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Düsseldorf: Wilfried Schulz soll Intendant am Schauspielhaus werden

Düsseldorf : Wilfried Schulz soll Intendant am Schauspielhaus werden

Der 62 Jahre alte Schauspielchef aus Dresden muss das größte Sprechtheater in NRW aus der Krise führen.

Die Hängepartie im Düsseldorfer Schauspielhaus steht offenbar vor dem Ende. Wilfried Schulz, bislang Intendant des Staatsschauspiels in Dresden, soll nach Informationen unserer Redaktion zur übernächsten Spielzeit die Leitung am Gustaf-Gründgens-Platz übernehmen. Wie es hieß, konnte Kulturministerin Ute Schäfer die letzten Fragen in den Verhandlungen klären. Der Vertrag ist aber noch nicht unterschrieben. Schulz gilt schon länger als Favorit für den Posten. Er war auch kurzzeitig für die Intendanz am Wiener Burgtheater im Gespräch. Die Stadt bestätigte nur "gute Gespräche".

Mit Schulz würde ein erfahrener Theatermann mit umfangreicher Leitungserfahrung nach Düsseldorf kommen. Der 62-Jährige war Chefdramaturg des Deutschen Schauspielhauses in Hamburg (1993-2000), Intendant des Schauspiels Hannover (2000-2009) und ist seit Beginn der Spielzeit 2009/2010 Intendant in Dresden. Die Bühne in der ostdeutschen Großstadt erlebte unter seiner Leitung eine Blütezeit. In der Spielzeit 2012/2013 vermeldete das Staatsschauspiel einen Rekord von 250 255 Zuschauern.

Diesen Erfolg erhoffen sich Stadt und Land auch für Düsseldorf. Der neue Generalintendant übernimmt zur Spielzeit 2016/17 eine schwere Aufgabe. Das größte Sprechtheater in NRW steckt in einer historischen Krise. Schon unter dem 2011 angetretenen Intendanten Staffan Holm sank der Zuspruch der Zuschauer. Seit der schwedische Regisseur im November 2012 wegen eines Burnouts zurücktrat, kam die Bühne nicht mehr aus den Negativschlagzeilen heraus. Im Sommer dieses Jahres wurde bekannt, dass die Auslastung nur noch bei 45 Prozent liegt, also im Durchschnitt nicht einmal jeder zweite Platz besetzt ist.

Dazu kamen finanzielle Turbulenzen. Der Kaufmännische Direktor Manfred Weber, der übergangsweise auch die künstlerische Leitung übernommen hatte, musste im Frühjahr gehen, nachdem in der Schauspiel-GmbH ein Fehlbetrag von 5,4 Millionen Euro zutage getreten war. Das Theater stand am Rand der Zahlungsunfähigkeit, die Gesellschafter mussten einspringen. Mit einem Zuschuss von 24 Millionen Euro pro Jahr gehört das Düsseldorfer Theater zu den bestausgestatteten in Deutschland.

Schulz würde Dresden verlassen, obwohl er dort noch bis 2018 unter Vertrag steht. In der Zeit seiner Intendanz wurde das Theater unter anderem mit einer Einladung zum Berliner Theatertreffen und dem Deutschen Theaterpreis "Der Faust" ausgezeichnet.

Schulz gründete zudem die Sparte "Die Bürgerbühne", in der Dresdner Bürger eingeladen sind, selbst aktiv Theater zu spielen - solche neuen Impulse erhofft man sich auch für Düsseldorf.

Der erste Versuch, einen neuen Generalintendanten zu finden, war im vergangenen Jahr spektakulär gescheitert. Nachdem Details aus vertraulichen Gesprächen an die Öffentlichkeit gedrungen waren, zerbrach die Findungskommission. Danach suchten Spitzen von Land und Stadt in kleinem Kreis. In den letzten Verhandlungen ging es unter anderem um die Höhe des Etats; Stadt und Land sagten zu, Tarifsteigerungen zusätzlich zum regulären Zuschuss zu übernehmen, damit das Haus mehr Spielraum hat.

Bis Schulz in Düsseldorf startet, leitet Alt-Intendant Günther Beelitz die Geschicke im Schauspielhaus. Der 76-Jährige war bis 1986 Generalintendant in Düsseldorf und erklärte sich bereit, das Haus übergangsweise zu führen. An seiner Seite soll ein neuer Geschäftsführer die Finanzen ordnen.

Beelitz will mit Produktionen wie Shakespeares "Sommernachtstraum" und Hauptmanns "Ratten" die Gunst der Theaterzuschauer zurückgewinnen.

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(RP)