Wim Wenders vergibt Stipendien an junge Filmer

Film : Wim Wenders vergibt Stipendien an junge Filmer

Für ihn, sagte Wim Wenders, hieße der Film des Tages „Vom Winde verweht“. Zur diesjährigen Verleihung des nach ihm benannten Stipendiums, die seine in Düsseldorf ansässige Stiftung mit der Film und Medienstiftung NRW seit 2014 vergibt, wollte der Regisseur mit der Bahn aus Berlin anreisen.

Was Sturm Mortimer aber verhinderte. Fürs Fliegen war es ihm zu windig. Schließlich mietete Wim Wenders ein Auto und sammelte am Bahnhof noch einen Stipendiaten auf, „der wäre sonst auch nicht angekommen.“

Die Verleihung in den Räumen der Filmwerkstatt begann deshalb mit einstündiger Verspätung. Petra Müller, Geschäftsführerin der Filmstiftung und Jurymitglied bei der Vergabe der Wim-Wenders-Stipendien, begrüßte dazu OB Thomas Geisel und Bürgermeister Friedrich Conzen. Mit 100.000 Euro Fördergeldern unterstützt das Land NRW die Stipendien. Sie sollen, so Petra Müller, jungen Leuten zu Gute kommen, die mit filmischen Mitteln ihre Geschichte erzählen wollen und sich um eine besondere Bildsprache bemühen. 36 Filmschaffende reichten ihre Anträge ein. Neun wurden zu einer Präsentation eingeladen, vier blieben am Ende übrig.

Wenders lobte in seiner Ansprache die facettenreichen Beiträge: „Wir schenken den Stipendiaten Zeit, das Wertvollste beim Filmemachen. Und in diesem Fall ist Zeit Geld.“ 36.000 Euro erhält Eli Roland Sachs für „Bitter wie das Leben, stark wie die Liebe und sanft wie der Tod“, ein Hybrid aus Spiel- und Dokumentarfilm. In dem Roadmovie reist ein Mann aus Nigeria, der ein Geheimnis hütet, durch Deutschland. Der Stalking-Thriller „Mauern“ von Henning Beckhoff wird mit 24.000 Euro gefördert. Darin sieht sich eine Kommunalpolitikerin Übergriffigkeiten und Hassmails ausgesetzt. „Wir werden in meiner Heimat Ennepetal drehen“, kündigt der Preisträger an, „eine Kleinstadt, die im Kino sonst nicht vorkommt.“ Jan Raiber setzt sich in „Was Mach(t) Mut?“ mit der muslimischen Familie auseinander, in die er eingeheiratet hat. Sein mit 24.000 Euro geförderter Dokumentarfilm sei dazu geschaffen, Vorurteile abzubauen: „eine Konfrontationstherapie für Islam-Phobiker.“ Die Finnin Lumi Lausas freut sich über 16.000 Euro für „0816“, eine Webserie mit Zehn-Minuten-Häppchen für Instagram und die Streaming-Plattform IGTV. Es geht um die Befindlichkeiten junger Menschen in einem schwedischen Dorf.

Von ihrer Auszeichnung erfuhr sie auf ungewöhnliche Weise, berichtet Wim Wenders. „Ich begegnete ihr in Berlin, sie und ich saßen auf dem Fahrrad. Es regnete, ich konnte sie kaum sehen. Da platzte ich mit der Neuigkeit heraus, obwohl sie noch gar nicht offiziell war.“

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