Marien-Hospital in Düsseldorf: Schonende Prostata-Operationen per Roboter

Marien-Hospital in Düsseldorf : Prostata-Operationen mit dem Roboter

Am Marien-Hospital in Düsseldorf werden mit dem da-Vinci-X-Robotersystem Prostata-Operationen vorgenommen. Das Krankenhaus will das System bald auch in anderen Bereichen einsetzen. Wir waren bei einer OP dabei.

Entspannt sitzt Dragan Radujko im Wartezimmer der Urologie des Marien-Hospitals und wartet. Als der 72-Jährige aufsteht, wirkt er gelassen, aber nicht geschwächt, gut gelaunt ist er außerdem. Zehn Tage vorher ist Radujko operiert worden, Prostatektomie, fünf Tage vorher aus dem Krankenhaus entlassen worden. „Es geht mir jeden Tag besser, ich gehe viel spazieren“, sagt er. Vorgenommen hat den Eingriff Urologe Robert Rabenalt, der Ärztlicher Leiter des Zentrums für Interdisziplinäre Robotische Operationen (Ziro) in dem Pempelforter Krankenhaus ist.

Die Operations-Technik mit dem robotischen System da Vinci-X sei auch der Grund gewesen, sagt Radujko, dass er sich für diese Klinik entschied. „Mein Urologe hat das empfohlen, und meine Frau hat dann alles darüber herausgefunden“, sagt er. „Ich habe natürlich keinen Vergleich, wie es sonst gewesen wäre, aber ich bin froh, dass ich mich dafür entschieden habe.“ Rabenalt freut sich über die schnellen Genesungsfortschritte seines Patienten. Er arbeitet regelmäßig mit der neuesten Generation des Systems, das aktuell als modernstes für minimal-invasive Eingriffe gilt.

Im Operationssaal – auf dem Tisch liegt ein Patient, bei dem der gleiche Eingriff gemacht wird wie bei Dragan Radujko – ist das Robotersystem raumbeherrschend. „Ein bisschen kleiner dürfte es sein“, bestätigt Rabenalt, erinnert sich aber an frühere Generationen, die nahezu einen kompletten OP-Saal ausfüllten. Der Operateur selbst arbeitet also einige Meter entfernt von seinem Team, dem Assistenten und den OP-Schwestern, die klassisch beim Patienten stehen. Durch kleine Hautschnitte, etwa fünf bis zehn Millimeter lang, sind ihm die notwendigen Instrumente und eine Kamera mit zwei getrennten Optiksystemen in den Körper eingeführt worden.

Rabenalt hat unterdessen an einer großen Steuerkonsole Platz genommen, bewegt jetzt mit zwei kleinen Steuerhebeln (man denkt unwillkürlich an die Stofftier-Greifautomaten auf der Kirmes) die Arme des Roboters und kann dabei zehnfach vergrößert, in 3D und gestochen scharfer Auflösung sehen, was passiert. Für das Team gibt es zusätzlich jeweils einen Bildschirm auf jeder Seite des Operationstischs. Schnell offenbaren sich die Vorteile dieser Form der Mikrochirurgie: Feinste Strukturen wie Nerven oder Gefäße sind gut zu erkennen, können entsprechend schonend und mit weniger Folgen operiert werden. „Der Blutverlust und die Gewebeschäden sind deutlich geringer“, sagt Rabenalt: „Das spürt der Patient gleich postoperativ, er ist schneller auf den Beinen und hat weniger Schmerzen.“

Jeder Roboterarm besitzt multiple Gelenke und überträgt die Bewegungen des Arztes als elektronische Signale. Dadurch verschafft der da Vinci-X dem Operateur eine besonders ruhige Hand: „Wenn ein Arzt mal ein kleines Zittern hätte, würde das ausgeglichen“, so Rabenalt. Gewöhnungsbedürftig seien für manche seiner Kollegen allenfalls die fehlenden taktilen Empfindungen – der Operateur sieht zwar, was er tut, spürt dabei aber keinen Widerstand. Beim ersten Nähen mit dem da Vinci, sagt der Urologe, habe deshalb wohl jeder einmal einen Faden zerrissen. Ihm selbst ist die Übung an dem Gerät anzumerken, er operiert präzise und kommuniziert ruhig mit dem Team, das Mikrofon des Robotersystems braucht er trotz der Entfernung zum OP-Tisch nicht.

Deutschlandweit nutzen rund 130 Krankenhäuser den da Vinci-X: „Viele Kliniken scheuen die hohen Anschaffungskosten, zumal die Eingriffe nicht speziell vergütet werden“, sagt Rabenalt. Der Preis (aktuell bis zu zwei Millionen Euro) gehört damit zu seinen wenigen Verbesserungsvorschlägen neben der Größe des Systems. Am Ziro soll es künftig auch bei verschiedenen gynäkologischen und bauchchirurgischen Eingriffen angeboten werden. „Eigentlich geht das in fast allen Bereichen“, sagt Rabenalt.

Sein Patient Dragan Radujko würde das unterschreiben. Ihm gehe es aktuell jeden Tag besser, und mögliche Folgeerscheinungen einer solchen Operation – wie etwa Inkontinenz oder Potenzstörungen – seien offenbar vermieden worden. „Ich bin jetzt sehr optimistisch“, sagt Radujko lächelnd. Im Weggehen fällt ihm aber doch noch etwas ein, er dreht sich zu seinem Arzt um. „Darf ich eigentlich etwas trinken? Ein Glas Wein?“ – „Alles, was Sie wollen“, sagt Rabenalt.

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