Maßnahme gegen Obdachlose: Steine unter Kniebrücke Düsseldorf zur Seite geräumt

Obdachlose in Düsseldorf : Steine unter Kniebrücke entfernt - Protest vor Rathaus

Die Auseinandersetzung um die Verhinderung eines Camps unter der Rheinkniebrücke hat sich am Donnerstag zugespitzt. Obdachlose trugen Steine vor das Rathaus. Gleichzeitig stellte die Stadt eine neue Notunterkunft vor.

Am Ende war es ein Katz- und Maus-Spiel, in dessen Mittelpunkt am Donnerstag jene Steine standen, mit denen die Stadt verhindern wollte, dass Menschen ohne Dach über dem Kopf weiter unter der Rheinbrücke kampieren. Während die Stadt bei einer spontan einberufenen Pressekonferenz in einer neuen Notschlafstelle in Heerdt erklärte, man lasse die Steine vollständig entfernen, waren Betroffene mit einigen Stunden zuvor gesicherten Exemplaren bereits auf dem Weg zum Rathaus.

Dort protestierten Obdachlose lautstark und engagiert gegen eine ihrer Einschätzung nach restriktive Politik der Landeshauptstadt. Diese setze offenbar darauf, die Betroffenen aus sensiblen Bereichen wie der Innenstadt oder dem Regierungsviertel zu vertreiben. Dem trat Miriam Koch, Leiterin des Integrationsamtes, entgegen. „Wir dulden Lager an vielen Stellen der Stadt, aber an der Rheinkniebrücke, am Ratinger Tor und am Hofgarten können wir das nicht.“ Grund seien Beschwerden über Vermüllung, Ratten, Fäkalien, Gerüche und unverantwortliche Defizite beim Brandschutz. „An der Brücke wurden immer wieder Feuer entzündet, die das Bauwerk hätten gefährden können“, sagte Ordnungsdezernent Christian Zaum. Auch sei niemand vertrieben worden. Bereits Tage vor Verlegung der Steine habe es Ansprachen durch städtische Mitarbeiter und Streetworker gegeben.

„Wir haben die neue Notschlafstelle an der Aldekerkstraße mit aktuell 30 Betten schon vorletzte Woche als Ausweichquartier angeboten, aber niemand ist gekommen“, betonte Koch. Von kommendem Montag an sei hier jeder willkommen, auch Menschen mit Hunden und Paare, die zusammen untergebracht werden wollen. „Ich frage mich, was wichtiger ist: eine Aufregung über Steine oder ein Angebot an Obdachlose, das deren Wünsche weitgehend berücksichtigt“, fügte die Amtsleiterin hinzu.

Argumente, die Oliver Ongaro, Streetworker beim Straßenmagazin Fiftyfifty, nicht wirklich überzeugen konnten. Bei den Protesten vor dem Rathaus sagte er: „Ich bin fassungslos, wie die Düsseldorfer Verwaltung mit Obdachlosen umgeht. Statt Steine unter eine Brücke zu legen, um zu verhindern, dass dort arme Menschen schlafen, sollte die Stadt mit den Steinen lieber ein Haus für Obdachlose bauen.“

Zuvor hatte Ongaro gemeinsam mit Wohnungslosen einige der Steine von der Kniebrücke mit dem Auto vor das Rathaus gefahren und dort auf einer Treppe vor dem Eingang platziert. Die Stadt habe den Obdachlosen die Steine in den Weg gelegt, „wir haben sie zurückgebracht“, meinte Ongaro. Die Protestierenden werfen der Stadt und ihrem Ordnungsdienst OSD einen respektlosen, teilweise gewalttätigen Umgang mit den Obdachlosen vor. Ongaro sagte, die Steine unter der Brücke seien „nur die Spitze des Eisbergs“. Allerdings wolle Fiftyfifty keine Eskalation herbeiführen, sondern „lediglich ein Zeichen setzen“. Vor Ort klärten die Obdachlosen Zaum und Stadtdirektor Burkhard Hintzsche darüber auf, warum sie die Unterkunft an der Aldekerkstraße ablehnen: „Für jemanden, der Flaschen sammelt und auf Spenden angewiesen ist, ist die Nähe zur Innenstadt dringend nötig.“

Das Verhältnis von Stadt und Fiftyfifty gilt als angespannt. Vor allem mit einzelnen Mitarbeitern des OSD hatte es immer wieder Auseinandersetzungen gegeben. Darauf angesprochen sagte Hintzsche: „Offenbar geht es Fiftyfifty nicht nur um praktische Lösungen bei der Unterbringung Wohnungsloser. Vertreter der Organisation definieren für sich offensichtlich einen weiterreichenden Auftrag.“ Er würde sich jedenfalls freuen, die Organisation beim nächsten Runden Tisch gegen Obdachlosigkeit begrüßen zu können.

Koch hatte zuvor in Heerdt klargestellt, in jedem Fall ein neues Lager unter der Kniebrücke verhindern zu wollen. Daran würden auch etwaige Provokationen durch Aktivisten nichts ändern. Schon bald könnten neue Steine unter der Brücke liegen. Das sei besser, als noch weitere Fahrradständer aufzubauen. „Ich denke beispielsweise an große und schwere Findlinge“, sagte die Amtsleiterin.

Hintzsche ging bei der Pressekonferenz noch einmal auf den Tod eines Obdachlosen vom Ratinger Tor ein. Es gebe keinen Zusammenhang zwischen der dortigen Räumung und dem Tod des Mannes einige Tage später. Er habe bereits eine lange Sucht- und Drogenkarriere hinter sich gehabt. Entscheidend sei, dass in Düsseldorf kein Obdachloser auf der Straße schlafen müsse. Es gebe genug Platz für alle. „Es ist unsere menschliche und moralische Pflicht und unser Ziel, allen Betroffenen zu helfen.“

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(csr/jj/ujr)
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