Lehrer Christian Jahrsen berichtet über eine Klassenfahrt nach Borkum.

Schule in Düsseldorf : Klassenraum Wattenmeer

Lehrer-Kolumne Eine Klassenfahrt erweitert nicht nur den Horizont, sondern stärkt auch den Zusammenhalt der Schüler.

„Wann sind wir endlich da?“, fragt mich eine Schülerin die wohl beliebteste Frage aller Reisefragen. „Bald…“, sage ich. Diese Frage sollte mir später noch einmal durch den Kopf gehen. Es ist Montag, 10.30 Uhr: Ich sitze mit meiner siebten Klasse des Wim-Wenders-Gymnasiums im großen Reisebus und wir fahren von unserer Heimat, Düsseldorf, Richtung Norden. Im Bus kommt, mit fortgeschrittener Zeit, mehr und mehr Redseligkeit auf, alle freuen sich auf die bevorstehende, gemeinsame Zeit. Etwa zwei Stunden später heißt es in Emden, alle Schüler sicher auf die Fähre zu bekommen und vor allem: alle beisammenzuhalten. Nach einer ruhigen Überfahrt durchs Wattenmeer erreichen wir dann Borkum, die größte der ostfriesischen Inseln. Ab jetzt heißt es fünf Tage Jubel, Trubel und Heiterkeit, gepaart mit viel Verantwortung für die begleitenden Lehrkräfte. Denn auch auf der Insel müssen die Tage strukturiert werden.

Eine Erfahrung ist dabei sicherlich der frühtägliche „Marsch“ im Morgengrauen zum Speisesaal. Auf den Gängen der Herberge ist immer etwas los, aus den Zimmern hört man viel. Manchmal etwas zu viel, sodass ein strenges Wort notwendig ist. Insgesamt genießen jedoch alle den Aufenthalt. Wir machen auf einer Wattwanderung Bekanntschaft mit Herzmuscheln und Würmern, radeln durch die Dünen, gehen zum Strand und befeuern unseren Teamgeist. Auch finden die Quartaner auf einer Hafenrallye he­raus, dass die Abkürzung WSV im Norden nicht etwa nur für Winterschlussverkauf, sondern auch für Wasserschifffahrtsverwaltung steht. Am Freitag tritt dann eine gestärkte Klassengemeinschaft den Rückweg nach Oberbilk an. Und nun hätte ich die Frage der Schülerin auch genauer beantworten können, als wir das vertraute Arag-Haus von der A 52 sehen: Wir sind gleich wieder da!

Keine zwei Tage später, ein Sonntag, die unterrichtsfreie Zeit ist bereits voll angelaufen, geht es für mich wieder auf die A 31, Richtung Bad Bentheim. Dort wartet kein Wattführer auf mich, sondern ein Nachtwächter an der dortigen, mittelalterlichen Burg zu einem Rundgang durch die historische Altstadt. Währenddessen geht mir durch den Kopf, dass dies auch ein interessantes Ziel für die nächste Klassenfahrt wäre – denn die Erfahrungen eines Nachtwächters können dabei nur von Nutzen sein.

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