Lärm und Dreck durch Baustellen in Düsseldorf - Wo kann man sich beschweren?

Bauboom in Düsseldorf: Wo sich Anwohner beschweren können, wenn Baustellen nerven

Um die Wohnungsnot zu lindern, hat die Stadt eine Parole ausgegeben: bauen, bauen, bauen! Doch wo gebaut wird, müssen Anwohner Lärm und Schmutz ertragen. Wenn die Belästigung zu groß wird, hilft nur eine Beschwerde bei der Stadt.

Monika Rendel (Name geändert) ist die Wut immer noch anzumerken. „Es ist ein Unding, was in den letzten Monaten hier passiert ist“, sagt die 67-Jährige. Draußen fährt ein Laster vorbei. Deutlich hörbar.

Rendel wohnt in einem Mehrfamilienhaus in Golzheim. Eigentlich in einer schmalen, ruhigen Seitenstraße. Doch nebenan wird gebaut – mittlerweile seit zwei Jahren. Eigentlich ein schönes Projekt: Die Diakonie errichtet ein Pflegeheim mit Café fürs Viertel, einen Neubau des alten Tersteegenhauses. Aber wo gebaut wird, gibt es auch Lärm und Dreck. Und in einer relativ dicht bebauten Stadt wie Düsseldorf bekommen die Anwohner von Baustellen viel davon mit. Laut Diakonie gab es rund um die Baustelle an der Friedrich-Lau-Straße wenig Probleme. „Das Miteinander war gut“, sagt Diakonie-Vorstand Stefanie Krones. Doch Monika Rendel sieht das etwas anders.

Schutt und Staub durch den Abriss

Von Februar bis Juli 2017 rissen die von der Diakonie beauftragten Bauarbeiter das alte Haus ab. „Man konnte das Fenster nicht mehr aufmachen“, sagt Rendel, die sich im Rahmen des Projekts „Wem gehört Düsseldorf?“ an die Redaktion wandte. „Man konnte den Balkon nicht benutzen und die Wäsche nicht raushängen.“ Vor Ort sei Schutt sortiert worden, jeden Tag außer sonntags, von sieben Uhr morgens bis acht Uhr abends. „Die Diakonie interessierte die Zustände hier in keinster Weise.“

Ganz stimmt das nicht: Die Diakonie hatte die Anwohner informiert – oder jedenfalls versucht, das zu tun. Im Dezember 2016 habe man ein Infoschreiben verteilt, sagt Stefanie Krones aus dem Vorstand. Darin wurden die Anwohner zu einer Info-Veranstaltung eingeladen. Außerdem informierte das Schreiben über den Zeitplan sowie den großen Kran, der aufgestellt werden sollte. Und in einem beigelegten Flyer steht: „Wo gebaut wird, sind natürlich gewisse Belästigungen nicht zu vermeiden. Um die Störungen für Sie als Nachbarn so gering wie möglich zu halten, haben wir uns im Vorfeld viele Gedanken zu den Bauzeiten und zur Minimierung der Lärm- und Staubbelästigung gemacht. Wir hoffen auf einen termingerechten und reibungslosen Bauablauf.“

Fehlende Isolierung an der Außenmauer

Monika Rendel kann sich an das Schreiben nicht erinnern. Und leider erfüllten sich die Hoffnungen der Diakonie nicht: Als das Tersteegenhaus im Juli 2017 abgerissen war, passierte lange nichts. Der Winter kam, es wurde kalt. Das war ein Problem: Denn Rendels Wohnung hatte sich bisher eine Wand mit dem Tersteegenhaus geteilt. Jetzt fehlte außen die Isolierung. Obwohl die Heizkörper im Wohnzimmer voll aufgedreht waren, war es eiskalt. Rendel befürchtete Wasserflecken. „Die hatten den ganzen Sommer Zeit“, schimpft sie. „Ich habe da drei bis vier Wochen lang jeden Tag angerufen und gefragt: Wann wird die Außenwand endlich verputzt?“

Laut Diakonie war das Problem eine „ungeplante Verzögerung bei der Vergabe des General-Unternehmer-Vertrages“. Deswegen stockten die Bauarbeiten. Diese Begründung teilte die Diakonie Monika Rendel aber nicht mit. Die beauftragte Architektin besuchte Rendel zu Hause und schickt anschließend einen Brief, in dem es hieß, die Arbeiten bräuchten „noch etwas Zeit“. „Für den Ihnen entstehenden zusätzlichen Heizaufwand möchten wir Ihnen einen pauschalen Heizkostenzuschuß in Höhe von 200 Euro zukommen lassen. Kurz vor Weihnachten 2017 nach Monika Rendels Erinnerung die Isolierung wieder an der Wand.

Keine finanzielle Entschädigung wegen der Baustelle

Im Januar 2018 gingen die Arbeiten am Neubau los. Damit intensivierten sich nach Frau Rendels Schilderungen Lärm und Dreck noch. Große Lkws fuhren an und luden Baumaterial ab. Ziegel wurden vom Rohbau zersägt. Monika Rendel berichtet von Dunstwolken aus Mörtel oder Zement. „Das spielte sich alles einen Meter von meinem Balkon ab“, sagt sie. Im heißen Sommer 2018 habe sie das Fenster geschlossen halten müssen. Ihre Tage habe sie mit Ohropax verbracht. „Die Klingel habe ich nicht mehr gehört, aber das war mir egal.“ Auf ihre Beschwerden hin schicke die Diakonie ein weiteres Schreiben und bedankte sich für ihre Geduld. „Der Diakonie ist die Belastung durch Lärm und Schmutz sehr bewusst“, heißt es darin. „Dennoch können wie die Arbeiten nicht anders als geplant und genehmigt ausführen, um den Zeitplan zur Fertigstellung einzuhalten. Von den Behörden sind uns Zeiten für die Bautätigkeit von Montag bis Samstag von 7 bis 20 Uhr genehmigt, diese müssen wir auch ausnutzen, um den Bau zügig fertigzustellen.“ Die Diakonie kündigte in dem Schreiben an, dass der Lärm abnehmen werde, wenn die Fassade verklinkert und die Fenster eingebaut seien.

Dass Bauarbeiten Lärm und Dreck machen, sei ihr durchaus klar, sagt Monika Rendel. „Aber ich finde, dann muss der Bauherr die Anwohner finanziell entschädigen.“ Das lehnt die Diakonie allerdings ab. „Wir bauen das Altenheim nach gesetzlichen Refinanzierungsmaßnahmen“, sagt Stefanie Krones. Für Entschädigungen sei kein Geld vorgesehen.

Bauherren müssen Belästigung vermeiden

Tatsächlich sind finanzielle Entschädigungen auch nicht der Weg, den der Gesetzgeber vorgesehen hat. Stattdessen gibt es Regeln dazu, wie laut und schmutzig Baustellen sein dürfen. Die Einhaltung dieser Regeln kontrolliert das Umweltamt.

Grundsätzlich gilt: Im Rahmen des Zumutbaren muss der Bauherr alles unternehmen, um Belästigungen zu vermeiden. Nach dem Stand der Technik unvermeidbare schädliche Umwelteinwirkungen seien auf ein Mindestmaß zu beschränken, teilt das Umweltamt mit.

Was Schmutz angeht, gibt es keine Grenz- oder Richtwerte. Laut Inge Bantz, der stellvertretenden Leiterin des Umweltamts, sollten Bauherren aber so wenig Schmutz wie möglich machen. „Staub kann man mit Sprühnebel niederschlagen, Baustellen kann man mit Planen umhüllen. Aber das geht zum Beispiel nur, wenn das abzureißende Gebäude nicht zu hoch ist.“ Wie laut eine Baustelle sein darf, ist genauer geregelt – in der Allgemeinen Verwaltungsvorschrift zum Schutz gegen Baulärm, kurz AVV Bau, die seit 1970 gilt. Auch hier ist die Frage: Könnten Bauarbeiten zumutbar leiser gestaltet werden? Ziegel müssen beispielsweise nicht ohne Not vor Ort zersägt werden. „Aber wenn jeder Stein auf den Millimeter genau ausgemessen werden muss, bevor er verwendet wird, ist es möglicherweise nicht zumutbar, diese Arbeiten an einem anderen Ort zu machen“, erklärt Bantz.

Beschwerden wegen Baulärm gehen an die Stadt

Anwohner, die sich von Bauarbeiten gestört fühlen, können sich natürlich an den Bauherrn wenden und auf dessen Kulanz hoffen; möglicherweise kommt man auf diesem Wege zu einer Einigung. Wenn das nicht funktioniert, bleibt nur der Beschwerdeweg. Nach Auskunft der Stadt sind Beschwerden brieflich, per Mail oder telefonisch möglich. Alle Ansprechpartner für Lärmbeschwerden hat die Stadt hier zusammengestellt. Alternativ kann man die zentrale Rufnummer der Stadtverwaltung Düsseldorf anrufen und dort nach dem richtigen Ansprechpartner fragen: 0211 899-1.

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