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Oberkasseler Straße: Mal dörflich, mal hektisch

Oberkasseler Straße : Mal dörflich, mal hektisch

Der älteren, elegant gekleideten Dame kann Stavroula Tsentidou heute nicht helfen. "Ihre Zeitschriften kommen erst nächste Woche", sagt die 33-Jährige. Für einen Teenager holt sie sofort das Comic aus dem Regal. Geduldig zählt sie für die Kinder die Bonbons im Wert von 50 Cent ab.

Die Büdchen-Besitzerin kennt die Gepflogenheiten ihrer Kunden. Das Büdchen am Ende der Oberkasseler Straße ist Treffpunkt für Ober- und Niederkasseler. Schräg gegenüber (Hausnummer 160), dort wo die Straße in die Niederkasseler übergeht, gibt es bei Melanie Jobski immer Zeit für ein Pläuschchen. Denn in die Filiale der Bäckerei Puppe kommt überwiegend Stammkundschaft. Die kauft nicht nur Brot und Brötchen, sondern trinkt auch gerne mal ein Tässchen Kaffee an den Stehtischen des Hauses.

Die Oberkasseler Straße ist zweigeteilt: Einbahnstraße mal in die eine, dann in die andere Richtung, getrennt durch die Luegallee. Der Teil Richtung Niederkassel hat eine gemischte Bebauung: Häuser aus der Jahrhundertwende, alte Bauernhäuser und dahinter moderne Architektur. Vom Ärztehaus, der Apotheke und dem Sanitärhaus Müller sowie der Massagepraxis Flötmeyer ist man medizinisch bestens versorgt. Dazwischen liegt noch Bestattungen Düvel. Hier und dort eine gutbürgerliche Kneipe, ein französisches Restaurant und die Gewürzbar. Hier muss keiner verhungern.

Zu Sibylle Wißmann kommen Leute zwischen acht und 80 Jahren in ihren Wollladen Frohsinn (Nummer 81), dessen Name Programm ist. "Auch strickende Männer", betont sie und erinnert sich an den Awista-Mann, der Wolle für seinen Fortuna-Schal benötigte, weil seine Frau ihn nicht stricken wollte.

Hektisch sei es geworden, sagt Schuster Werner Ross (Nummer 78). "Der ganze Durchgangsverkehr", ergänzt seine Frau Renate. Die beiden müssen es wissen. Denn der Obermeister der Innung ist im Haus Nummer 79 groß geworden, sein Vater hat den Schusterladen gegründet, der mehr als 50 Jahre besteht. "Viele alte Häuser sind abgerissen worden", sagt er, und irgendwie sei die Oberkasseler Straße wegen der Neubauten Dauerbaustelle.

Das betrifft allerdings nicht den schnuckeligen Teil auf der anderen Seite der Luegallee. Die alte Bausubstanz ist überwiegend erhalten geblieben. Familie Wählen beispielsweise lebt im Haus Nummer 74 aus dem Jahr 1901. Seit zwölf Jahren führen Klaus und Biggi Wählen dort auch den Laden "Weinschmecker". "Wir leben gerne hier", sagt Wählen, es sei dörflich. "Man kennt sich, man grüßt sich, man hilft sich", ergänzt seine Frau Biggi und ist begeistert von den Nachbarn. Seit einem halben Jahr bietet das Restaurant "Spaghetti & Stars" im Haus Nummer 65 italienische Spezialitäten an. "Ich liebe diese Straße", sagt Kellner Francesco Impagnatello.

Dreh- und Angelpunkt der Oberkasseler Straße bleibt allerdings der Getränkehändler Frenzel. Dort werden dem Kunden noch die Kisten ins Auto getragen, gibt es Biersorten, die es sonst nirgends gibt, sind alle Getränke auch gut gekühlt zu haben, und haben die beiden Chefinnen — Mutter und Tochter — fast immer gute Laune. Hier trifft sich ganz Oberkassel, wenn es nichts mehr zu trinken gibt.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Oberkassel

(RP)