Mallorca - die Oster-Insel der Düsseldorfer

Mallorca: Die Oster-Insel der Düsseldorfer

Für viele Düsseldorfer fühlt sich Mallorca näher an als die Stadtteile Hellerhof oder Knittkuhl. An den Ostertagen begegnen sich viele von ihnen dort - und freuen sich über gutes Wetter.

Im Urlaub weit fort sein von daheim? Neue Leute kennenlernen? Geht alles - aber nicht als Düsseldorfer auf Mallorca. Weil: Die Wahrscheinlichkeit, dort Bekannte, Nachbarn, Kollegen oder aus der Zeitung vertraute Leute zu treffen, ist hoch.

Und wem verdanken wir das? Vor allem der LTU, die in den 1980er und 1990er Jahren eine Art permanente Verbindung schuf. Mit der LTU übernahm Achim Hunolds Air Berlin diesen Job, erfand - genialer Name! - den Mallorca-Shuttle (mehrere Flüge täglich) und löste ein Gefühl aus, die Insel liege näher als Hellerhof oder Knittkuhl. Was im Grunde stimmt: Es gibt in Düsseldorf Ortsteile, die sind noch heute schlechter an das Bus- oder Bahnnetz angebunden als Palma per Jet an den Flughafen Düsseldorf.

Die Pleite von Air Berlin traf die Insel-Fan-Gemeinde Düsseldorfs daher auch schlimmer als ein Bahnstreik die Pendler. Plötzlich abgeschnitten von Finca und First-Line-Villa in Andratx - katastrophal. Dass andere Airlines wie etwa Eurowings und Norwegian weiter abhoben, war kein Trost, denn deren Preise schossen prompt nach oben.

"Alle-nach-Malle-Strategie"

Zuletzt hatten sich die Düsseldorfer nämlich angewöhnt, für "nen Appel und nen Ei" Richtung Insel zu düsen. Der Niedrigpreis war Teil der "Alle-nach-Malle-Strategie" und eines der stärksten Argumente für den Immobilien-Kauf oder die Dauermiete auf der größten Balearen-Insel. Mit Erleichterung sieht man nun, dass Niki Lauda wieder Gas gibt in der Luft, von Ryan Air beflügelt wird und auch die anderen wie Condor und Eurowings mehr Flieger abheben lassen.

Mehr als 300 Starts und Landungen Düsseldorf-Palma zählt der Flughafen allein jetzt in den Osterferien, über 60.000 Menschen sind das, die ab der NRW-Landeshauptstadt nach Mallorca reisen oder von dort zurückkehren.

Meist gibt es schon im Flieger die ersten Begrüßungen von Bekannten. Und jene Glücklichen, die sich auf der Insel was gekauft oder dauergemietet haben, kennen sich meist ohnehin. Nicht zuletzt, weil gemeinsame Besuchsrhythmen für Kurz-Tripps entstanden sind: Freitagmittag hin, Sonntagabend zurück. Das ist die teure Variante, die viele aus beruflichen Gründen nehmen müssen.

Man trifft sich schon im Flieger

Preisgünstiger ist es, schon donnerstags zu fliegen und erst montags wieder Richtung Heimat zu starten. Das können erheblich weniger Leute mit ihrem Job vereinbaren, die Nachfrage ist also nicht so hoch. So oder so - man trifft sich im Flieger, oft auf denselben Plätzen ganz vorne, weil Vielflieger von den Airlines gepampert und gut platziert werden. Manche haben regelrechte Abos und buchen Monate im voraus - eine Art Zehner-Karte oder Schoko-Ticket der Lüfte, sozusagen.

Auf der Insel konzentriert sich die Düsseldorf-Gemeinde eher im Süden. In Andratx gab es sogar mal eine Ecke, die "Düsseldorf-Loch" hieß, aber einige zieht es auch Richtung Soller oder in den Norden. Santanyi ist beliebt, die Küstenorte Cala Millor und Cala Rajada (einige schreiben es mit "t") sowieso.

Manche, die sich zuerst direkt am Meer sonnten, wechseln nach einigen Jahren auf die eigene Finca ins Landesinnere. Viele schätzen den Blick aufs in der Ferne glitzernde Wasser - eben nur ein bisschen weiter weg und einsamer, als der Nicht-Mallorca-Kenner sich das vorstellen kann. Mit Sangria aus Eimern in Arenal haben alle nichts am Hut. Sie gehen ja auch nicht freitagnachts zum Bolker Stern in der Altstadt.

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So leben sie nun einen mehr oder weniger großen Teil des Jahres dort. Ein paar Beispiele von vielen: Sportreporter Manni Breuckmann, Makler Jörg Schnorrenberger, der Ex-Clemens-Kleine-Geschäftsführer Werner Greb, Kauffrau Dagmar Tegtmeyer (betreibt die Läden "My fitch" in Düsseltal und Gerresheim), CDU-MdL Olaf Lehne, Ex-OB Dirk Elbers, CC-Vizepräsident Stefan Kleinehr und viele mehr, die das nicht gern an die große Glocke hängen möchten.

Der Grund für Mallorca: "Das Wetter!"

Fragt man sie nach dem wichtigsten Grund pro Mallorca, kommt stets diese Antwort: "Das Wetter! Ich verkürze hier den Winter. Wir frühstücken im Januar auf der Terrasse und fliehen vor dem grauen Schmuddel im deutschen Winter!"

Viele, wie Netzwerker Axel Pollheim, kommen vor allem zum Golfen hin, andere wandern im atemberaubenden Tramuntana-Gebirge, sie kennen die Altstadt von Palma oder die von Arta. Alle genießen die urigen Strandbars, unzählige cool gestylte Restaurants oder die Strände der Insel.

Sie wissen, dass das mallorquinische "LL" wie ein "j" gesprochen (daher Sojer für Soller) wird, wundern sich nicht über die Brandyflasche morgens neben der Kaffeekanne auf dem Frühstückstisch (für den berühmten Carajillo), genießen Tapas, mallorquinische Weine und "Frito mallorquin" (von dem man nicht wissen möchte, was an Innereien alles drin ist!).

Mallorca ist voll auf deutsche Gäste eingestellt

Was ihnen hilft, ist, wie stark sich die Insel auf ihre wichtigsten Gäste eingestellt hat: der Service im Restaurant, an der Tankstelle, Anwälte, Makler, Ärzte - viele sprechen Deutsch, oder sind Deutsche. Es gibt ein Bauhaus (in Palma), Aldi (u.a. in Manacor) und Ikea - ebenfalls in Palma.

Wer sein eigenes Auto möchte, kann den Wagen hinschaffen lassen und am Flughaben bei Park & Fly abstellen. Kommt er aus Düsseldorf an, genügt ein Anruf ein Tag vorher - und der Pkw steht bereit. Kosten: Rund 1000 Euro pro Jahr. TÜV? Kein Problem - spanische Werkstätten erledigen das, ihre Prüfberichte muss man in Deutschland nur bestätigen lassen.

Den Wagen, Hausrat, das Boot transportiert (u.a.) die Spedition Mallorca-Express - die sitzt nicht weit von Düsseldorf vor Aachen und pendelt täglich zwischen dem Rheinland und Palma. Man hat sich auf diese Route spezialisiert. Weil Mallorca nicht nur Ostern die Lieblings-Insel der Düsseldorfer ist und die dort auf vieles von hier nicht verzichten wollen.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version dieses Artikels hatten wir Mallorca fälschlicherweise den Kanaren zugeordnet. Das ist nicht korrekt, die Insel gehört zu den Balearen. Wir bitten, den Fehler zu entschuldigen.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Mallorca - zur Mandelblüte ein Traum in Weiß und Zartrosa

(RP)