Von Beruf Chauffeur: Mann in Schwarz

Von Beruf Chauffeur : Mann in Schwarz

Jörg Kramp ist Chauffeur. Der 44-Jährige kutschiert Promis und die, die es sein wollen, sogar bis nach Paris. Berufsregel: nichts sehen, nichts hören, nichts sagen.

Hände sind seine Visitenkarte. Ja, sicher, Fahr- und Sicherheitstraining, Kfz-Ausbildung, all das ist wichtig und nötig. Aber die Hände sind's, die entscheiden, ob Jörg Kramp einen Kunden chauffieren kann. "Ich geh' alle zwei Wochen zur Maniküre", sagt er. "Es ist unheimlich wichtig als Chauffeur, dass man gepflegte Hände hat. Das will der Kunde so."

Abseits der kosmetischen Vorzüge hat sich der gebürtige Düsseldorfer durch Ausbildung und Schulungen für den Job hinter dem Steuer nobler Karosserien fit gemacht. Alles begann - im Kindergarten. "Schon mein Vater war Chauffeur bei der Stadt Düsseldorf. Der hat mich als ganz kleiner Junge für Autos begeistert." Es kam, wie es kommen musste. Ausbildung zum Kfz-Mechaniker und "mit 18 endlich der Lappen".

Drei Jahre arbeitete Kramp als Geselle, dann bevölkerte er als Lkw-Fahrer 15 Jahre die Straßen Europas. "2002 wurde ich arbeitslos und wanderte aus", sagt der Mann mit den manikürten Händen. In Ungarn machte er Fahr- und Sicherheitstrainings, lernte den Unterschied zwischen gepanzerten und "normaler" S-Klasse kennen: "Beim tonnenschweren Daimler müssen sie ganz schön kurbeln." 2004 waren Ungarns Straßen abgegrast, Kramp kam zurück nach Deutschland. Seitdem chauffiert er die meist besser Betuchten Düsseldorfs durch die Landeshauptstadt. "Ich halte es grundsätzlich mit den drei Affen: nichts sehen, nichts hören, nichts sagen." Devise: da rein, da raus. Muss er auch, nur mit der Verschwiegenheit hat er eine Chance, auf dem umkämpften Markt der Privatchauffeure weiter am Steuer von Bentley, Jaguar, Landrover, Lexus S-Klasse zu bleiben.

Doch er plaudert durchaus - natürlich ohne Namen zu nennen. Nicht selten fährt er die Damen, bei denen um elf Uhr die Frisur sitzt und alle Nägel trocken sind, ausgiebig zum Shopping spazieren. Er trägt das Täschchen die Kö rauf und runter, dackelt artig hinterher. "Auch das gehört zu dem Job als Chauffeur. Da bin ich dann Mädchen für alles." Ältere Kunden möchten es oft klassisch: mit Chauffeur-Mütze und weißen Handschuhen. Der schwarze Anzug mit weißem Hemd ist ohnehin jedes mal Pflicht, wenn der den Motor anlässt.

Er hat sie mittlerweile fast alle gefahren: den Börsen-Yuppie, die steinreiche Unternehmer-Gattin, den Bordellbesitzer und den Mann mit dem "Beruf: Sohn". Eine Regel gilt aber fast immer: nie über Privates oder Politik reden. "Das ist ein Tabu. Nur wenn der Kunde es wirklich will, redet man drüber", erzählt Kramp. Das entscheidet sich meist in den ersten 60 Sekunden, nachdem er mit weißen Handschuhen die Tür geöffnet hat und den Gast eingeladen hat.

Kramp hat schon am Hintereingang eines Hotels das Auto wechseln müssen und hat den öffentlichkeitsscheuen Promi "in ein Unterhaltungslokal mit Damen" kutschiert, erzählt Kramp mit verschmitztem Gesicht. Es kann aber auch schon mal bis Paris gehen...

Nur bis nach Hause geht es oft für einige Dialyse-Patienten, die Kramp mit seiner schwarzen S-Klasse vom Krankenhaus abholt. "Da sieht man die andere Seite des Lebens. Oft unterhält man sich über die Krankheit, das Leben mit ihr und den Folgen für Familie und Freunde", erzählt Kramp. Die Fahrt mit Kramp, im schwarzen Anzug und mit Mütze ist dann oft das Einzige, was sich die Menschen gönnen. Nach der ermüdenen Dialyse eine besondere Fahrt nach Hause.

Nicht zu jung

Auf dem Arbeitsmarkt für Chauffeure gibt es viele, die selbstständig arbeiten. Wer fest angestellt bei einem Unternehmen, beispielsweise als Cheffahrer, landen möchte, sollte nicht zu jung sein, sagt Kramp: "Erst wer mindestens 35 Jahre alt ist, gilt als seriös." Kontakt zu Jörg Kramp unter Telefon 0162/1677594.

(RP)
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