Wilfried Schulz soll vorzeitig Verlängerung erhalten, Alain Bieber in der Kritik

Analyse Kulturpolitik: Baustelle Kultur

Analyse Schauspielhaus-Intendant Wilfried Schulz ist erfolgreich, sein Vertrag könnte vorzeitig verlängert werden. NRW-Forum-Direktor Alain Bieber dagegen steht in der Kritik, und das Balletthaus sucht nach einem neuen Choreografen für die Zeit nach Martin Schläpfer.

„Das wird teuer“, dachte Patrick Schwarz-Schütte, als Schauspielhaus-Intendant Wilfried Schulz ihn und andere finanzkräftige Bürger für sein Kuratorium umwarb. Schulz war erst kurz in der Stadt und griff schon nach den Sternen, um für sein Theater die bestmögliche Unterstützung zu erreichen. Da der Düsseldorfer Unternehmer jedoch den Erfolg schätzt, ließ er sich nicht lange bitten. Er ist Theaterbesucher und kulturversierter Beobachter und hatte verfolgt, wie der Intendant und sein Team die Herzen der Düsseldorfer im Sturm eroberten.

Wilfried Schulz, Schauspielhaus-Intendant Foto: andreas Bretz

Als Schulz in diesem Sommer, nur knapp zwei Jahre nach seinem Amtsantritt, die höchsten Zuschauerzahlen seit 20 Jahren vorlegte, war nicht nur Schwarz-Schütte mit sich im Reinen. Kulturpolitiker jubilieren seither mit ihm, so dass eine vorzeitige Verlängerung des ursprünglich 2021 endenden Vertrages von Wilfried Schulz nahezu beschlossene Sache ist. Sowohl innerhalb der Ampelkoalition mit SPD, Grünen und FDP als auch in der CDU ist man der Meinung, dass Schulz seine Sache so gut mache, dass man mit ihm „sehr bald“ über eine weitere Amtszeit sprechen wolle. Den Politikern imponiert insbesondere, dass der Theatermann seinen Triumphzug unter erschwerten Bedingungen führt: Das Stammhaus am Gustaf-Gründgens-Platz wird saniert, der Platz selbst ist eine Baustelle. Dort entsteht der zweite Abschnitt des Kö-Bogens. Schulz muss, seitdem er 2016 in Düsseldorf angetreten ist, auf die Probebühnen und teils provisorische Standorte ausweichen. Nur in Ausnahmefällen sind Inszenierungen am Gründgens-Platz möglich. Eine endgültige Rückkehr dorthin ist für Herbst 2019, nun ja, immerhin geplant.

Fake-Schau im NRW-Forum: „Schlichte Einsicht“

Weniger glanzvoll geht es derzeit im NRW-Forum am Ehrenhof zu. Dessen Direktor Alain Bieber hat 2015 das Ruder übernommen, im kommenden Jahr beginnen theoretisch die Verhandlungen über seinen zunächst bis 2020 laufenden Vertrag. Hinter verschlossenen Türen jedoch läuft bereits eine hitzige Diskussion darüber, ob seine Arbeit in Düsseldorf eine Zukunft hat. Der wachsenden Skepsis kulturpolitischer Kreise liegen vor allem zwei Aspekte zugrunde: Da ist einmal Biebers unglückliches Händchen beim Versuch einer Neuorganisation des Photo Weekends, die der Oberbürgermeister verordnet hatte. Bieber stieß den bisherigen Akteuren durch Alleingänge vor den Kopf und legte ein überteuertes Konzept vor. Er geriet zwischen die Fronten zerstrittener Galeristen, ohne dass es ihm gelang, sich von der Rolle des Prügelknaben zu lösen. Am Ende kehrte er der Planung eines zukünftigen Düsseldorfer Fotofestivals den Rücken, ein externer Kurator soll nun die Erneuerung vorantreiben.

Alain Bieber, Direktor NRW-Forum Foto: Endermann, Andreas (end)
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Dabei ist Alain Bieber ein kreativer Ideenproduzent und Zeitgeist-Scout. Seine Stärke ist es, aus digitalen, kunstästhetischen und gesellschaftlichen Phänomenen die ideale Essenz für vielversprechende Ausstellungen zu generieren. Nur, und das ist die zweite Sache, welche die Politiker umtreibt, der Umsetzung fehlt häufig die Tiefe. Selfie-Schau, „Pizza is God“, „Mythos Tour de France“ und aktuell „Die große Weltverschwörung“ listen unterhaltsam Fragestellungen unserer Zeit auf, eröffnen jedoch keine neuen Perspektiven. Nach den Grünen und der CDU blickt nun auch die FDP besorgt auf das Geschehen im NRW-Forum: Man habe den Eindruck, Alain Bieber komme in der Stadtgesellschaft nicht an. Einzelne Politiker sollen sich in vertraulichen Gesprächen bereits gegen einen Verbleib Biebers verbündet haben. Nach Informationen unserer Redaktion einigte sich jedoch die Ampel jetzt darauf, in den kommenden Wochen auf Alain Bieber zuzugehen, um auszutarieren, ob es einen gemeinsamen Weg geben kann.

Suche nach Ballettchef führte zum Royal Ballett

Ebenfalls noch in diesem Jahr will die Deutsche Oper am Rhein einen Nachfolger für Ballettchef Martin Schläpfer gefunden haben. Der preisgekrönte Choreograf wechselt zur Saison 2020/2021 nach Wien. Nach einem ersten Schock wird die unerfreuliche Nachricht inzwischen in eine Chance zum Umbruch umgemünzt. Intendant Christoph Meyer und sein Team suchen weltweit nach Kandidaten. Wie man hört, wurde auch am Royal Ballet in London vorgefühlt, wo Starchoreograf Wayne McGregor mit modernem Tanz-Hintergrund sehr erfolgreich wirkt. McGregor wäre eine ähnlich geniale Besetzung wie einst Schläpfer, jedoch winken die Verantwortlichen ab: Daraus wird nichts. Leider. Natürlich ist Düsseldorf nicht London, trotzdem hat die Landeshauptstadt überzeugende Argumente: zwei Opernhäuser in Düsseldorf und Duisburg, die es zu bespielen gilt, die Region Rhein-Ruhr als Einzugsgebiet mit rund12,5 Millionen Einwohnern sowie einen exzellenten Ruf als Tanz-Stadt. Nicht zuletzt steht mit dem Ballettprobenhaus in Bilk ein modernes Trainingszentrum zur Verfügung. Als Schläpfer dessen Bau im Zuge seiner ersten Vertragsverlängerung zur Bedingung machte und CDU und FDP seinem Wunsch nachkamen, hagelte es Kritik: Die Stadt habe sich von Schläpfer erpressen lassen. Jetzt könnte sich diese Entscheidung als weitsichtig auszahlen.

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