"Occupy Düsseldorf": Leben in der Zeltstadt

"Occupy Düsseldorf": Leben in der Zeltstadt

Auf dem Martin-Luther-Platz steht eine kleine Zeltstadt. Seit etwa einer Woche wohnen dort die Anhänger von "Occupy Düsseldorf" gleich neben der Johanneskirche. Auf Plakaten und in Diskussionsrunden setzen sich die Protestler gegen die Macht der Banken und gegen Kapitalismus ein.

Student Christian Heinrich ist einer der rund 20 Menschen, die zurzeit auf dem Martin-Luther-Platz wohnen. Der Geo-Wissenschaftler studiert eigentlich in Münster, schmiedet nun aber konkrete Pläne, den Winter auf dem Platz zu verbringen. "Wir wollen Paletten als Isolierung unter die Zelte legen", erzählt der 27-jährige. "Jemand hat uns außerdem Matratzen geschenkt, das ist ein echter Luxus."

In einem Zelt haben die "Occupy"-Anhänger mittlerweile eine Küche aufgebaut — Mahlzeiten werden gemeinsam zubereitet. man richtet sich häuslich ein. Neben der Küche stehen zahlreiche Computer, ein Mischpult und große Boxen. Die Protestler von "Occupy Düsseldorf"sind im Internet präsent — die täglich um 19 Uhr stattfindende Vollversammlung wird per Livestream in alle Welt übertragen. Vor den Rechnern sitzen junge Männer, dick in Pullover, Mützen und Schals eingepackt. Aus Lautsprechern schallt der Song "House of the Rising Sun".

Die Anhänger von "Occupy Düsseldorf" wenden sich gegen alle undemokratischen, autoritären Systeme und fordern eine echte Demokratie. Von diesem Gedanken hat sich auch Student Martin Janssen anstecken lassen. "Ich will Wohlstand für alle Menschen. Um das zu erreichen, ist Geld aber nur ein Hindernis", sagt der 23-jährige, der "Soziale Arbeit" in Düsseldorf studiert. Trotz Unterricht und einem Praktikum versucht er jeden Tag einige Zeit auf dem Martin-Luther-Platz zu verbringen: "Bald habe ich frei, vielleicht werde ich dann auch hier campieren."

Die Teilnehmer an "Occupy Düsseldorf" sehen sich als revolutionäre Bewegung, die sich für Menschenrechte einsetzt. Gleichzeitig distanzieren sich die Demonstranten von autoritären Theorien, Ideologien oder kollektiven Glaubensbekenntnissen: "Ich spreche mich nicht für den Sozialismus oder den Kommunismus aus", sagt Martin Janssen. "Die Menschheit braucht ein neues Konzept, das aus der Mitte der Gesellschaft stammt."

Die Bewegung "Occupy" stammt aus den USA. Unter dem Titel "Occupy Wallstreet" setzen sich in New York seit Wochen hunderte Protestler gegen die Macht der Banken ein und soziale Ungerechtigkeit ein — schnell folgten ähnliche Konzepte in zahlreichen Großstädten auf der ganzen Welt.

Ein Aus für die Zeltstadt auf dem Martin-Luther-Platz ist noch nicht abzusehen. Vom Herbstwetter lassen sich die Protestler zumindest nicht abschrecken. Stattdessen bereiten sie sich auf die kalte Jahreszeit vor. Die Botschaft, die die Occpuy-Anhänger dabei verfolgen, ist deutlich: "Egal welche Gesinnung man hat, solange man Mensch ist, kann jeder mitmachen."

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