Gewerkschaft GEW schlägt Alarm : Lehrer beklagen massive Überlastung

An Grundschulen werden aus Sicht der Gewerkschaft GEW zu viele fachfremde Lehrkräfte eingestellt. An Gymnasien fehlen Lehrer in naturwissenschaftlichen Fächern, an Realschulen allgemein qualifizierte Bewerber.

Die Lehrerversorgung in Düsseldorf ist aus Sicht von Gewerkschaftsvertretern in allen Schulformen mangelhaft. „Wir können von einer schwierigen Situation sprechen, die die Kollegen außergewöhnlich belastet“, sagte der stellvertretende Vorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), Sebastian Krebs. Er sehe die Gesamtlage als „mehr oder weniger katastrophal“ – wenn auch nicht überall in gleichem Maße. Landesweit seien rund 7000 Lehrerstellen unbesetzt: „Daran dürfte Düsseldorf einen erheblichen Anteil haben.“

An den Grundschulen stehen laut GEW zu wenig qualifizierte neue Kräfte vielen Seiteneinsteigern ohne pädagogische Ausbildung gegenüber. Von 210 Beschäftigten, die seit Ende August als Vertreter eingestellt wurden, haben laut GEW gerade einmal drei eine qualifizierte Lehrerausbildung. Die anderen seien Studenten, Uni-Absolventen mit anderen Abschlüssen, aber auch Physio- und Ergotherapeuten oder Rentner. „Wir haben große Probleme, Leute mit zweitem Staatsexamen zu bekommen“, sagt Grundschulleiter Holger Thrien, Mitglied der GEW-Fachgruppe Grundschule. Also würden die Verträge der Aushilfslehrer oftmals verlängert und schließlich entfristet: „Das ist nicht immer schlecht, einige sind Naturtalente“, sagt Thrien. Langfristig müsse aber an die Unterrichtsqualität und an professionelle Schulentwicklung gedacht werden. Nicht zuletzt müssen die qualifizierten Lehrer die Begleitung der Seiteneinsteiger übernehmen.

Als wesentlichen Grund für den Nachwuchsmangel sieht Thrien die schlechtere Bezahlung im Vergleich zu anderen Schulformen, zumal die Ausbildung inzwischen gleichwertig sei. „Das Land hat verschlafen, rechtzeitig die Weichen zu stellen.“ Dazu kommt: Mit geringeren Gehaltsaussichten seien Stellen gerade in Düsseldorf mit hohen Lebenshaltungskosten eher unattraktiv. Innerhalb der Stadt fällt auch das Umfeld ins Gewicht: Während die Lage in vielen Schulen im Norden noch in Ordnung sei, bekomme man im Süden teils kaum die Klassenleitungen mit ausgebildeten Lehrern besetzt.

An den Gymnasien stelle sich die Lage etwas anders dar, sagt Lehrerin Hanna Tuszynski. Aber auch dort gingen die Lehrkräfte „auf dem Zahnfleisch, weil die Belastungen so hoch sind“. Von 60 befristeten Verträgen seit Schuljahresbeginn wurde demnach ein Drittel mit Seiteneinsteigern besetzt. Bei den Fächern ist vor allem der mathematisch-technische Bereich schwierig: Hier schreiben Schulen oftmals gar nicht erst die Stellen aus. Weitere Belastungen erwarte man durch die Einführung von G9 im kommenden Schuljahr.

Die Realschulen leiden darunter, dass die Lehrer mit 28 Wochenstunden mehr unterrichten müssen als an Gymnasien. Zwar stelle das Land in Düsseldorf viele Stellen zur Verfügung: „Die Realschulen werden hier nicht vergessen“, sagt Lehrerin Anne Rödel. Qualifizierte Bewerber fehlten aber auch hier, zumal die Kräfte schlechter bezahlt würden als an Gymnasien. Zudem sei es für die kleinen Kollegien belastender, das gesamte Schulleben zu organisieren.

An Düsseldorfs acht Hauptschulen sind die Stellen unterdessen zu 92 Prozent besetzt; an einzelnen fehlten aber bis zu 30 Prozent der Lehrkräfte. Dazu kommt ein an dieser Schulform verbreitetes Problem, wie die Sylvia Burkert, Düsseldorfer GEW-Vorsitzende, sagt: „Dort wird fachfremd unterrichtet bis zum Anschlag.“ Nur so könne das Arbeitspensum bewältigt werden. An den zwölf Förderschulen in der Stadt sind 24 Stellen unbesetzt, größere Klassen belasten die Pädagogen. Hinzu kommt, dass Lehrer an andere Schulen mit Gemeinsamen Lernen abgeordnet werden.

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