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Der Song für Düsseldorf steht fest: Lena tritt an mit "Taken by a stranger"

Der Song für Düsseldorf steht fest : Lena tritt an mit "Taken by a stranger"

Lena Meyer-Landrut wird beim Eurovision Song Contest am 14. Mai den Titel "Taken by a stranger" singen. Im Finale am Freitagabend wählten die Zuschauer die geheimnisvolle Elektronik-Nummer mit riesigem Vorsprung zum Sieger. Ihr Siegeszug hatte bereits vor zwei Wochen im Halbfinale begonnen. Stefan Raab traut ihr einiges zu.

Lena geht mit der kühlen und ein bisschen düsteren Elektronik-Nummer "Taken by a Stranger" in den Eurovision Song Contest in Düsseldorf. Im Stechen gegen die Ballade "Push forward" bekam der Titel 79 Prozent der Stimmen.

Der Siegeszug des Titels hatte sich schon früh angedeutet. Wann immer auch Lena ihn sang — stets fiel der Applaus lauter aus als bei anderen Titeln. Die Zustimmung der Experten von Medien und Jury hatte er sowieso. Er ist eingängig, klingt modern und radiotauglich.

Vor allem aber erfüllte er ein überragendes Kriterium: Er überraschte. Wer den neuen ESC-Titel der Deutschen hört, kann sich von "Lovely Lena" verabschieden. Statt süßer Popsongs liefert die 19-Jährige jetzt Mystik-Musik mit einem hypnotisierenden Beat ab und trägt dazu grüne Schuhe. Sie blickt geheimnisvoll, im Hintergrund tanzen in Metallic-Anzüge gezwängte Frauen. Lena singt in "Taken by a Stranger" von einem Fremden, fühlt sich von ihm angezogen und verfolgt ihn wie ein Stalker. "Man hat immer das Gefühl: Gleich passiert was, gleich knallt sie durch die Alte", beschreibt Jurorin Barbara Schöneberger die neue Lena.

"Wie ne Wasserbombe"

Das widerspricht nicht nur Lenas Image. Der Titel widerspricht auch der Pop-Durchschnittsware. Das gilt insbesondere für die Gesangs-EM am 14. Mai. "Die Nummer ist so, wie wenn man 'ne Wasserbombe in 'ne Oma-Bridge-Runde reinwirft", glaubt Raab mit Blick auf die Reaktionen am 14. Mai. Im Kontext des Eurovision-Songcontest sei sie revolutionär — genauso wie vor einem Jahr "Satellite".

"Taken by Stranger" also. Endlich, mag mancher geseufzt haben. Endlich steht fest, mit welchem Titel Lena Deutschland beim Song Contest in Düsseldorf vertreten wird. Mancher wird sich noch erinnern, dass dafür früher mal ein einziger TV-Abend ausreichte. Die Musik, die dem TV-Zuschauer dabei präsentiert wurde war frisch und den meisten unbekannt.

Ganz anders die Voraussetzungen bei der Auswahl des Titels für das Jahr 2011. Die ARD und ProSieben brachten es fertig, zwölf Lieder à drei Minuten (insgesamt 36) auf monströse 360 Minuten Sendezeit aufzublasen. Kritik daran gab es schon genug. Am Freitagabend ließ sich erleben, was das konkret für den Zuschauer bedeutet: Wiederholungen, Dopplungen, Langeweile.

Das Finale geriet zur Farce

Das beschränkte sich nicht nur auf die Präsentation der sechs Songs, die allesamt in exakt derselben Inszenierung schon einmal bei ProSieben zu sehen waren. Auch die Einspieler über die Komponisten und die Entstehung der Songs spulte die ARD wieder ab. Außerdem hatten sich die Dramaturgen überlegt, von den sechs Songs in einer ersten Telefonrunde zwei Nummern für ein Stechen auswählen zu lassen. Zwei Titel gab es zum Abschluss also nochmals extra. Einzige Erleichterung: Bei der ARD gab es keine Werbepausen. "Extrem-Umziehen", kommentierte Lena, die - wie schon im Halbfinale - bei jedem Song in einem anderen Outfit auf die Bühne kam.

Dass "Taken by a stranger mehr oder minder eindeutig gewinnen würde, stand nach der Präsentation der sechs Lieder schon so gut wie fest. Zu eindeutig waren die Sympathiebekundungen aus Jury und Publikum. In einer Szene mussten die Moderatoren Sabine Heinrich und Matthias Opdenhövel selbst lachen. Zunächst hatten sie mit "Push Forward" den ersten Finalisten bekannt gegeben. "Und jetzt wird es extrem spannend", witzelte Heinrich beim Öffnen des zweiten Umschlages. Das "spannende" Finale - ein Witz.

Raab stellt die Frage nach dem Kosmos

Neu waren hingegen die Juroren an der Seite von Stefan Raab, Barbara Schöneberger und Adel Tawil (Ich und Ich). Deren Aufgabe unterschied sich ein wenig von der ihrer Vorgänger auf dem Jury-Sessel. Nicht mehr die Qualität der Songs und Lena standen im Vordergrund. Vielmehr ging es darum, welcher Titel denn das Zeug haben würde sich in Düsseldorf gegen die riesige europäische Konkurrenz durchzusetzen. "Wie funktioniert der Song im Kosmos?", fragte Raab bedeutungsschwer. Bei der Wertung überlagerte die Strategie das Bauchgefühl. "Tolle Nummer, aber nicht für den Song Contest", so oftmals die Einschätzung.

"Das Publikum muss eine gute Wahl treffen", machte Raab gleich zu Beginn des Abends klar. Wer mochte, konnte dabei leise Zweifel an der Entscheidungskompetenz der Masse heraushören. Ist der Song, der den breiten Geschmack der Mehrheit trifft, auch der Beste? Schon die Vorauswahl für das Finale müsste den Entertainer und Komponisten beruhigt haben. Die allzu beliebigen Sachen hatten die Zuschauer zuverlässig ignoriert. Stattdessen schafften sogar die eher sperrigen Titel den Sprung.

Eine Vorstellung des musikalischen Mehrheitsgeschmacks hatte bereits eine Abstimmung bei RP ONLINE ergeben: Darin lag die kühle Elektro-Nummer "Taken by a stranger" vor Beginn des Halbfinals mit weitem Abstand mit 41 Prozent der Stimmen klar vorne. Schon im ersten Halbfinale hatte das Stück auch bei den Zuschauern im Saal auffallend donnernden Applaus erhalten. Wer weiß, womöglich hat Raab tatsächlich recht, wenn er der Komposition echte Siegchancen für den Song Contest einräumt. Schon vor einem Jahr lagen die deutschen Zuschauer mit "Satellite" intuitiv goldrichtig.

(chk)