Schnepfenvogel wird selten: „Meckervogel“ in Düsseldorf bedroht

Schnepfenvogel wird selten : „Meckervogel“ in Düsseldorf bedroht

Der Nabu hat die Bekassine zum Vogel des Jahres 2013 gekürt. Der Schnepfenvogel, Spitzname Meckervogel, ist zurzeit Gast in Düsseldorf. In Kaiserswerth besuchen die Vögel ein Feuchtgebiet. Dort aber sind Vögel nicht gern gesehen, da Gefahren für den nahen Flughafen bestehen. Die Bekassine ist ein scheues Wesen. Meckervogel heißt er im Volksmund, wegen seines meckerartig klingenden Rufes. Unbedarfte Spaziergänger haben schlechte Chancen, dem seltenen Watvogel in freier Natur zu begegnen, denn die Bekassine ist ein Meister der Tarnung.

Das könnte ihr zum Verhängnis werden, denn wer sich so gut verstecken kann, dem wird auch nur wenig Aufmerksamkeit zu Teil, wenn der Bestand der Art von Jahr zu Jahr kleiner wird. Denn anders als Weißstorch oder Wanderfalke kennt die Bekassine kaum jemand. Daher hat der Naturschutzbund Nabu sie zum Vogel des Jahres 2013 gewählt. In Deutschland ist die Bekassine auf der Roten Liste und gilt als vom Aussterben bedroht. Das liegt nicht etwa daran, dass die Unscheinbare das Ziel von Jägern ist, sondern an der Tatsache, dass der Lebensraum der Bekassine immer kleiner wird. Ihre Heimat sind Hochmoore, Feucht- und Salzwiesen.

Im Herbst zieht es die scheue Schnepfe dann in den wärmeren Süden. Und dabei rastet die Bekassine gerne in Düsseldorf. "Wir beobachtet jeden Oktober immer wieder Bekassinen in den Außenbezirken der Landeshauptstadt", sagt der Düsseldorfer Ornithologe Alfred Leisten. Im Herbst 2011 zählte er mehr als 60 Tiere in einem Hochwasser-Auffangbecken bei Kaiserswerth/ Kalkum in der Nähe der Startbahn des Flughafens. Ornithologe Klaus Baum gelang es im Winter 2010 sogar, ein Foto von den perfekt getarnten Tieren in der Nähe des Rheinufers bei Urdenbach zu machen. "Bei Annäherung einer Gefahr drücken sich Bekassinen in charakteristischer Weise auf den Boden, verhalten sich ganz still, um im letzten Moment dann in schnellem Flug aufzufliegen", sagt Böhm.

Auf ihrer Reise in den Süden und zurück sucht die Bekassine Feuchtgebiete, die ihrer Brut-Heimat ähneln. "Das Hochwasser-Auffangbecken Kalkum ist dafür ideal. Weil immer etwas Grundwasser dort steht, findet die Bekassine genau die Nahrung, die sie sucht", sagt Alfred Leisten. Doch genau das Biotop ist in Gefahr. "Es ist geplant, in dem Feuchtgebiet Büsche wachsen zu lassen, damit sich dort weniger Watvögel aufhalten, weil sie eine Gefahr für den Flugverkehr darstellen sollen", sagt Leisten.
Beim Flughafen bestätigt man das Problem. "Vögel stellen ab einer bestimmten Größe eine echte Gefahr für startende oder landende Jets dar", sagt Flughafensprecher Thomas Kötter. Bekassinen sind etwa so groß wie eine kleine Taube. Das reicht aus, um ein Triebwerk zu gefährden. Das Hochwasser-Auffangbecken aber liege außerhalb des Flughafen-Geländes. Nicht der Airport, sondern der Bergisch-Rheinische Wasserverband sei als Betreiber zuständig, so Kötter.

Dort bestätigt Peter Schu, Geschäftsleiter Technik, die Pläne, das Wasserbecken trocken zu legen oder "zu verbuschen". "Die Bezirksregierung ist Aufsichtsbehörde für die Wasserwirtschaft und auch für die Flugsicherheit, und die hat ein Planfeststellungsverfahren dazu eingeleitet. Wenn das meist leere Wasserbecken trocken gelegt und mit Büschen bepflanzt ist, gibt es in Flughafennähe weniger Vögel", sagt Schu.

Aus Sicht der Vogelkundler um Alfred Leisten wäre mit einem trocken-gelegten Feuchtgebiet im Düsseldorfer Norden auch der regelmäßige Aufenthalt der scheuen Bekassine in Düsseldorf gefährdet. Die Bezirksregierung in Düsseldorf kündigte gestern auf Anfrage an, sich in den kommenden Tagen zu den Plänen zu äußern.

Hier geht es zur Bilderstrecke: "Meckervogel" Bekassine ist bedroht

(jco/rl)
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