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Interview: Kolumne Die Woche In Düsseldorf: Mehr Gefühl für die Subkultur

Interview: Kolumne Die Woche In Düsseldorf : Mehr Gefühl für die Subkultur

In einer modernen Stadt lieben die Menschen schicken Trödel und die nicht so allglatten Ecken.

Wer einen Ausflug macht und ein paar Kilometer hinter Aachen in Belgien auf die Straße der Antiquitäten abbiegt, wird feststellen, dass die Zahl der Händler dort in den vergangenen Jahren abgenommen hat. Klagen sind zu hören, die Leute wollten heute keine schönen alten Holzmöbel mehr, es sei nur noch Modernes gefragt. Die Wahrheit liegt wohl in der Mitte. Der Massengeschmack hat sich geändert. Muffig soll's nicht mehr sein, das Alte kommt im Gewand neuen Designs und des "Shabby Chic" daher, ist also cool und aufgehübscht. Anmutung und Atmosphäre zählen, die Mischung zwischen Alt und Neu muss stimmen.

Dieses Lebensgefühl beeinflusst auch die Wünsche der Menschen an die Stadtplaner. Düsseldorf nur modern, glitzernd und teuer - das wollen viele nicht. Der neue OB Thomas Geisel hat mit diesem Gefühl geschickt Wahlkampf gemacht, indem er etwa den Kö-Bogen herabwürdigte. Die neue Sensibilität für diese Fragen dürfte die Planungspolitik der nächsten Jahre beeinflussen.

Initialzündung war sicherlich Monkey's Island an der Spitze der Speditionstraße. Als das hippe Strandparadies einem Doppelhochhaus weichen musste - in einem residiert heute das Hyatt-Hotel -, gab es Diskussionen über Monate. Viele Düsseldorfer hatten das Gefühl, man nehme ihnen etwas weg, wieder einmal müsse etwas Schönes dem kalten Mammon weichen. Ebenso war es, als im Quartier Central für den Trödel Les Halles das Aus kam. Der lockte jeden Samstag Tausende an, rund um den Güterbahnhof gab es Dauerstau. Geblieben ist davon nur das Café, das nach dem Abriss vor sieben Jahren an seinen heutigen Standort zog und als Restaurant und Disko viele Fans anzog. Es sah nicht mehr so abgerockt aus wie zu Beginn, es wurde investiert in den angesagten Tapeten-Leuchter-Leder-Stil. Nun läutet also bald auch sein Totenglöcklein.

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In der Sache ist das völlig in Ordnung. Zwischen den Beteiligten war Zwischennutzung mit kurzen Vertragslaufzeiten vereinbart. Steht die Planung, gibt es eine Genehmigung und kommt ein Investor, ist Schluss mit Party. Dennoch wird erneut ein Verlustgefühl eintreten, eben weil es in Düsseldorf so viele dieser nicht so glatt gebügelten Ecken nicht gibt.

Die Stadt hat, das muss sie sich vorwerfen lassen, keineswegs ihre Möglichkeiten genutzt, diese zu erhalten. Dazu hätte sie bei der Schaffung des Baurechts durchaus die Möglichkeit gehabt. Immerhin schließt sie auch über andere Fragen mit Investoren städtebauliche Verträge. Dass die Bar Olio erhalten wurde, ist auch nicht der Stadt zu verdanken, sondern dem Grundbesitzer Aurelis. Er hat auf den Bau von sechs zweieinhalbgeschossigen Stadthäusern verzichtet und die Immobilie an die Gastronomen veräußert. Eben weil eine Adressbildung wichtig ist und die kleine Verbindung zwischen Alt und Neu identitätsstiftend wirkt. Auch deshalb ist es wichtig, mit dem bisschen Subkultur, das Düsseldorf hat, schonend umzugehen.

(RP)