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Düsseldorf: Mehr als 500 Asylbewerber wohnen in Hotels

Düsseldorf : Mehr als 500 Asylbewerber wohnen in Hotels

Die Stadt ist auf die steigende Zahl von Flüchtlingen nicht vorbereitet. Immer mehr Menschen müssen deshalb in Hotels eingemietet werden. Der neue OB will sich sofort nach Amtsantritt darum kümmern.

Weil es an Unterkünften mangelt, muss die Stadt immer mehr Asylbewerber in Hotels unterbringen. Aktuell leben mehr als 500 Flüchtlinge in Hotels in der Innenstadt - und damit rund doppelt so viele wie im Frühjahr. Die Zahl der Asylbewerber in Düsseldorf insgesamt ist in den vergangenen Wochen auf rund 1500 und damit auf den höchsten Wert seit vielen Jahren angestiegen. 2008 hatte es noch 342 Asylbewerber in der Stadt gegeben, im vergangenen Jahr waren es 1029.

Der neue Oberbürgermeister Thomas Geisel (SPD) will das Thema direkt nach Amtsantritt angehen. "Die Unterbringung in Hotels ist fast so unbefriedigend wie in der Zeltstadt in Duisburg", sagt er. Die Stadtverwaltung habe auf den erwartbaren Anstieg der Asylbewerber-Zahlen in den vergangenen Jahren nicht so vorausschauend wie nötig reagiert. Geisel will das Problem auf der Verwaltungskonferenz am Dienstag, seinem ersten Tag im Amt, ansprechen. Dann kommt im Rathaus die Verwaltungsführung zusammen.

Die Stadt verfolgt seit Jahren das Konzept, die Asylbewerber über das Stadtgebiet zu verteilen und keine großen Sammelunterkünfte zu schaffen. In allen zehn Bezirken gibt es Unterkünfte. Weil der Bedarf steigt, hat die Stadt bereits einige zusätzliche geschaffen. So wurden rund 100 Personen in einer leerstehenden Schule in Düsseltal untergebracht. Seit langem heißt es von der Verwaltung, man suche nach weiteren Möglichkeiten zur Unterbringung - trotzdem spitzt sich die Lage zu. Auf die Zahl der Asylsuchenden, die nach Düsseldorf kommen, hat die Stadt keinen Einfluss. Die Menschen werden nach einem Verteilungsschlüssel auf Städte und Landkreise verteilt.

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Zufrieden mit der Hotel-Unterbringung ist niemand. Insbesondere für Familien gilt eine längere Zeit im Hotel als schwierig, wie auch die Verwaltung auf Anfrage mitteilt. Es fehle an Privatsphäre und Raum für Kinder. Außerdem lässt sich dort nicht kochen und waschen. Auch die Kosten sind höher als in anderen Formen der Unterbringung.

Der angespannte Wohnungsmarkt in Düsseldorf macht es allerdings schwierig, weitere Wohnungen anzumieten. Es gibt zudem wenig Leerstand bei öffentlichen Gebäuden. Wo die Stadt neue Unterkünfte schaffen will, ist unklar. Geisel will anregen, dass verstärkt nach Möglichkeiten zur Zwischennutzung gesucht wird. Als letzte Alternative müsse man über Wohncontainer nachdenken. "Wir brauchen zeitnah eine menschenwürdige und bezahlbare Lösung."

Unterstützung bekommt der neue OB von den Grünen, die voraussichtlich mit SPD und FDP eine Koalition im Stadtrat bilden werden. Die Unterbringung in Hotels sei nicht tragbar, sagt Bürgermeister Günter Karen-Jungen. Baudezernent Gregor Bonin habe die Zusage nicht eingehalten, sie bis zum Sommer zu beenden. Die Grünen fordern einen "Runden Tisch". "In den Ampel-Verhandlungen wird die Flüchtlingssituation oben auf der Tagesordnung stehen."

Hier geht es zur Bilderstrecke: So sah Duisburgs Zeltstadt für Asylbewerber aus

(RP)