Stammkunden gehen verloren: Lange Durststrecke für die Altstadt

Stammkunden gehen verloren: Lange Durststrecke für die Altstadt

Mit dem Umbau von Amts- und Landgericht, dem Stadthaus und dem Theresienhospital stehen große Änderungen an. Bis zu deren Vollendung sehen die Altstadtwirte einigen sehr schwierigen Jahren entgegen. Und durch den Umzug der Gerichte ist gute Stammkundschaft verloren gegangen.

Für die Wirte in der Altstadt haben harte Zeiten begonnen. Seitdem vor gut einer Woche Amts- und Landgericht mit 900 Mitarbeitern von der Mühlenstraße nach Oberbilk gezogen sind, ist es mittags in der Altstadt deutlich ruhiger geworden. "Ab 12 Uhr kamen sonst immer Mitarbeiter hierher", sagt André Neuhaus, der auf der Bolker Straße hinter der Verkaufstheke von Gosch Sylt steht. Jetzt sind vor ihm die drei großen Pfannen mit verschiedenen Nudelgerichten noch gut gefüllt.

Umzug bis zum Carlsplatz spürbar

Gut gefüllt war bis vor kurzem mittags auch immer das Ohme Jupp auf der Ratinger Straße. Nun sind dort noch eine Reihe von Plätzen frei. Von morgens acht Uhr bis in den Nachmittag trafen sich dort Anwälte mit ihren Mandanten vor und auch nach der Verhandlung, Sie fallen nun als Kunden weg. "Das macht mehr als die Hälfte aus", meint Barmann Lothar Lauterbach. Das bereite nicht nur Inhabern Sorgen, sondern auch den Angestellten, die um ihre Arbeitsplätze fürchten. Betroffen vom Wegzug sind auch die Händler, wie Dirk Schaper, Vorsitzender der Altstadtgemeinschaft, erklärt: "Die Mitarbeiter der Justiz, von den Richtern bis zu den Angestellten, haben ja Pausen gern genutzt, um in den benachbarten Geschäften einzukaufen und ihren Bedarf zu decken. Spürbar ist der Umzug nach Oberbilk sogar schon bis zum Carlsplatz. Das ist eine traurige Sache."

Abgesehen vom Verlust eines wichtigen Teils der Stammkundschaft, haben die Wirte der Ratinger Straße bald noch mit weiteren dicken Problemen zu kämpfen. Wenn mit dem Umbau des Gerichtsgebäudes zum Andreasquartier begonnen wird, fahren die Baustellenfahrzeuge durch die Ratinger Straße. Deshalb verabschieden sich die Wirte von der Vorstellung, dass die Gäste, wie sonst üblich, bei warmen Temperaturen die Terrassen bevölkern — zu viel Dreck und Lärm. Aus diesem Grund wollen sich Wirte aus der Ratinger Straße zusammenschließen, um von der Stadt deswegen eine Entschädigung zu bekommen. "Schließlich zahlen wir auch eine Terrassengebühr, die nicht ohne ist", sagt Farbod Anvari, Inhaber des Einhorns.

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Einige Meter weiter wird es an der Alte Stadt eine weitere Baustelle geben. In das denkmalgeschützte ehemalige Theresienhospital werden Designerwohnungen gebaut. Allerdings wird diese Baustelle über die Reuterkaserne angefahren, wie Christoph Koch, Projektleiter beim Investor Peach Property klarstellt. Aus einem anderen Grund bereitet dieser Bau Wirten Sorge. Einhorn-Inhaber Anvari befürchtet, dass die Menschen, die viel Geld für die Luxuswohnungen zahlen, sich über den Lärm der Ratinger Straße beklagen werden.

"Die Altstadt ist eine Großbaustelle", sagt auch Dirk Hoffmann. Vor seinem Traditionslokal Benders Marie stapeln sich hinter Gitterzäunen die Rohre für die neuen Kanäle in der Altstadt. Und das gegenüberliegende Stadthaus soll für ein Hotel und Wohnungen umgebaut werden.

"Im Moment kommt es dicke", meint auch Isa Fiedler, Inhaberin des Knotens und stellvertretende Vorsitzende der Altstadtwirte. "Aber wer durchhält und überlebt, hat dann eine gute Zeit in einer schönen fertigen Stadt."

(RP)