Sebastian Beyer: "Wir sind kritischer geworden"

Sebastian Beyer: "Wir sind kritischer geworden"

In wenigen Tagen veröffentlicht die Band Massendefekt ihr neues Album. Deren Sänger spricht über AC/DC und Chart-Erfolge.

Mit ihrem Song "Schlechter Optimist" gab die Band Massendefekt bereits einen Vorgeschmack auf ihr neues Album "Pazifik". Am 16. Februar wird es veröffentlicht, Ende des Jahres spielen die Musiker in der Mitsubishi Electric Halle - das bis dato größte Konzert der Band. Wir treffen den Sänger und Gitarristen Sebastian Beyer bei einer Tasse Kaffee.

Was würden Sie sagen, ist die Tasse nun halb leer oder halb voll?

Beyer Momentan ist sie komplett leer (lacht). Aber grundsätzlich würde ich sagen halb voll.

Also sind Sie eher ein schlechter Optimist?

BEYER Ja, doch. Lieber optimistisch durchs Leben laufen und die eine oder andere schlechte Erfahrung machen. Das ist besser, als pessimistisch zu sein und auf etwas Gutes zu hoffen.

Sie waren die Vorband von AC/DC. Haben Sie die Musiker getroffen?

Beyer Keine Chance. Die sind von ihrem Backstageraum mit einer Limousine hinter die Bühne gefahren worden. Dann sind sie auf die Bühne, haben gespielt und sind dann nach dem Konzert mit dem gleichen Wagen wieder abgeholt worden und waren weg. Leider. Aber die Show war super von denen.

Ihre neuen Lieder sind vielseitig, sie handeln von Trennungen, in anderen sind Sie gesellschaftskritisch.

Beyer Ja, mittlerweile ist das so. Wir sind kritischer geworden. Wir sehen, dass vieles falsch läuft in Deutschland. Das kann man ja ganz gut mal anprangern, die Leute anstupsen und darauf aufmerksam machen. Ich denke, solange man eine Zuhörerschaft hat, kann man das Maul aufmachen und sagen, was einen beschäftigt. Die Meinung muss ja nicht übernommen werden, aber wenn die Leute nachdenken, hat man ja schon einiges erreicht.

Was läuft Ihrer Meinung nach schief?

Beyer Die ganze Flüchtlingsgeschichte und Pegida-Sache. Das ist alles in den letzen Jahren sehr extrem geworden. Die ganze rechte Geschichte, die hier passiert, und die Feindlichkeit den Menschen gegenüber. Es gibt halt sehr viele Mitläuferleute, die nicht nachdenken. Wenn man die Möglichkeit hat, an viele ranzutreten, kann man sagen: "Denk mal drüber nach, ob das jetzt so geil ist, was du hier gerade machst."

Ein Fan schrieb, dass Sie keinen Punkrock mehr machen.

Beyer Ja, das habe ich gesehen. Ist es wahrscheinlich auch nicht mehr. Oder nicht mehr so. Ich weiß auch nie, ob wir so Punkrock waren. Vielleicht unsere erste Platte, aber das ist jetzt ja auch schon 16 Jahre her. Alle Alben, die wir aufnehmen, sind Momentaufnahmen. Wir machen Musik und kein Genre.

Vielleicht wird's ja doch irgendwann mal "Indie Hölle", wie Sie es in Ihrem Song nennen ?

Beyer (lacht) Ja, eigentlich klingen wir teilweise schon ein bisschen so. Der Song ist komplett ironisch. Er ist aus einem Spaß entstanden.

Es soll also keine Kritik an der Indiemusik sein?

Beyer Ne, gar nicht. Das Wortspiel passt so schön. Es soll auch nicht gegen Bands wie Kraftklub gehen.

Gibt es ein Experiment, was Sie unbedingt mal probieren wollen? Filmmusik zum Beispiel?

Beyer Filmmusik ist eine gute Idee, bei uns wäre es bestimmt eine Hugh-Grant-Romantik-Komödie. "Notting Hill 2". Musik für Videospiele wäre auch gut oder für Werbung. (lacht) "Man kann uns auch buchen, wir machen ihre Werbung- Massendefekt."

Ihr letztes Album belegte in den Charts Platz 23 und war bislang Ihr größter Charterfolg. Welche Platzierung wollen Sie mit Ihrem neuen Album erreichen?

Beyer Ich will gar nicht mehr, dass uns diese ganze Chartgeschichte so verrückt macht. Man kann dabei auf Nummer sicher gehen - es geht ja nicht mehr nach verkauften CDs, sondern nach Umsatz. Wir wollen ein gutes Album machen und sind glücklich mit unseren Songs. Wenn 'ne 22 dabei rauskommt, sind wir zufrieden.

Was machen Sie an dem Tag, wenn "Pazifik" veröffentlich wird ?

Beyer Vielleicht setzen wir uns zusammen und stoßen darauf an, dass alles auf den letzten Drücker geklappt hat. Und ansonsten warten wir auf unsere Releaseparty. Wir geben am 24. Februar ein Schiffskonzert in Düsseldorf.

Das Release-Konzert zu Ihrem neuen Album war innerhalb von zehn Sekunden ausverkauft. Haben Sie mit so einer Reaktion gerechnet?

Beyer Es war ein bisschen voraussehbar, aber nicht, dass es so schnell geht. Auf ein Schiff passen nicht so viele Leute drauf. Wir haben 100 Tickets verkauft. Für die Leute, die uns mögen, ist es etwas Besonderes, die Pazifik-Release-Show auf einem Schiff zu erleben. Vielleicht liegt es aber auch am Freibier, das weiß man ja nicht.

NATALIE URBIG FÜHRTE DAS INTERVIEW.

(RP)