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Maskenpflicht in Düsseldorf: Die Entscheidung soll am Freitag fallen

Corona-Krise in Düsseldorf : Breite Mehrheit für Maskenpflicht

Auch in Düsseldorf sollen die Menschen sich und andere schützen. Die Entscheidung über eine Maskenpflicht soll am Freitag im Gesundheitsausschuss fallen. OB Thomas Geisel (SPD) möchte eine Maskenpflicht mit dem Land abstimmen.

Als erster Oberbürgermeisterkandidat hat sich Stefan Engstfeld von den Grünen für die Einführung einer Maskenpflicht in Düsseldorf per kommunaler Verfügung eingesetzt. Seiner Auffassung nach soll im öffentlichen Personennahverkehr, in Geschäften und in städtischen Dienstgebäuden mit Publikumsverkehr die Maskenpflicht gelten.

Engstfeld ist mit diesem Votum beileibe nicht alleine: Am Vormittag äußerten sich Politiker anderer Parteien ebenso deutlich. Am Freitag tagt der Ausschuss für Gesundheit und Soziales (AGS), dort dürfte die Vorentscheidung in der Sache fallen. Wir haben Verteter der Ratsfraktionen gefragt, wie sie zur Mundschutzpflicht stehen.

Am Dienstagabend gab es eine Videokonferenz der Düsseldorfer Grünen. „Rund 90 Mitglieder nahmen teil, es gab eine einhellige Zustimmung für die Maskenpflicht“, sagt der grüne OB-Kandidat. Laut Engstfeld soll die Maske überall dort getragen werden, „wo es ungewollt enger werden kann“. Der Mund-Nasen-Schutz könne das Risiko einer Übertragung von Corona-Viren auf andere mindern. „Mit der Maskenpflicht schützen wir also andere und werden so auch selbst geschützt.“

Neben den gekauften könnten auch selbstgenähte Mund-Nase-(Behelfs-)Masken und auch Schals oder Tücher verwendet werden können. „Professionelle Atemschutzmasken sollten hingegen dem medizinischen Personal vorbehalten bleiben, da dieses in engem Kontakt mit Infizierten arbeitet“, sagt Engstfeld.

Kurz nach dem Grünen kündigte die FDP-Spitzenkandidatin Marie-Agnes Strack-Zimmermann an, dass ihre Fraktion am Freitag im Gesundheitsausschuss den Antrag für eine Maskenpflicht stellen werde. „Das Beispiel Jena zeigt, dass die weitere Verbreitung des Coronavirus damit effektiv unterbunden werden kann“, sagt die Liberale.

Andreas-Paul Stieber (CDU) ist Vorsitzender des AGS. Er sei „absolut für die Maskenpflicht“ und hoffe auf eine interfraktionelle Entscheidung. Dies sei eine Sache, die die ganze Stadtgesellschaft betreffe, von daher wünsche er sich eine breite Einigkeit. Wer mit dem Coronavirus infiziert sei, lasse einen Virusnebel im Raum stehen, was eine unsichtbare Gefahr bedeute. Er sei am Dienstag in der Stadt gewesen, die sich merklich gefüllt habe. „Die Dichte war schon ein wenig beängstigend“, sagt Stieber, „aber je nach Ort hatten nur 15 bis 30 Prozent der Menschen eine Maske an“. Dies müsse geändert werden.

Stieber plädiert auch für eine breite Marketingaktion, wie sie die Stadt etwa für mehr Zivilcourage vor einigen Jahren durchgeführt habe. „Wir könnten auf Großplakaten für das Tragen der Masken werben und Hygienemaßnahmen erklären, das Ganze auf moderne Weise und grafisch gestaltet.“ CDU-Spitzenkandidat Stephan Keller sieht „einen Mehrwert, wenn jeder eine Maske trägt. Ich bin dafür.“ Keller ist Stadtdirektor in Köln, dort soll in den nächsten Tagen in Abstimmung mit dem Land entschieden werden.

Düsseldorfs Oberbürgermeister Thomas Geisel (SPD) unterstützt die Empfehlung der Bundeskanzlerin, einen Mund-Nasenschutz zu benutzen. „Natürlich vor allem im Öffentlichen Personennahverkehr, wo die Abstandsregelungen in den kommenden Tagen und Wochen durch das erhöhte Passagieraufkommen möglicherweise nicht immer eingehalten werden können. Aber auch im Einzelhandel, soweit er wieder geöffnet ist“, sagt Geisel, der aber ergänzt: „Von der Einführung einer Maskenpflicht sieht die Landeshauptstadt Düsseldorf im Moment ab. Wir warten auf eine einheitliche Regelung des Landes, die vermutlich zeitnah bevorsteht. Wenn jede Kommune eigene Regelungen trifft, sorgt das nur für Verunsicherung bei den Bürgern und senkt möglicherweise die Akzeptanz. Am liebsten wäre mir, wenn wir gar keine Vorschrift bräuchten, sondern alle Bürger die Empfehlungen der Experten von sich aus beachten würden.“

Markus Raub, Vorsitzender der SPD-Ratsfraktion, spricht sich wie Engstfeld für das Tragen eines Mundschutzes in der Öffentlichkeit aus. „Ich persönlich finde, dass überhaupt nichts dagegen spricht, einfach weil es der Sicherheit dient“, sagt Raub. Es reiche auch ein Schal oder ein Tuch vor dem Mund und der Nase aus, wenn Masken nicht zur Verfügung stehen. In Gesprächen mit Einzelhändlern habe er erfahren, dass sich die Händler sicherer fühlen, wenn Kunden mit einem Mundschutz in die Läden kommen. „Das heißt gleichzeitig aber auch, dass die Mitarbeiter einen Mundschutz tragen, wenn sie nicht schon von einer provisorisch aufgebauten Scheibe geschützt werden.“

Angelika Kraft-Dlangamandla, Fraktionssprecherin der Linke, will beim Spaziergang im Wald mit dem Hund nicht eine Maske tragen müssen. Sie hält es aber für „sehr vernünftig“, beim Einkaufen und Bahnfahren sich und andere zu schützen. „Ich finde es ohnehin gefährlich, wie sehr die Regeln wieder gelockert wurden. Wenn ich das Gedrängel an der Kasse zum Beispiel sehe, erlebe ich immer wieder, wie leichtsinnig manche sind. Es ist aber momentan eine andere Zeit als sonst, in der man Geduld haben muss“, sagt Kraft-Dlangamandla.

Ihre Meinung Was halten Sie von einer Maskenpflicht für Düsseldorf? Schicken Sie Ihre Meinung per Mail an duesseldorf@rheinische-post.de

Ihre Maske Die Maske im Design der Fortuna, wie sie Stefan Engstfeld auf unserem Bild trägt, gibt es für 6,95 Euro im Online-Shop des Fußball-Bundesligisten. Allerdings ist die Maske derzeit ausverkauft. Wo die Anfertigung von Masken auf Hochtouren läuft, zum Beispiel bei der Initiative Düssel-Rüssel, lesen Sie hier.

Auch die Moderne Änderungsschneiderei an der Friedrichstraße (Ladenpassage bei Menzels Lokschuppen) verkauft selbst genähten Mundschutz für fünf Euro das Stück. Auch Wünsche der Kunden werden umgesetzt. Infos gibt es unter der Rufnummer 0211 379984.

Gesichtsmasken für Kinder und Erwachsene gibt es auch an der Neusser Straße bei Tim und Lucy. Die Masken sind aus Baumwolljersey, ganz weich, können gewaschen oder ausgekocht werden. 15 Euro kostet ein Mundschutz, die Hälfte des Erlöses geht an die Obdachlosenorganisation Fiftyfifty.

Masken gibt es auch bei Textilunternehmer Christian Filusch, der in seinem litauischen Partnerbetrieb durch das Nähen von Masken hofft, Arbeitsplätze zu sichern. Bestellbar sind die waschbaren Textilmasken im Online-Shop.

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