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Interview mit Christof Seeger-Zurmühlen: "Wir haben die Auslastung verdoppelt"

Interview mit Christof Seeger-Zurmühlen : "Wir haben die Auslastung verdoppelt"

Seit September hat das Junge Schauspielhaus einen neuen Künstlerischen Leiter. Die RP traf ihn zum Gespräch.

Seit Beginn der laufenden Spielzeit leitet Christof Seeger-Zurmühlen das Junge Schauspielhaus. Nun gibt es wieder ein festes Ensemble. Seine Mitglieder sind für den Theaterpreis Gustaf nominiert, den die Rheinische Post gemeinsam mit den Freunden des Schauspielhauses verleiht. Seeger-Zurmühlen gehörte selbst acht Jahre lang dem Ensemble an. Wir trafen den Regisseur und Schauspieler zum Gespräch.

Wie läuft es derzeit im Jungen Haus?

Seeger-Zurmühlen Mit einem Wort: super.

Warum?

Seeger-Zurmühlen In den ersten vier Monaten haben wir auf der großen Bühne die Zuschauerzahlen mehr als verdoppelt. Das Haus ist voll. Bis Ende März gibt es für viele Vorstellungen nur noch Restkarten. Und ich bin euphorisch, was die Inhalte angeht, wir haben hervorragende Produktionen.

Was ist der Vorteil eines festen Ensembles?

seeger-Zurmühlen Man ist handlungsfähig. Ich kann spontan etwas auf den Spielplan setzen. Wir haben zum Beispiel eine Anfrage einer Schule, die mit allen Schülern kommen will. Dafür machen wir jetzt eine Extra-Vorstellung.

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Theater für Kinder und Jugendliche wird ja von manchen nicht so ernst genommen wie ein Stück, das im Großen Haus gespielt wird. Was halten Sie solchen Leuten entgegen?

Seeger-Zurmühlen Es ist ja immer die Frage, wer die Barrieren im Kopf hat. Viele deutsche Städte fangen gerade an, eine Sparte für junges Publikum aufzubauen. Und das hat nicht nur etwas mit kultureller Bildung zu tun. Aus künstlerischer Sicht machen wir auch nichts anderes als alle anderen, die Theater machen. Natürlich muss man für Kinder andere rhythmische Parameter berücksichtigen.

Das heißt, es darf nicht zu viel Text geben?

Seeger-Zurmühlen Nein, das hat nicht nur etwas mit dem Text zu tun. Es geht auch um den Stoff. Wir müssen andere Mittel der Darstellung finden, wenn es etwa um Gewalt geht. Eine Aufführung ist dann gelungen, wenn die ganze Familie etwas damit anfangen kann.

Zum ersten Mal verleiht die Rheinische Post gemeinsam mit den Freunden des Schauspielhauses auch einen Preis für das beste Mitglied des Jungen Ensembles. Inwiefern profitieren Sie davon?

Seeger-Zurmühlen Ich finde das toll. Dieser Preis ist eine schöne Anerkennung für einen Schauspieler. Aber ich sehe auch die Leistung des Ensembles. Ich kann auf der Bühne nur dann glänzen, wenn ich eine Beziehung zu meinen Mitspielern herstelle. Es ist auch eine Gemeinschaftsleistung, 300 Zuschauer zu bändigen, deren Hormone teilweise überschäumen. Da wächst der Preis für einen Einzelnen dann auch dem ganzen Ensemble zu.

Muss sich das Theater angesichts der veränderten Sehgewohnheiten junger Leute anpassen?

Seeger-Zurmühlen Wir haben es manchmal auch mit Publikum zu tun, das das Medium nicht kennt. Viele Jugendlichen wissen nicht, dass wir live sind. Wir möchten diese Lust am Live-Erlebnis auf der Bühne wecken. Aber wir verändern nicht automatisch unseren Rhythmus. Wir versuchen auch dem etwas entgegenzusetzen. Die Zeit vergeht im Theater anders. Es geht auch darum, Themen zu finden, die nah am Leben unserer Zuschauer sind.

FRANZISKA HEIN FÜHRTE DAS GESPRÄCH.

(RP)