Düsseldorf: Letzter Tag für den Kaufhof Berliner Allee

Düsseldorf : Letzter Tag für den Kaufhof Berliner Allee

50 Jahre Kaufhausgeschichte an der Berliner Allee in Düsseldorf enden: Am Samstag schließt Galeria Kaufhof. Die Umbauarbeiten für das neue Handelshaus "The Crown" beginnen am 6. Januar, Eröffnung ist Anfang 2017.

Um 9.30 Uhr werden am Samstag die Türen des Kaufhofs an der Berliner Allee aufgeschlossen. Wieder einmal - und zum letzten Mal. Für die fast 160 Mitarbeiter, aber auch für Geschäftsführer Thomas Stauber ist das ein Tag mit Gänsehaut. Einige arbeiten seit mehr als drei Jahrzehnten an diesem Standort. Manche gehen in Rente oder Altersteilzeit, andere wechseln in eine andere Filiale. Einige Mitarbeiter haben Sorgen, sie sind noch nicht untergebracht, man arbeite mit Hochdruck an Lösungen, heißt es. Stauber selbst hat vor 25 Jahren an der Berliner Allee seine ersten Sporen als Assistent eines Abteilungsleiters verdient.

Abends enden an der Berliner Allee 50 Jahre Düsseldorfer Kaufhausgeschichte der Firmen Horten und Kaufhof - und die Mitarbeiter nehmen bei einer Party Abschied. Es gibt "gut zu essen und zu trinken", auch ein DJ ist engagiert.

Die Düsseldorfer haben den Countdown des Ausverkaufs gut genutzt. Wer den Kaufhof betritt, sieht viele bereits leergeräumte Flächen. Rot-weiße Flatterbänder sind gespannt, hier und da sind Paletten gestapelt. Teils ist Sichtschutz aufgebaut. Der Frischebereich der Lebensmittelabteilung im Untergeschoss etwa ist nicht mehr existent. Wo Kühltheken standen, sind nur noch Kacheln an der Wand auszumachen.

Auf den Etagen werden zum Abschluss noch einmal kräftige Rabatte gewährt. 50 bis 80 Prozent sind die Regel. Tischdecken kosten nicht 20, sondern sechs Euro, ebenso "teuer" sind Damenhosen, die sonst mit 89 Euro etikettiert wurden. Gängige Größen sind bereits Mangelware. "Die Textilien wollen wir komplett ausverkaufen", sagt Stauber, und irre viel ist auch nicht mehr da, die Schnäppchenjäger waren fleißig. Stauber musste in den letzten Wochen darauf achten, dass die Struktur des Kaufhauses aufrechterhalten bleibt. Die Waren wurden rund um die Rolltreppen angeordnet, viele Bereiche an den Wänden sind verwaist.

Pro Tag verlassen seit einigen Wochen bis zu 15 Lkw das Kaufhaus. "Wir wollen möglichst viele Möbel und Ausstattungen an anderer Stelle weiterverwenden", erklärt Stauber, "dieser Standort war sehr gut und zeitgemäß eingerichtet." Und da zur Kaufhof AG mehr als 100 Filialen gehören, gehen viele Shops, deren Teile in Folie verschweißt werden, auf die Reise. Die Weinabteilung landet beispielsweise im Kaufhof am Ostbahnhof in Berlin, der Billerbeck-Shop in Bremen, und Stauber selbst wird als neuer Geschäftsführer des Duisburger Kaufhofs sicher den Schiesser-Shop für Herrenwäsche wiedererkennen. Im Kellergeschoss, das einem Labyrinth gleichkommt, in dem man sich nur dank der Straßennamen zurechtfindet - hier gibt es ebenfalls eine Berliner Allee oder eine Bahnstraße -, werden die meisten Dinge an Rampen in Lkw verladen.

Abfahrt. So endet eine Ära, die an der Berliner Allee mit Kaufhaus-König Helmut Horten begann. Der versteckte seinen Reichtum nicht und fuhr gerne im Rolls Royce vor. Die Kaufhäuser waren eine Goldgrube. Nach außen abgeschottete Handelspaläste haben es jedoch heutzutage immer schwerer. Es verwundert nicht, dass die Kölner Koerfer-Gruppe, der die Immobilie gehört, nun mit den Düsseldorfer Planern des Büros RKW ein neues Konzept umsetzt: mehr Glas und mehr Kommunikation nach innen und außen. Als "The Crown" soll ein neues Handelshaus (Textil, Unterhaltungselektronik, Gastronomie, viele Lebensmittel) entstehen. Kosten: 65 Millionen Euro. Auf dem Dach entsteht ein Carat-Hotel mit 190 Zimmern. Die Baustelleneinrichtung erfolgt ab 6. Januar. Eröffnet werden soll Anfang 2017.

(RP)
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