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Düsseldorf: Zu Gast auf einem Schlachtschiff

Düsseldorf : Zu Gast auf einem Schlachtschiff

Manuela Alphons genießt ihren Status als Gast im Ensemble des Schauspielhauses. Sie wirkte in den beliebten "Sekretärinnen" mit, und in wenigen Tagen präsentiert sie ihren Solo-Abend mit Brecht-Gedichten.

Als Günther Beelitz zum ersten Mal Intendant in Düsseldorf war, hatte auch Manuela Alphons eine glückliche Zeit am Schauspielhaus. Jetzt, da er erneut am Ruder ist, sieht man sie wieder öfter auf der hiesigen Bühne: "Ich genieße meinen angenehmen Status als Gast", sagt sie. Auf den Publikumsrenner "Sekretärinnen" hatte sie sofort Lust. "Ich kann frech sein oder lasziv, probiere je nach Stimmung immer etwas anderes aus. Das gefällt mir."

Bei der heutigen Premiere "März, ein Künstlerleben" spielt Manuela Alphons gleich mehrere Rollen. In einer Irrenanstalt ist sie ist Ärztin, Pflegerin, Patientin. Und das alles ohne Kostümwechsel. "Die Verwandlung vollzieht sich allein durch die Haltung, Kostüme wären dabei eher hinderlich. Ich hoffe, dass es funktioniert und vom Publikum angenommen wird." Eine neue Erfahrung auch für sie: "Man muss sich durchwursteln und logistisch denken, damit alles fließt." Neugierig bleiben, sich einlassen auf Ungewohntes, mit Regisseur und Kollegen einen Weg finden - darauf kommt es ihr an. "Am allerwichtigsten ist der Geist im Ensemble", ergänzt sie.

Dennoch: Am Himmelfahrtstag präsentiert Manuela Alphons einen Solo-Abend im Kleinen Haus, "In der Fremde", Gedichte von Bertolt Brecht, Lieder von Kurt Weill und Hanns Eisler. "Das ist die andere Seite der Medaille", sagt sie vergnügt, "einmal nur zu machen, was ich selber möchte und denke." Das Programm stellte sie zusammen, als sie noch am Bochumer Schauspielhaus engagiert war, das sie 2011 verließ. Von Bertolt Brecht spricht sie voller Bewunderung: "Für mich ist er ein Liebender, der bedeutendste Dichter des 20. Jahrhunderts. Doch leider wird er meist nur auf wenige Werke reduziert. Es war die Kunst dieses leisen Lyrikers, mit vier Zeilen auszudrücken, wofür andere einen ganzen Roman brauchen." Am Klavier begleiten wird sie wiederum der getreue Klaus-Lothar Peters: "Wenn er neben mir am Klavier sitzt, kann mir nichts passieren." Sie sind lange befreundet, wohnen beide in Oberkassel, unterrichteten an der Folkwang-Schule Essen.

Manuela Alphons spielte an fast allen großen deutschen Bühnen, wirkte außerdem mehrere Jahre in der TV-Serie "Verbotene Liebe" mit. "Warum auch nicht?", fragt sie. "Mich interessierte, was Menschen daran fasziniert." Zwei Mal war sie "Schauspielerin des Jahres", arbeitete bei "Richard III." einmal auch mit Regisseur Staffan Holm zusammen. "Ich mochte den Mann unglaublich gern. Ein Künstler. Sich mit ihm in einem Raum einzuschließen, allein das Theater im Sinn - das waren große Momente."

Beelitz sei gewiss der richtige Mann für den Übergang, glaubt sie. "Dieses Haus ist ein Schlachtschiff, nicht leicht zu steuern und in schwierigem Fahrwasser. Das Theater hat an Stellenwert eingebüßt, heute steht kaum einer mehr Schlange für eine Karte. Jetzt bin ich gespannt und voller Erwartungen, wie der neue Intendant Schulz das macht."

(RP)