Serie: Schule im Umbruch (5) Lehrer, die ihre Schüler verstehen

Düsseldorf · Jeder dritte Düsseldorfer hat eine Einwanderungsgeschichte, bald ist es jeder Zweite. Wie gehen Schulen damit um? Welche Chancen gibt es, was ist problematisch? Die Rheinische Post geht den Fragen nach. Heute: Lehrer mit Migrationsgeschichte.

Gegenseitiger Respekt ist die erste Regel der 5 a. Die Liste hängt in ihrem Klassenzimmer an der Wand. Die vierte Regel lautet: Wir sprechen Deutsch im Unterricht. Hasan, Kaan, Berat und alle anderen Schüler haben die Abmachung unterschrieben. Auch Metin Dilber, Pavle Madzirov und Biljana Dordevic halten sich an diese Regeln. Dabei könnten die Lehrer der städtischen Gemeinschafts-Hauptschule am Rather Kreuzweg den Fünftklässlern durchaus auch in Türkisch, Mazedonisch oder Serbisch antworten. Wie viele ihrer Schüler haben sie selbst eine Migrationsgeschichte.

"In Gesprächen mit den Kindern und Jugendlichen ist unsere Landessprache tabu — auch wenn sie es immer wieder versuchen", sagt Metin Dilber, dessen Eltern aus der Türkei nach Deutschland kamen. Etwas anderes sei es im Umgang mit den Eltern. "Bei uns haben sie weniger Berührungsängste", glaubt Biljana Dordevic. "Dann kommen sie auch zu Sprechstunden, wenn sie nicht so gut Deutsch sprechen, weil sie wissen, dass wir trotzdem über alles reden können und uns auf Augenhöhe begegnen."

Was aber nicht darauf hinauslaufen dürfe, dass der Lehrer bei Problemen zum Verbündeten gemacht wird. Nach dem Motto: Ihre Eltern hatten es doch auch nicht leicht, sie haben doch auch für Sie gekämpft, Sie sind doch einer von uns. "Es muss eine klare Grenze geben", sagt Pavle Madzirov, der mazedonische Wurzeln hat.

Als der 31-Jährige vor fünf Jahren an der Schule in Rath, die inzwischen "Wilhelm-Ferdinand-Schüßler-Tagesschule" heißt, angefangen hat, war er der einzige von mehr als 30 Lehrern, der einen Migrationshintergrund hatte. Heute sind es acht. "Sie können mit den Kindern fühlen, weil sie ähnliche Erfahrungen gemacht haben", nennt Schulleiterin Gabriele Georg einen großen Vorteil der Kollegen. "Außerdem sind sie für unsere Schüler ein extrem positives Beispiel, was man bei entsprechendem Einsatz erreichen kann."

Und sie geben den Schülern das Gefühl, ein guter Ansprechpartner zu sein. "Bei Problemen suchen sie bewusst oder unbewusst unsere Nähe", sagt Metin Dilber. "Der Migrationshintergrund ist unser Plus." Eine zusätzliche Qualifikation, die aber nicht die fachlichen Qualifikationen ersetzen darf.

Zurzeit werden am Rather Kreuzweg 271 Schüler unterrichtet, mehr als 70 Prozent von ihnen haben eine Einwanderungsgeschichte. "Wir decken mit unseren Landessprachen schon einen Großteil ab", sagt Biljana Dordevic, die Serbisch spricht. "Nur beim Arabischen, da fehlt uns noch ein Kollege."

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(RP)