Fremde im Wohnzimmer: "Literatur in den Häusern" ein voller Erfolg

Fremde im Wohnzimmer : "Literatur in den Häusern" ein voller Erfolg

Bereits zum siebten Mal haben private Gastgeber ihre Häuser und Wohnungen für wildfremde Menschen geöffnet. Der Hintergrund war nicht etwa eine Caritative Veranstaltung, sondern eine kulturelle Idee. In der Reihe "Literatur in den Häusern der Stadt" präsentierten Autoren und Schauspieler ausgewählte Werke einmal im ganz anderen Raum.

Auch Olga Weimer und Christophe Cadoz haben für die viertägige Veranstaltung (21. bis 24. Juni) völlig selbstverständlich ihre Tür geöffnet. "Für einen Südfranzosen ist das vielleicht noch etwas normaler", verrät der Hausherr mit leichtem Akzent. Er sehe eine solche Einladung mehr als kulturelle Herausforderung, denn als Bruch der Intimität.

Im Haus der Eheleute wurde aus dem Werk "Ein ganz normales Paar" von Isabelle Minières gelesen. Schauspielerin Anne Schubert gab für die rund 60 Zuhörer Auszüge aus dem mit spitzer Feder geschriebenen Werk zum Besten.

Noch ist das Buch nicht auf dem Markt. Die Detailbeschreibungen der Gefühlswelt eines notorischen "Ja-Sagers" und die damit verbundenen lustigen Erlebnisse des Protagonisten, der seinem tristen Ehe-Alltag einfach nicht entfliehen kann, machten nach einem etwas trockenen Beginn zunehmend Lust auf mehr. "Über den Schluss verrate ich nur so viel: Er ist wirklich nicht vorherzusehen", sagte Schubert zum Abschluss ihres Vortrages.

Architektonischer Voyeurismus

Die Lesereihe des KulturSalons Düsseldorf zehrt in besonderem Maße von ihren Räumlichkeiten. Als "architektonischen Voyeurismus" bezeichnete Gastgeber Cadoz den Reiz, in eine fremde Umgebung einzutauchen. "Wenn ich nicht selber eingeladen hätte, würde ich zu so einer Veranstaltung hingehen", gibt der Werbefachmann unumwunden zu.

Gleich zu 16 Lesungen hatte der Verein geladen. Unter den zwölf Vortragenden war auch der bekannte Autor Horst Eckert, der zum Abschluss aus seinem neunten Düsseldorfer Krimi vorlas. Auch hier entstand schnell die Lust, ins nächste Büchergeschäft zu laufen und die übrigen Kapitel zu verschlingen.

Mit über 1000 Besuchern war das Wochenende für die Veranstalter ein voller Erfolg. Eine Fortsetzung der Lesereihe ist bereits in Planung. Bis dahin wird jedoch erneut ein Jahr vergehen.

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(born)
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