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Verfahren soll auf weitere Manager ausgeweitet werden: Mannesmann-Prozess: Neue Beweisanträge

Verfahren soll auf weitere Manager ausgeweitet werden : Mannesmann-Prozess: Neue Beweisanträge

Düsseldorf (dto). Im Mannesmann-Prozess stellt die Staatsanwaltschaft neue Beweisanträge. Auf diese Weise will die Behörde den Angeklagten doch noch strafrechtliche Verstöße nachweisen. Die zuständige Richterin hatte in einer Stellungnahme in der vergangenen Woche keine strafrechtlich relevaten Tatbestände erkennen können.

Vor dem Landgericht Düsseldorf warfen die Anklagevertreter am Donnerstag dem Vorstandssprecher der Deutschen Bank AG, Josef Ackermann, vor, vorsätzlich gegen das Aktienrecht verstoßen zu haben. Staatsanwalt Johannes Puls sagte, Ackermann sei "entgegen seiner eigenen Darstellung" sehr wohl bewusst gewesen, dass der frühere Mannesmann-Aufsichtsratsvorsitzende Joachim Funk nicht eine Prämie an sich selbst habe mit beschließen dürfen.

Der Prozess steht dagegen nach Einschätzung der Verteidigung vor einem zügigen Ende. Der Verteidiger von Deutsche Bank-Vorstandssprecher Josef Ackermann, Eberhard Kempf, geht davon aus, dass die Beweisaufnahme Ende April abgeschlossen sein könnte. Ein Verfahrensende sei dann "vielleicht schon Ende Mai" denkbar, sagte Kempf am Rande des Prozesses am Donnerstag in Düsseldorf.

In einem Beweisantrag führte Kempf am 20. Verhandlungstag aus, die Prämienbeschlüsse für führende Mannesmann-Manager hätten nicht gegen geltendes Aktienrecht verstoßen. Die gewährten Anerkennungsprämien seien nach dem Prinzip der Privatautonomie des Unternehmens erfolgt. Demzufolge sei das Unternehmen frei in seiner Entscheidung, solche Sonderzahlungen zu gewähren.

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Staatsanwaltschaft will mehr Manager einbeziehen

Die Staatsanwaltschaft möchte jetzt in das Verfahren auch Millionen-Prämien an weitere Führungskräfte von Mannesmann einbeziehen, von deren strafrechtlicher Verfolgung sie bislang abgesehen hat. Ferner soll ein Bonusprogramm für das Geschäftsjahr 1999 von Mannesmann berücksichtigt werden, dessen Beschluss durch das Aufsichtsratspräsidium "erhebliche Mängel" aufgewiesen habe. Auch hier habe sich der damalige Aufsichtsratsvorsitzende Funk selbst begünstigt, sagte Puls.

Bislang war es der Staatsanwaltschaft nicht gelungen, den von ihr gegenüber Funk, Ackermann, dem früheren IG-Metall-Chef Klaus Zwickel und dem damaligen Betriebsratschef Jürgen Ladberg erhobenen Vorwurf der schweren Untreue zu erhärten. In der vergangenen Woche hatte die Vorsitzende Richterin Brigitte Koppenhöfer nach einem Rechtsgespräch mit den Prozessparteien erklärt, bei keinem der Angeklagten gebe es Anhaltspunkte für strafrechtlich relevante Untreue gegenüber der Mannesmann AG.

Funk hatte Anfang 2000 im Zuge der Übernahme des Düsseldorfer Unternehmens durch Vodafone neun Millionen Mark als "Anerkennungsprämie" erhalten. An den früheren Mannesmann-Vorstandsvorsitzenden Klaus Esser waren rund 30 Millionen Mark an Prämien gezahlt worden. Der Ex-Vorstandsvorsitzende ist der Beihilfe zur Untreue angeklagt. Insgesamt waren nach der Übernahme 111 Millionen Mark an aktive oder pensionierte Mannesmann-Manager geflossen.