Düsseldorf: Luxuswohnungen - aufgepeppt mit Pappe

Düsseldorf : Luxuswohnungen - aufgepeppt mit Pappe

Zu verkaufende Immobilien sind meist leer. Das aber sieht nicht wohnlich aus. Designerin Mayte König weiß, wie man sie aufhübscht - und wenn es mit Pappe ist.

Fast jeder hat einmal ein Haus oder eine Wohnung gesucht - und ist auf Besichtigungstour gegangen. Schlafzimmer, Wohnraum, Küche, Bad - man geht durch die Räume und sieht: nichts. Außer natürlich Böden, verputzte Wände, baumelnde Stromkabel an der Decke, Duschtassen oder WC-Becken. Bestenfalls riecht es nach frischer Farbe. Für den Rest ist Fantasie gefragt - wie sieht das alles aus, wenn Möbel drinstehen, Lampen leuchten, Teppiche liegen? Wie wirken die Räume? Immer noch groß oder eher eng? Welche Farben sollte man wählen? Die meisten Menschen sind damit überfordert, können sich das nicht vorstellen. Und daher machen leere Zimmer sie unsicher in ihrer Entscheidung. Also zögert man. Für Investoren keine gute Lage: Sie müssen verkaufen, denn sie sind in Vorleistung getreten.

Aber es gibt Hilfe, die vor allem große Immobilienfirmen immer öfter in Anspruch nehmen: Home Staging nennt sich diese neuartige Branche. Eine dieser Firmen ist Luna Home Staging. Hauptsitz ist Mülheim (Ruhr), ihr Kundenkreis wird in Düsseldorf (hier hat sie gerade im Mörsenbroicher Neubauprojekt "4Cubes4you" gearbeitet) und im gesamten Revier größer.

Denn der Düsseldorfer Immobilienmarkt ist sehr kompliziert. Preiswerte Wohnungen sind leicht zu vermarkten, sie sind knapp und daher gesucht. Aber in der oberen Preisklasse wird die Luft dünner. Wer 5000 Euro und mehr pro Quadratmeter zahlt, hat entsprechende Ansprüche. Und so kommt es, dass manche dieser hochpreisigen Objekte oft Monate angeboten werden und sich nichts bewegt.

Mayte König kann da womöglich helfen. Die hoch kreative Marketing-Expertin (sie ist noch an einer Werbeagentur beteiligt) schaut sich die Räume an, und vor ihrem inneren Auge zeichnet sich schnell ein Bild, wie die Wohnung oder das Haus künftig aussehen könnte oder müsste. Sie bezieht die Bauweise mit ein in ihre Überlegungen, sieht die Umgebung, bedenkt die Zielgruppe, sieht den Lichteinfall und die Nachbarschaft. Und dann greift sie in ihre - nein, nicht Trickkiste, sondern in einen sehr konkreten Fundus.

Der besteht aus echten Möbeln - also aus Tischen, Sesseln, Stühlen, Lampen und Deko-Material. Aber sie arbeitet auch mit Attrappen, nicht alles ist echt, was zum Einsatz kommt. Manche Betten sehen nur so aus, als könnte man sich sofort reinlegen. In Wahrheit sind sie aus Pappe. Und die scheinbar hoch moderne Küche ist ebenfalls nur Fassade, manche Gerätewand ist nur aufgeklebt - inklusive der scheinbar vorhandenen Mikrowelle und des Backofens. Auch die Dunstabzugshaube tut nur so als ob - aber sie sieht sehr elegant aus. An die Fenster kommen Vorhänge, auf den Boden ein Parkett, das mit Gumminoppen Halt findet und sehr schnell verlegt oder wieder ausgebaut werden kann.

Der Eindruck ist schlicht verblüffend - Vorher-/Nachher-Fotos derselben Räume lassen den Betrachter zweifeln, ob er wirklich auf das selbe Zimmer schaut: Leer ist es geräumig und kalt, möbliert hat er plötzlich den sehr positiven Eindruck, wie er denn selbst bald wohnen könnte. Auch bei Immobilien gilt: Die Verpackung ist die halbe Miete.

Es gibt keine belastbaren Zahlen, ob eine derart gestylte Wohnung zu einem höheren Preis verkauft werden kann oder ob die Frist zwischen Angebot und Abschluss des Kaufvertrages tatsächlich kürzer ist. Aber Mayte König kennt Beispiele für monatelange Ladenhüter, bei denen sie um Hilfe gebeten wurde - und die sie dann binnen weniger Wochen an den Mann brachte. "Manchmal sagen die Leute, wir sollen doch bitte alles so lassen, wie wir es gestaltet haben, so gut kommen unsere Ideen an", erzählt sie. Dass sie auf dem richtigen Weg ist, hat jetzt auch ein Dachverband ihrer Branche erkannt und sie mit einem der höchsten Preise ausgezeichnet, den er vergibt.

Aber auch wer eine noch bewohnte Immobilie verkaufen will oder einen Nachmieter sucht: Die quirlige, kleine Frau (sie stammt aus Spanien, der komplette Name lautet Mayte König Garcia-Cano Luna) hilft beim Präsentieren. Mit ihren Augen gesehen erkennt man schnell die Fehler bei der Führung durchs zu vermarktende Heim: Im Badezimmer stören gebrauchte Handtücher und offene Creme-Tiegel, der Fön in der Ecke und die zerquetschte Zahnpastatube im Becher, der offene Deckel des WC ist ebenfalls kein reizvoller Anblick, im Schlafzimmer sollte keine Kleidung herumliegen, das Arbeitszimmer aufgeräumt sein. Mayte König: "Man muss das so sehen wie bei einem Hotelzimmer. Wenn man das bezieht, dann weiß man auch, dass hier kurz zuvor noch jemand anderes war. Aber es stört einen nicht, weil man keine direkten Spuren sieht. Und so muss es bei einer noch bewohnten Wohnung oder einem Haus auch sein."

Hier geht es zur Bilderstrecke: So werden Luxuswohnungen mit Pappe vermarktet

(RP)