Düsseldorf: Land sucht Nachmieter für Vodafone-Hochhaus

Düsseldorf : Land sucht Nachmieter für Vodafone-Hochhaus

Nach dem Auszug des Mobilfunk-Unternehmens Vodafone sind als Mieter mehrere Ministerien im Gespräch. Lange hieß es, das Innenministerium ziehe ein. Doch das hat nun abgewunken.

Alles war durchgeplant: Als das Mobilfunkunternehmen Vodafone sich vor einigen Jahren entschloss, am Heerdter Dreieck einen Campus als neue Firmenzentrale zu bauen und das berühmte Hochhaus samt Nebenkomplexen und Parkhaus zu verkaufen, griff der landeseigene Bau- und Immobilienbetrieb BLB zu. Zu einem "Freundschaftspreis", so ist aus informierten Landtagskreisen zu hören, wechselten die Bauten in Spitzenlage nahe des Parlaments den Besitzer. Relativ schnell stand fest, wer einziehen sollte, wenn Vodafone Ende 2012 vom Rheinufer auf den Campus zieht: das Innenministerium.

Das Innenministerium will rasch raus aus dem asbestbelasteten Gebäude an der Haroldstraße. Es soll samt Parkplatz verkauft werden. Foto: Endermann, Andreas

Starke Asbest-Belastung

Das sitzt derzeit noch an der Haroldstraße, etwa 100 Meter vom Vodafone-Hochhaus entfernt. Die Lage ist attraktiv, doch das Gebäude ist stark mit Asbest belastet. Man dürfe nicht einmal einen Nagel in die Wand schlagen, wird bereits seit Jahren gemunkelt. Da kam die Lösung mit dem Vodafone-Haus gerade recht. Doch nun, wenige Tage vor dem Vodafone-Umzug, wird bekannt, dass das Innenministerium doch nicht als Nachmieter zur Verfügung steht.

Zu den Gründen kursieren verschiedene Versionen: Es habe sicherheitsrechtliche Bedenken gegeben, heißt es im Innenministerium mit Blick auf sensible Behörden wie Verfassungsschutz. Das Ministerium habe nicht in unattraktive Großraumbüros ziehen wollen, ist aus anderen Kreisen zu hören.

Wie auch immer: Dieses Ministerium zieht aus, aber nicht im Vodafone-Hochhaus ein. Es gilt als sicher, dass die neue Adresse ein früheres Gebäude der WestLB (jetzt Portigon) an der Friedrichstraße 62-80 sein wird. Zwar ist der Mietvertrag noch nicht unterschrieben, aber die Alternative — ein noch zu errichtender Neubau neben dem Landeskriminalamt an der Völklinger Straße in Bilk — kommt offenbar nicht infrage, weil die Zeit drängt.

Nun stellen sich zwei Fragen: Wer zieht in das Vodafone-Hochhaus? Und was wird aus dem derzeitigen Innenministeriums-Areal? Auf beide gibt es noch keine klare Antwort.

Die Absage des Innenministeriums für das Hochhaus am Rheinufer soll für die Planer in der Staatskanzlei überraschend gekommen sein. "Eine langfristige Verwertung wird geprüft", sagt Heidi Renz, Sprecherin der Staatskanzlei. Was das konkret bedeutet, ist noch offen.

Umweltministerium interessiert?

Dennoch kursieren Namen von Ministerien, die als potenzielle Nachmieter infrage kommen. Dazu gehört das Ministerium für Klimaschutz, Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz von Johannes Remmel (Grüne), das an der Schwannstraße in der Nähe des Kennedydamms in dem Gebäude eines ausländischen Investors eingemietet ist. Mit den immer wichtiger werdenden Fachbereichen müsse es näher an Landtag und Staatskanzlei rücken, meinen einige. Dagegen spricht, dass die Mietverträge langfristig abgeschlossen und erst neue hinzu gekommen sind.

Auch das Finanzministerium von Norbert Walter-Borjans (SPD) wird genannt. Das befindet sich an der Jägerhofstraße 6 in direkter Nachbarschaft zum Finanzamt Altstadt. Beide Gebäude in zentraler Lage am Hofgarten sind im Besitz des Landes und könnten bei einem Verkauf eine hübsche Summe in die Kassen des Finanzministers spülen. Das würde aber voraussetzen, dass erst der Plan, alle Finanzämter an der Völklinger Straße zu zentrieren, umgesetzt wird. Zudem könnte der Wert des Areals in den nächsten Jahren noch steigen, ein späterer Verkauf also lukrativer sein. Einigkeit besteht darüber, dass der asbestbelastete Innenministeriums-Bau an der Haroldstraße samt Parkplatz verkauft werden soll.

Angesichts der Bestlage bezweifelt niemand, dass sich trotz der Altlasten ein Investor findet. "Es ist ein hervorragendes Grundstück und bietet die Chance für eine Neuplanung", sagt Gregor Bonin, Planungsdezernent im Rathaus. In Teilen sei es auch für Wohnen geeignet. Das Planungsrecht liegt bei der Stadt — deshalb muss sich das Land mit ihr an einen Tisch setzen. "Ich freue mich auf die Gespräche", sagt Bonin.

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