Düsseldorf: Zwei Ausstellungen ehren Graubner

Düsseldorf : Zwei Ausstellungen ehren Graubner

Das Museum Kunstpalast und die Akademie-Galerie gedenken des großen Gotthard Graubners – ohne sich abgesprochen zu haben. Am Ehrenhof ist das Frühwerk, am Burgplatz das furiose großformatige Spätwerk zu erleben.

Das Museum Kunstpalast und die Akademie-Galerie gedenken des großen Gotthard Graubners — ohne sich abgesprochen zu haben. Am Ehrenhof ist das Frühwerk, am Burgplatz das furiose großformatige Spätwerk zu erleben.

Selten kommt es vor, dass zwei Museen gleichzeitig Werke ein und desselben Künstlers vorstellen, ohne sich über die Schwerpunkte abgesprochen zu haben. In Düsseldorf lässt sich jetzt beobachten, was dabei herauskommen kann.

Zum einen hat der Zufall bewirkt, dass das Museum Kunstpalast das Frühwerk des im Mai dieses Jahres 82-jährig verstorbenen Gotthard Graubner würdigt, während die Akademie-Galerie bevorzugt spätere Bilder des Malers zeigt. Zum anderen fällt der Vergleich der Präsentationen eindeutig zugunsten der Akademie-Galerie aus. Dort sind die Bilder großzügiger gehängt und beschneiden nicht einander ihre Wirkung.

Die Bilder, die das Museum Kunstpalast zeigt, stammen aus altem Eigenbesitz und aus der Stiftung Sammlung Kemp. Das Schöne an der Schau ist, dass man verfolgen kann, wie Graubner sich von einer ungegenständlichen Malerei auf Leinwand zu jenen Farbkissen bewegte, durch die er berühmt wurde.

Im "Farbraum blau-rosa" von 1961 scheint durch die Raumwirkung der ineinandergreifenden Farben eine Ausdehnung in die dritte Dimension angelegt zu sein. Wer längere Zeit davor steht, ahnt etwas vom Gefühl des Schwebens, das sich vor den späteren Farbkissen einstellt.

Einige Beispiele solcher Leinwände, die über Synthetikwatte gespannt sind, finden sich ebenfalls in der Ausstellung, dazu druckgrafische Blätter und Fotografien, die den Graubner-Sammler Willi Kemp mit dem Künstler im Atelier abbilden. Weitere Fotos erinnern daran, wie Graubner seine beiden großformatigen Gemälde im Hauptsaal von Schloss Bellevue in Berlin präsentierte.

Das alles ist informativ, aber keine wirkliche Inszenierung. Die findet sich in der Akademie-Galerie am Burgplatz. Die Farbraumkörper dort, zunächst in dunklen Blautönen, dann sich aufhellend bis zu wärmendem Gelb und Orange, sind sparsam gehängt, füllen zuweilen zu dritt einen ganzen Raum. Und schon am Anfang bekommt man ein Bild zu sehen, das untypisch für Graubner und deshalb besonders bemerkenswert ist: einen blauen Farbkreis, der sich um ein weißes Loch herum aus drei gleich großen Teilen zusammensetzt.

Eine großartige schwarz-weiße Fotorückschau auf Gotthard Graubners Leben schließt den Rundgang ab: Benjamin Katz, Erika Kiffl und Manfred Leve haben den fotogenen bärtigen Künstler seit den 60er Jahren bei der Arbeit beobachtet. Am Ende stellt man fest: Zweimal Graubner in Düsseldorf ist keineswegs einmal zu viel. Denn man trifft in den beiden Museen nicht nur auf unterschiedliche Schwerpunkte, sondern lernt auch unterschiedliche Wege kennen, auf denen man sich dem Farbmagier nähern kann.

In mehr als 20 Jahren — von 1976 bis 1998 — hat Graubner als Professor an der Düsseldorfer Akademie zahlreiche Künstler ausgebildet, darunter Dorothee von Windheim und Hubert Kiecol. Am wichtigsten war ihm dabei, "dass sich die Studenten selbst finden". Auch auf die Beherrschung handwerklicher Techniken, so fügte er hinzu, habe er Wert gelegt, doch dürfe das Handwerk den künstlerischen Akt nicht überwuchern. Undenkbar war für ihn ein Künstlertum ohne Zeichnen: "Da bin ich altmodisch: Zeichnen gehört für mich bei jedem Künstler dazu." Auch er selbst zeichnete fast bis zuletzt.

Was aus seinem Nachlass wird — ob er in eine Stiftung einfließt, in Gestalt von Leihgaben an Museen geht, verkauft wird oder ob für Teile jeweils eine dieser Möglichkeiten infrage kommt —, darüber befindet allein Kitty Kemr, Graubners langjährige Lebensgefährtin. Zurzeit arbeitet sie an einer Entscheidung.

(RP)