kindertagesstätten in Düsseldorf sollen früher öffnen und später schließen

Konsequenz aus Eltern-Befragung : Mehr Kitas in Düsseldorf sollen flexiblere Öffnungszeiten anbieten

Die Stadt Düsseldorf reagiert mit einem Maßnahmenpaket auf die Ergebnisse einer Eltern-Umfrage. Unter anderem soll es für Kinder ab drei Jahren mehr 45-Stunden-Plätze geben.

Die Stadt will stärker auf die Wünsche von Müttern und Vätern bei der Betreuung ihrer Kinder eingehen. Der Sprecher der Düsseldorfer Kita-Eltern, Marcel Scherrer, nennt das vorgelegte Maßnahmepaket „einen Schritt in die richtige Richtung“. Die wichtigsten Fakten im Überblick.

Was passiert mit den Betreuungs- und Öffnungszeiten? In sechs städtischen sowie in 20 Kitas freier Träger werden die Öffnungszeiten mit Beginn des Kita-Jahres 2019/20 um fünf Stunden wöchentlich erweitert. Das zum Jahresende auslaufende Bundesprogramm „KitaPlus“, das bereits in vier Einrichtungen erweiterte Zeiten ermöglicht, verlängert die Stadt in eigener Regie.

Außerdem sollen bei allen neuen Einrichtungen „Flexibilitätsansätze“ mit berücksichtigt werden. Was das konkret heißt, bleibt in dem Katalog allerdings offen. Darüber hinaus sollen Kitas Einzelfall-Absprachen mit Eltern treffen können – im Rahmen ihres Wochenbudgets.

Kostet die Flexibilisierung Geld? Ja. Die Träger erhalten einen Kostenersatz von 10.000 Euro pro Jahr aus der Stadtkasse. Wo genau Öffnungszeiten verlängert werden, können sie flexibel handhaben. Ändert sich die Bedarfslage, werden die Fünf-Stunden-Kontingente auf andere Einrichtungen desselben Trägers übertragen. Laut Jugenddezernent Burkhard Hintzsche sind die Mehrkosten gedeckt, und zwar „durch das Auslaufen der kommunalen Förderung der Familienzentren“.

Welche weiteren Änderungen sind geplant? Die 35 Wochenstunden-Angebote ohne Mittagessen, bei denen Eltern nachmittags noch einmal in die Kita kommen müssen, werden systematisch abgebaut. „Dieses Angebot reduzieren wir in den nächsten drei Jahren um jeweils fünf Prozent“, sagt Hintzsche und trifft damit den Nerv der Jugendpolitiker. „Das will heutzutage niemand mehr“, sagt Florian Tussing (CDU). Und Paula Elsholz von den Grünen ergänzt: „Ich hätte nichts dagegen, diese Quote gleich auf zehn Prozent festzulegen.“

Gute Nachrichten gibt es für Eltern, die bei kleinen Kindern mit weniger Betreuungszeit auskommen, dann aber wieder mehr arbeiten wollen. „U 3-Kinder mit geringeren Kontingenten haben künftig in einer Einrichtung, wenn sie drei Jahre alt werden, bei der Zuteilung eines 45-Stundenplatzes Vorrang vor Neuaufnahmen“, sagt Hintzsche.

Welche Erfahrungen gibt es bereits? Zu den Pionieren bei den Öffnungszeiten gehört die städtische Kita an der Weißdornstraße in Stockum, in der ein Teil der Plätze für Kinder von Mitarbeitern der Messe vorgesehen ist. 60 Jungen und Mädchen im Alter zwischen einem und sechs Jahren werden dort betreut. Bis zu 15 dieser Kinder können eine Stunde länger – also bis 17.30 Uhr statt bis 16.30 Uhr – bleiben.

„Dieses Angebot wird gut angenommen. Es kommt der Lebenswirklichkeit von immer mehr Eltern entgegen“, sagt Leiterin Astrid Riecke (60). Beim Start vor elf Jahren war die Einrichtung sogar bis 18 Uhr geöffnet. „Auch das haben einige Eltern genutzt, wir haben es aber nach einem Jahr wieder um eine halbe Stunde nach vorne gelegt – auch aus personellen Gründen“, berichtet die Leiterin. Für die Jungen und Mädchen, die bis zum Schluss bleiben, gibt es zwei Betreuerinnen. Davon arbeitet eine stets bis 17.30 Uhr.

Gibt es Einschränkungen? Ja. Wer den Nachwuchs länger in der Kita lässt, kann ihn nicht schon morgens um 7.30 Uhr bringen. „Kein Kind soll länger als neun Stunden bleiben. Darauf achten wir“, sagt Ute Plankert, Kita-Fachbereichsleiterin für die Stadtbezirke 3 und 5. Insgesamt hat das Team an der Weißdornstraße gute Erfahrungen mit längeren Zeiten gemacht. „Damit vermeiden wir auch Anschluss-Betreuungen durch Baby-Sitter oder Tageseltern. Und das kommt den Kindern entgegen“, sagt Riecke.

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