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Düsseldorf: Am Ziel sind alle erschöpft, aber glücklich

Düsseldorf : Am Ziel sind alle erschöpft, aber glücklich

Nach 42, 195 Kilometern kommt das Ende eines Marathonlaufs. Und das sieht für jeden Läufer unterschiedlich aus. Wo die einen lächelnd vom Trab in den Schritt übergehen, lassen sich die anderen in die Arme ihres Nachbarn fallen.

Die letzten Meter sind für die meisten nicht die schlimmsten. Man sollte das ja meinen, angesichts einer Strecke von 42,195 Kilometern, aber wirklich schwer ist es in der Mitte. "Wenn die Hälfte noch vor einem liegt, und man so langsam denkt, jetzt könnte ich auch im Bett liegen", beschreibt es eine der Teilnehmerinnen. Auf den letzten Metern hingegen werde man getragen. Zunächst natürlich vom Publikum. Viele sind an das Rheinufer gekommen, um den Läufern Respekt zu zollen. Und darum geht es am Ziel. Nicht so sehr darum, Mut zu machen, aufzumuntern. Hier, am Ende verdienen sich die Teilnehmer, was sie sich in den 40 Kilometern zuvor erlaufen haben: ihren eigenen kleinen ganz persönlichen Triumph, weil sie es geschafft haben. Das ist, was zählt. Etwa für Verena Reinett, die ihrem Laufpartner Stephan Laufs am Ziel in die Arme fällt. Schwitzend, aber glücklich. "Neue persönliche Bestzeit", sagt sie. Nach drei Stunden, 49 Minuten und 38 Sekunden.

 Mat und Lei (v.l.) aus den Niederlanden umarmen sich: "Eine fantastische Stimmung" fanden sie.
Mat und Lei (v.l.) aus den Niederlanden umarmen sich: "Eine fantastische Stimmung" fanden sie. Foto: Hans-Juergen Bauer (hjba)

Zum neunten Mal laufen die Mettmanner einen Marathon. Immer gemeinsam. Doch dieser sei bisher der Schönste gewesen. "Das Wetter war einfach perfekt zum Laufen", sagt Verena Reinett. So habe es an der Strecke kaum Leerlauf gegeben, kaum Abschnitte, an denen man nicht angefeuert worden sei, sagt Laufs. Seine Partnerin hakt ihn unter, erschöpft seien sie natürlich trotzdem ein bisschen.

 Frank Symanski aus Erkelenz hatte zu kämpfen gehabt. Er trägt Trauerflor.
Frank Symanski aus Erkelenz hatte zu kämpfen gehabt. Er trägt Trauerflor. Foto: Hans-Juergen Bauer (hjba)
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Es ist Mittagszeit, und die Rheinuferpromenade wird voller. Am Ziel läuft besonders laute Musik, zwei Kommentatoren begrüßen die einlaufenden Teilnehmern. Sie kommen natürlich aus Düsseldorf und Umgebung, aber auch aus Dänemark, Großbritannien und natürlich aus den Niederlanden. Viele Teilnehmer aus dem Nachbarland tragen Orange. Holland krönt in dieser Woche schließlich einen neuen König. Vereinzelt werden niederländische Fahnen geschwungen.

 Anna trägt die Fahne ins Ziel, um die Düsseldorfer Fortuna zu unterstützen.
Anna trägt die Fahne ins Ziel, um die Düsseldorfer Fortuna zu unterstützen. Foto: Hans-Juergen Bauer (hjba)

Ein Läuferpaar besteht aus Mat und Lei aus Venlo und Baarlo. Ihnen ist die Zeit nicht so wichtig, sagen sie, ankommen sei das Entscheidende gewesen. Mat nimmt seinen Freund in den Arm, sie lachen, sind entspannt. "Wir haben gut für den Marathon trainiert", sagen sie, außerdem seien die Bedingungen "einfach fantastisch" gewesen. Auch für sie war der diesjährige Marathon in Düsseldorf der beste, den sie mitgemacht haben. "Alle sind so wahnsinnig freundlich, die Teilnehmer, die Zuschauer." Besonders loben sie die Organisation der Veranstaltung. An alles sei gedacht, sagt Lei. Doch nun müssen sie sich etwas Warmes anziehen, außerdem warten ihre Familien auf sie. Viele der Läufer werden von ihrer Familie am Ziel erwartet. Geschmückte Kinderwagen stehen da, Cliquen, die Plakate gebastelt haben, eine Teilnehmerin nimmt auf den letzten Metern ihre kleine Tochter an die Hand und führt sie durchs Ziel. Das Mädchen freut sich über die Aufmerksamkeit des Publikums.

 Solidarität mit Boston: Auch dieser Teilnehmer gedenkt beim Zieleinlauf der Opfer des Terrors.
Solidarität mit Boston: Auch dieser Teilnehmer gedenkt beim Zieleinlauf der Opfer des Terrors. Foto: Hans-Juergen Bauer (hjba)

Für die meisten Menschen hier sind die Ereignisse von Boston weit weg. Und doch. "Ich habe schon darüber nachgedacht", sagt ein Teilnehmer, "wenn man sieht, was hier los ist und wie eng die Menschen hier stehen." Frank Symanski aus Erkelenz trägt Trauerflor. "Es war so schrecklich, was dort passiert ist, ich musste oft daran denken, während ich unterwegs war", sagt der 44-Jährige. Natürlich ist auch er am Ende glücklich, angekommen zu sein. Allerdings sieht man ihm die Erschöpfung an. Schön war es, sagt er und läuft humpelnd Richtung Ausgang.

(RP/ila)