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Tragödie in Duisburg: Loveparade-Nummer für Opfer bleibt bestehen

Tragödie in Duisburg : Loveparade-Nummer für Opfer bleibt bestehen

Sabine Dückers, leitende Notfallpsychologin der Stadt Düsseldorf, ist auch drei Wochen nach der Loveparade-Tragödie weiterhin Ansprechpartnerin für Betroffene. In den vergangenen Tagen klingelte ihr Notfalltelefon zwar nur noch vereinzelt. Die Psychotherapeutin geht trotzdem nicht davon aus, dass die Probleme damit aus der Welt sind. Für manche Menschen könne der Prozess des Verarbeitens Jahre dauern, erklärt die Psychologin.

Bei der Bewältigung von schlimmen Ereignissen unterteilt Dückers in drei Gruppen. In der Ersten sind diejenigen, die es schaffen, sich nach einem schweren Schaden selbst zu regenerieren. In der Zweiten sind Menschen, die ein erhöhtes Risiko haben, nach einem so belastenden Ereignis zu erkranken. Dückers: "Manchmal sind diese Menschen auch sonst im Alltag belastet. Eine schnelle Hilfe kann die gesunde Bewältigung des Erlebten unterstützen und das Erkrankungsrisiko senken." In der letzten Gruppe sind Menschen, die hin und her schwanken. Mal denken sie, sie schaffen es alleine. Dann sind sie doch wieder überfordert." Und eine Erfahrung, die nicht richtig verarbeitet wird, kann dauerhaft krank machen. Posttraumatische Belastungsstörung nennt sich das.

Bisher nutzten seit dem Unglück rund 50 Düsseldorfer die Notfallnummer. Unter ihnen waren Eltern von Jugendlichen, deren Kinder fröhlich nach Duisburg gefahren war und still und weinend zurückkamen, einige Helfer — und vor allem junge Leute, die zum Feiern nach Duisburg greist waren. "Manche von ihnen haben heute Schwierigkeiten im Alltag, es fällt ihnen schwer, sich zu konzentrieren. Sie träumen nachts schlecht, haben Schuldgefühle oder Panik, wenn sie an Orte kommen, wo viele Menschen sind, zum Beispiel in der Bahn." Die Telefongespräche, in denen Dückers mit Betroffenen über Probleme spricht, dauern bis zu 40 Minuten. Mehr als 20 Menschen nahmen persönliche Einzelgespräche wahr; zehn davon betreuen Dückers und ihre Kollegen aus der Gewaltambulanz.

Info Sabine Dückers ist unter Telefon 8925435 zu erreichen, die Ambulanz für Gewaltopfer unter 8995368.

(RP)