Düsseldorf: Leih-Fahrräder setzen Rost an

Düsseldorf: Leih-Fahrräder setzen Rost an

Die Räder von Nextbike sollten ein Baustein für die Verkehrswende sein - die Flotte wirkt aber heruntergekommen. Der Anbieter verweist darauf, dass andere Städte finanziell helfen.

Als Nextbike vor neun Jahren in Düsseldorf gestartet ist, galt der Dienst als zukunftsweisend - inzwischen wirken viele Räder aber, als sei ihre Zeit abgelaufen. Es finden sich abgerissene Kabel, abgebrochene Körbe - und jede Menge Rost. An einem Rad wurde sogar die Gangschaltung notdürftig mit Klebeband repariert. Die Flotte wirkt nicht, als sei der Anbieter auf Erfolgskurs. Ist das Bike Sharing schon ein Auslaufmodell?

Bei diesem Rad ist die Gangschaltung mit Klebeband geflickt. Foto: Arne Lieb

Düsseldorfs CDU-Chef Thomas Jarzombek hat jetzt eine Debatte um Nextbike eröffnet. Er ist selbst Kunde - und beklagt den Zustand der Flotte. "Ich kann mich gar nicht mehr erinnern, wann ich mal ein Rad mit funktionierender Lichtanlage hatte", so Jarzombek bei Facebook. Er verknüpft die Kritik an dem privaten Anbieter mit Parteipolitik und wirft dem Ampel-Bündnis aus SPD, Grünen und FDP Versagen vor. "So wirkt das Vorhaben der Ratsmehrheit, die Düsseldorfer für das Rad zu begeistern, unglaubwürdig", schreibt Jarzombek und nimmt auch den Oberbürgermeister in die Pflicht: "Herr Geisel: Einfach mal selbst ausleihen und erleben."

Die Halterung für den Korb ist beschädigt, dazu: viel Rost. Foto: Arne Lieb

Nextbike wirbt mit einem flexiblen Ausleihsystem um Kunden: Rund 400 Räder warten an den rund 60 Ausleihstationen insbesondere in der Innenstadt. Dabei handelt es sich um normale, Tag und Nacht frei zugängliche Fahrradständer, die ein blaues Schild als Nextbike-Halt ausweist. Kunden können über eine Smartphone-App die nächste Station suchen und ein Rad leihen. Es lässt sich an jeder anderen Station zurückgeben, die Miete lässt sich dann mit der Smartphone-App wieder beenden. Die Ausleihe kostet einen Euro für 30 Minuten und höchstens 15 Euro für einen Tag - das Leihfahrrad ist damit auf kurzen Strecken günstiger als eine Fahrkarte der Rheinbahn.

An vielen Rädern ist starker Rost zu sehen. Foto: Arne Lieb
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Den Angaben des Anbieters zufolge wird das System gut angenommen, allein in diesem Monat habe es mehr als 4000 Fahrten gegeben. Das Versprechen von "komfortablen Mietfahrrädern", das Nextbike auf seiner Internetseite gibt, erfüllt sich aber in der Praxis nicht, wie eine Stichprobe an Stationen in der Innenstadt bestätigt. Zwar sind alle Räder, die sich gestern etwa am Carlsplatz, vor dem Landtag oder am Ratinger Tor befanden, augenscheinlich verkehrstüchtig, viele weisen allerdings deutliche Zeichen von Verschleiß auf. Nextbike-Sprecherin Mareike Rauchhaus kündigt Besserung an. "Gerade erst haben wir den Service neu konzipiert, da auch wir hiermit unzufrieden waren. Am 1. August eröffnet zudem eine neue Werkstatt", schreibt sie.

An diesem Rad ist das Kabel zum Rücklicht abgerissen. Foto: Arne Lieb

Der schlechte Zustand der Räder wirft allerdings die Frage auf, wie wirtschaftlich der Dienst wirklich ist - die im öffentlichen Raum stehenden Räder dürften jedenfalls sehr wartungsintensiv sein. Rauchhaus verweist darauf, dass die Firma ihr Angebot in Düsseldorf komplett eigenwirtschaftlich betreibe. Anders ist das etwa in Berlin oder Köln, wo die öffentliche Hand hilft - und der Zustand der Räder besser ist. "Mit städtischem Engagement kann ein öffentliches Fahrradverleihsystem, sei es nun unseres oder das eines anderen Betreibers, qualitativ hochwertig und flächendeckend installiert werden und somit dauerhaft die aktuelle Verkehrssituation entspannen", so die Nextbike-Sprecherin. "Das sollte letztlich auch im Interesse von Herrn Jarzombek sein."

Geplant ist das in Düsseldorf allerdings offenbar bislang nicht: Der Stadtrat hat lange nicht mehr über Nextbike debattiert - und von der Stadtverwaltung war gar keine Auskunft zu erhalten. Dort verwies man auf den privaten Anbieter.

(arl)
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