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Umzug durch die Altstadt: Lichtermeer für St. Martin

Umzug durch die Altstadt : Lichtermeer für St. Martin

Der große Umzug von St. Lambertus zum Rathaus- und Maxplatz zog 4000 Menschen in die Innenstadt. Besonders die Kleinsten hatten sich wieder viel Mühe mit ihren Laternen gemacht. Doch vielen Eltern ist auch die Idee des Teilens der Geschichte vom Heiligen Martin wichtig.

Julius (5) hat einen der besten Plätze ergattert. Auf den Schultern von Großvater Eberhard Treudt sieht er die Martinsgeschichte auf einen Blick - zumindest ihre symbolischen Figuren. Vor ihm reitet Martin noch als Soldat (Engelbert Jäger), hinter ihm schon der heilige Martin im langen Bischofsgewand (Joseph Ilbertz). Und dazwischen das Meer aus wogenden Lichtern. Selbst gebastelte Laternen in Igelform, mit lachenden Gesichtern beklebt, Sonnen und Monde. "Willst du dich jetzt die ganze Zeit tragen lassen?", fragt Oma Käthe Treudt-Marder. Ein lautes "Jaaaa" ist die Antwort.

Ein leichter Geruch nach Pferd und Pech liegt in der Luft. Letzterer kommt von den Pechfackeln der Pagen, die den großen Martinszug durch die Straßen der Altstadt begleiten. Die 16 Kinder und Jugendlichen kommen vom Ursulinen-Gymnasium und aus der Pfarre St.Lambertus, wo sich traditionell der bunte Lichterzug in Bewegung setzt. Stolz marschiert "Page" Jessica neben dem weißen Pferd des Bischofs. Ihr dunkles Ledergewand und die imitierte Kettenhaube sehen gewichtig aus. "Sind sie aber gar nicht. Das ist nur Wolle", verrät die Elfjährige.

Der Wind weht einige Takte der Lieder, die die verschiedenen Kapellen spielen, über die Köpfte der mehreren tausend Menschen. Mit den Zuschauern an den Straßen und den großen wie kleinen Laternenträgern sind so an die 4000 Menschen zusammengekommen, schätzt Veranstalter Detlef Hütten von den Martinsfreunden, die den Lichterzug seit 1886 organisieren. Auch Jürgen Metzen hilft dabei. "Ich gehe in der Nähe des Bischofs und sehe zu, dass sich die Kinder nicht zu dicht ans Pferd drängen", sagt Metzen. "Vor 45 Jahren bin ich selbst noch als Kind mitgelaufen."

Keine Frage, der Zug hat Tradition. Sogar schon für die sechsjährige Pia. Bereits seit sie ein Jahr alt war, nimmt ihre Mutter sie mit zum Umzug - so ist die Kleine schon eine richtige Expertin. "Der St. Martin hat seinen Mantel in zwei Teile geteilt und einen Teil davon dem Bettler gegeben. Und von Beruf war er Soldat", weiß Pia. Auch die Martinslieder singt sie lauthals mit. "Die Kinder freuen sich darauf und basteln die Laternen", sagt Mutter Antje Tieke. Auch die Idee des Teilens lasse sich durch den Martinszug mit Leben füllen.

Und das gleich zweimal: Erst auf dem Rathaus-, dann auf dem Maxplatz bekommt der Bettler (Branko Alfermann) die Hälfte des leuchtend roten Mantels. Ganz schnell ging das. Der Schimmel tänzelte zwei, drei Schritte, das Schwert sauste herunter und der Bettler schlang sich das Tuch um die Schultern. Applaus. Und Julius hat alles ganz genau gesehen. Von den Schultern des Opas aus, versteht sich.

(RP)