Mahnwache in Düsseldorf: Solidarität mit der Jüdischen Gemeinde

Mahnwache am Paul-Spiegel-Platz : Düsseldorfer zeigen Solidarität mit Jüdischer Gemeinde

Rund 300 Menschen haben sich am Donnerstagnachmittag zu einer schweigenden Mahnwache vor der Synagoge versammelt. Ein Signal, das für die Jüdische Gemeinde nicht nur wegen des Anschlags wichtig ist.

Etliche Vereine und Verbände schlossen sich dem Aufruf der Mahn- und Gedenkstätte und des Bündnisses Respekt und Mut an. Rund 300 Menschen kamen mit Blumen und Kerzen zur Synagoge, um nach dem Anschlag von Halle ein Zeichen zu setzen.

„Weil es sich so gehört“, sagte Mitinitiator Bastian Fleermann, Leiter der Mahn- und Gedenkstätte, und betonte: „Dieses Zeichen gegen Antisemitismus ist nicht Aufgabe der jüdischen Minderheit, sondern der nicht-jüdischen Mehrheit in unserer Stadt.“

Michael Szentei-Heise, Geschäftsführer der Jüdischen Gemeinde, begrüßte das Engagement. Oft habe er bemängelt, dass die Stadtgesellschaft nicht ausreichend Stellung beziehe. Gerade deshalb sei wichtig, dass an diesem Tag so viele Menschen zusammenkommen. Diese Solidarität werde auch von der Gemeinde sehr positiv wahrgenommen.

In der Synagoge hatte die Gemeinde, die mit 7000 Mitgliedern die drittgrößte in Deutschland ist, am Mittwoch Jom Kippur gefeiert, das Versöhnungsfest, das der höchste jüdische Feiertag ist. Viele hatten von dem mörderischen Anschlag auf die Synagoge in Halle erst am Abend erfahren.

„Der Tradition folgend bleiben an diesem Tag viele Handys und Radios aus“, erklärt Herbert Rubinstein, der sich ein wenig an den Jom-Kippur-Krieg erinnert fühlte, von dem Israel 1973 überrascht wurde. „Es ist schon perfide,“ so der langjährige Landesgeschäftsführer der Jüdischen Gemeinden NRW, „dass dieser Mann ausgerechnet am Fest der Versöhnung der Menschen einen Krieg eröffnet.“

Rubinstein bewegt vor allem die Frage nach dem Warum. „Dieser 27-jährige Mensch, der doch einer von uns ist, ein Deutscher wie wir und eben ein Mensch, was hat ihn dazu getrieben, sein Leben wegzuwerfen?“ Angst, sagt Rubinstein, habe er nicht. „Wir Juden sind ein Volk von Optimisten, ich bin sicher, dass eines Tages alles wieder gut wird.“

Michael Szentei-Heise dagegen spürt, wie in der Gemeinde eine abstrakte Angst wachse. Das sei auch bei der Jom-Kippur-Feier deutlich geworden. Konkrete Sorgen habe in der Synagoge, die so gut besucht wie noch nie gewesen sei, aber niemand. „Wir wissen, dass wir hier sicher sind, dass ein Anschlag wie in Halle in Düsseldorf gar nicht möglich wäre.“

Seit am 1. Oktober 2000 zwei Palästinenser einen Brandanschlag auf die Synagoge verübt hatten, wird das Gotteshaus rund um die Uhr von der Polizei bewacht. Nach dem Anschlag auf das World Trade Center ein Jahr später waren auch andere Einrichtungen der Gemeinde in das Schutzkonzept einbezogen worden.

Zuvor waren Polizisten aber auch bei Veranstaltungen der Gemeinde zum Schutz abgestellt.„Unglaublich, dass in Halle nicht einmal an diesem Feiertag die Synagoge bewacht wurde“, sagt Szentei-Heise, der auch der AfD eine Mitschuld an dem Anschlag gibt.

Auch Herbert Rubinstein spricht im Zusammenhang mit der Partei von geistigen Brandstiftern, deren Sprache „wie die der Nationalsozialisen auf das Entmenschlichen abzielt“. Auch deshalb, sagt Rubinstein, sei die Mahnwache der Düsseldorfer wichtig. „Wir alle müssen Solidarität beweisen mit unserer Demokratie.“

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