Düsseldorf: Männer feiern anders als Frauen

Düsseldorf : Männer feiern anders als Frauen

Weit nach Mitternacht standen Cowboy, Clowns und Indianer Schlange, um bei Geschäftsführer Wolfgang Seifert Karten vorzubestellen. Denn: Nach der Damensitzung ist vor der Damensitzung. Das hat bei der Gerresheimer Bürgerwehr Tradition, und so ist die Veranstaltung seit Jahren ruckzuck ausverkauft.

Partystimmung herrschte am Freitag in der Aula des Gerresheimer Gymnasiums. 588 Mädels im Alter von 20 bis 70+ hatten ihren Spaß. Keine Dame war unverkleidet erschienen, viele Grüppchen hatten sich sogar ein eigenes Motto ausgesucht und kamen in gleichen Kostümen. Kreativität bei den Verkleidungen spielt eben eine große Rolle. Und man macht sich schön (oder auch hässlich) für sich selbst und nicht für die Männer.

Ob Oli, der Köbes, Knacki Deuser oder Liselotte Lotterlappen, die Büttenredner kamen gut an. Und die holde Weiblichkeit kicherte in den höchsten Tönen. Die Stimmung brodelte, sobald Musik erklang. Das war schon beim Einheizen so. Und als "De Fetzer", einer der ersten Musikgruppen, "Eine Woche, ein Monat, ein Jahr" intonierten, hielt es keine Dame auf den Sitzplätzen. Mehr noch: Die ersten Mädels standen schon auf den Stühlen.

So wie Samantha Giese, Mitglied einer Whats-App-Gruppe, die sich als Katzen verkleidet hatten. Die Mädels nennen sich Eishockey-Mamis, weil ihre Jungs bei der DEG spielen. Am Freitag feierten sie gemeinsam. Wenn es nach Giese ginge, könnte es gar nicht genug Musik geben. Die Gerresheimer Bürgerwehr kennt den Geschmack der Damen und hatte deshalb zahlreiche Musikgruppen engagiert. Früher, sagt Giese, habe es auch mal Nummern-Boys gegeben - also schöne Männer mit nacktem Oberkörper. Das sei aber ewig her und nicht gut angekommen. Die Stimmung sei es eben - die sei einmalig. Die könne man einfach nicht beschreiben. Auch Knacki Deuser bestätigt die gute Stimmung - wie alle Künstler, die bei einer Damensitzung auftreten. Die Mädels seien einfach impulsiver als die Männer, sagt Deuser

Die Mädels können eben feiern. Da geht höchstens mal ein Witz ein wenig unter die Gürtellinie - zotig wird es aber nie. Das gilt nicht nur für Gerresheim. Das ist auch bei den anderen Damensitzungen so. Nur haben die in ihrem Elferrat eine Präsidentin, wie beispielsweise Uschi Pannenbecker in Unterrath. In Gerresheim ließ es sich Stephan Friedhelm nicht nehmen, als Häuptling dem Indianer-Elferrat vorzustehen. Ob er nicht mit den "Gerresheimer Dreamboys" auftreten wollte? Das ist die Tanzgruppe, die aus dem Elferrat besteht, und die weit nach Mitternacht auftrat. Da standen die Mädels nicht mehr auf den Stühlen, da tanzten viele von ihnen auf den Tischen. Birgit Wanninger

Rund vier Stunden Karnevalsstimmung in der ausverkauften Aula des Gerresheimer Gymnasiums. Punkt elf Uhr marschierte gestern der Elferrat der Gerresheimer Bürgerwehr als Köbesse mit hellblauem Hemd, dunkelblauer Schürze gekleidet durch den Mittelgang auf die Bühne. Die 588 Besucher sprangen von ihren Sitzen und klatschten begeistert. Bei ihrem Einzug durften bei Sitzungspräsident Stephan Friedel und seinen Mitstreitern nicht die für die Veranstaltung typischen wagenrad-großen Tabletts mit Mettbrötchen, Frikadellen und Flöns fehlen. Der Duft von rohen Zwiebeln und Altbier beherrschte danach die Luft in der Aula der Schule Am Poth.

Und schon ging es zügig mit dem Programm los: Martin Schopps, Wolfgang Trepper, Tanzcorps, Markus Krebs, Röbedeuker, Luftflotte Köln, Kuhl un de Gäng - alles aus der Premier League des Karnevals.

Auffällig, dass dabei die Wortbeiträge überwogen. "Wir machen jedes Jahr bei der Zusammenstellung der Programme Unterschiede zwischen unserer Damen- und der Herrensitzung", sagt der stellvertretende Vorsitzende Frank Haak. "Die Männer feiern in ihrer Sitzung eher eine Art erweiterten Frühschoppen nach dem Motto Wir sind unter uns, haben unter uns eine klare, deutliche Sprache und wollen so etwas auch von der Bühne hören." Dabei achte der Verein darauf, dass bei den Darbietungen ein gewisses Niveau nicht unterschritten werde, erklärt Haak.

Verkleidet sind die Herren nur vereinzelt - höchstens ein Hut, eine Perücke oder ein mehr oder weniger lustig beschriftetes T-Shirt sind zu sehen. Und doch geht es bei den Männern nicht ganz ohne betont dargebotene Weiblichkeit. Nummerngirl Kim erscheint in knapp gehaltener schwarzer Korsage in den Pausen zwischen den Auftritten und umtänzelt und umgarnt einzelne Herren im Saal.

"Wir wollen damit den Erwartungen unserer jüngeren Besucher gerecht werden", erklärt Haak. "Aber bei uns zieht niemand blank", fügt er hinzu. Außerdem könne man mit einem Nummerngirl Verzögerungen im Programm überspielen. So richtig fehlte Kim allerdings die Beachtung, da mit fortschreitender Sitzungsdauer sich in den Pausen zwischen den Auftritten der Saal zwecks Toilettenbesuch immer mehr geleert hatte.

Für Kabarettist Wolfgang Trepper. sind die Vorträge auf Damensitzungen erheblich schwieriger, weil die Damen höchstens zehn Minuten konzentriert zuhören. Markus Krebs, in Gerresheim schon vor dem Auftritt umjubelter Erzähler von Witzen mit unterem Niveau erklärt: "Das kann ich nicht beurteilen. Ich trete auf keiner Damensitzung auf, da meine Vorträge nicht ,frauen-affin' sind." Manfred Johann

(RP)
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