Marlies Smeets wurde 1994 erste Oberbürgermeisterin von Düsseldorf

Erste Oberbürgermeisterin von Düsseldorf : 1994 – als „uns Marlies“ Chefin des Rates wurde

Es war eine Nachricht, die landesweit für Aufsehen sorgte. In Düsseldorf wurde eine Frau Oberbürgermeister: Marlies Smeets.

Als die SPD im Jahre 1994 die Wahl gewann, sah man sich in einer Entscheidung bestätigt, die sicher nicht ohne weiteres gefallen war – mit einer Frau als Spitzenkandidatin in den Wahlkampf zu ziehen. Marlies Smeets war zwar zuvor schon in der Stadt bekannt, da sie als Bürgermeisterin unter ihrem Parteifreund Klaus Bungert präsent war, aber nun sollte sie Nummer eins werden. Das Kalkül ging auf. Smeets, deren Berufsleben bei der Rheinbahn begonnen hatte und andauerte, gewann die Wahl. Sie folgte dem SPD-Urgestein Klaus Bungert, der 1974 erstmals und 1984 wegen eines Stimmenpatts durch einen Losentscheid OB geworden war. Unter Smeets gab es dann die erste rot-grüne Koalition.

Dass man sie sehr schnell in der Stadt „uns Marlies“ nannte, nahm sie als Kompliment und sieht das heute noch so, im Alter von 83 Jahren. Schnell hat sie damals einen eigenen Stil entwickelt, galt als resolut, aber auch kompromissbereit. Vor allem schätzte man die gebürtige Düsseldorferin für ihre klare Sprache und Empathie.

Bis zu ihrer Abwahl im Jahr 1999 durchlebte Düsseldorf entscheidende und bis heute prägende Jahre. Der Rheinuferpromenade wurde 1995 von ihr eröffnet, Düsseldorf zu einer der Hauptstädte der Telekommunikation, weil Mannesmann sich Anfang des Jahrzehnts erfolgreich um eine Lizenz für den Mobilfunk beworben hatte und mit dem Telekom-Konkurrenten D2 an den Start ging. Eine so nicht erwartete Erfolgsstory mit hohem Gewinn für die Stadt – finanziell, aber auch fürs Image. Im Hafen wurde nach und nach das zu Beton und Stein, was man bereits in den 1980er Jahren eher visionär angedacht hatte. Und es begann das, was man später als Boom und die ersten Schritte hin zu der erfolgreichen Stadt von heute einschätzen würde.

Dies der Sozialdemokratin an der Spitze des Rates zuzuschreiben, wäre indes falsch, und würde auch von ihr nie so behauptet. Auch wenn sie sicher wichtigen Anteil daran hatte.

In jenen Jahren hatte nämlich der (die) Oberbürgermeister (-in) nicht annähernd die Machtfülle, die er/sie heute hat. Erst seit der Wahl 1999, mit neuem Kommunalrecht, hatte NRW das geändert und der Oberbürgermeister wurde danach auch Chef der Verwaltung. Bis dahin war er Vorsitzender des Rates und oberster Repräsentant der Stadt, konnte zwar politisch agieren, Mehrheiten beschaffen, aber das Sagen in der Verwaltung hatte der Oberstadtdirektor. Dennoch: Smeets hatte Einfluss, nicht zuletzt durch ihre Fähigkeit, Kompromisse zu finden. Nach ihrem größten Erfolg in dieser Zeit gefragt, sagt sie heute: „Wir haben es in diesen Jahren trotz der schwierigen finanziellen Lage geschafft, nie etwas schließen zu müssen. Ich habe alle an einen Tisch geholt, jeder musste Federn lassen, aber am Ende waren wir zufrieden.“

Was heute nur noch wenige wissen: Düsseldorf war in den 1990er Jahren eine Stadt mit leerer Kasse. Von den Gewerbesteuereinnahmen heutiger Zeiten hat damals keiner geträumt, man musste eisern haushalten. Was auch gelang: Der letzte Haushalt vor Smeets’ Abwahl 1999 war ausgeglichen, sozusagen ein Signal für neue Zeiten, von denen dann ihr Nachfolger, Joachim Erwin (CDU), profitierte.

Als das Wahljahr 1999 begann, stand für die Genossen fest: Marlies Smeets soll an der Spitze bleiben. Obwohl einige an ihrer beruflichen Eignung zweifelten. Schließlich wusste man, was auf das Stadtoberhaupt an neuen Anforderungen zukommen würde. Die SPD jedoch vertraute „uns Marlies“, und sie galt bis wenige Wochen vor der Wahl als Favoritin. Ihr Sieg schien sicher zu sein, zumal die CDU einen Kandidaten aufstellte, der selbst in den eigenen Reihen – sagen wir: umstritten war. Joachim Erwin war von Sympathiewerten, wie sie Smeets hatte, weit entfernt und galt nicht als Versöhner. Aber dann zerschoss die Bundespolitik der Genossen Sicherheit: Unter einem SPD-Kanzler Gerhard Schröder wurden in Berlin Regelungen auf den Weg gebracht, die vor allem Rentnern und auch andere SPD-Wähler hart treffen würden. Die Empörung war groß! Und da als Nächstes Kommunalwahlen anstanden, hatten die Sozialdemokraten auf der unteren Ebene auszulöffeln, was Schröder und Co ihnen da eingebrockt hatten. Kurz und gut: Die meisten Städte des Reviers, über Jahrzehnte fest in roter Hand, gingen an die CDU – und in Düsseldorf verlor Marlies Smeets, wenn auch nur knapp und in einer Stichwahl.

Marlies Smeets vor drei Jahren auf der Königsallee: Heute lebt die ehemalige Oberbürgermeisterin in einem Seniorenstift in Lörick. Sie ist jetzt 83 Jahre alt. Foto: Bretz, Andreas (abr)
Smeets 2004 vor ihrem Porträt im Ältestenratssaal im Rathaus. Foto: Gabriel, Werner

Heute, viele Jahre später, sieht sie das gelassen. Sie lebt seit einiger Zeit in einem Senioren-Stift im Stadtteil Lörick, genießt das schöne Umland und die Kneipe im Erdgeschoss des Hauses, in der es donnerstags Reibekuchen und montags Mettbrötchen gibt. Auf ihre Partei und deren heutiges Bild angesprochen, sagt „uns Marlies“: „Es macht mich traurig und fassungslos. Hoffentlich ändert sich das bald!“

Mehr von RP ONLINE