Düsseldorf: Wenn der Mensch in den Hintergrund tritt

Düsseldorf: Wenn der Mensch in den Hintergrund tritt

Sieben Künstler stellen im KIT die Rolle des Menschen in Frage. "Meeting the Universe Halfway" ist ab morgen zu sehen.

Das Tipp-Ex schweigt. Hin und wieder setzt es an und summt eine Melodie, das Reden aber überlässt es den anderen. Und so hört es den Klagen seines Nachbarn, eines mehrfarbigen Stifts, zu. Der kann sich nicht entscheiden, in welcher Farbe er malen soll. "Red, red, green, black, blue?", fragt er immer wieder.

Der Künstler Ceel Mogami de Haas lässt in seiner visuellen Arbeit "The Hollow Pens" Stifte sprechen. Vier Schreibwerkzeuge sind es, die derzeit im KIT (Kunst im Tunnel), miteinander ins Gespräch kommen. Dafür nutzt de Haas Monitore, auf denen die Stifte als Animationen zu sehen sind. Jeder von ihnen hat ein eigenes Temperament. "Das Zuhören lohnt sich, vielleicht lassen sich ihre Charaktereigenschaften in dem ein oder anderen Menschen wiedererkennen", sagt Gertrud Peters, künstlerische Leiterin des KIT.

Die Installation von Ceel Mogami de Haas ist Teil der Ausstellung "Meeting the Universe Halfway" - auf Deutsch "Dem Universum auf halbem Weg begegnen." Der Titel stammt von dem Buch der Physikerin Karen Barad, die ihn wiederum aus einem Gedicht von Alice Fultons hat. Das Buch mit seinen philosophischen Ansätzen sei in Künstlerkreisen populär, erzählt Peters. "Vor dem Humanismus gab es diese klaren Grenzen zwischen Natur und Menschen, Beseeltem und Unbeseeltem nicht." Der Posthumanismus hinterfragt nun, ob der Mensch wirklich das Maß aller Dinge ist, ob es gerechtfertigt ist, dass er seine Umwelt, Gegenstände und Lebewesen unterordnet.

Gertrud Peters hat die Ausstellung zusammen mit Christoph Westermeier und Yesim Akdeniz konzipiert: Sieben Künstler aus Deutschland, den Niederlanden, der Schweiz, der Türkei und den USA setzten sich mit der Frage des Seins auseinander. "Es war ein Experiment, wir wollten sehen, was passiert, wenn sich der Mensch zurücknimmt", erklärt Christoph Westermeier, "wir haben nicht geguckt, welches Medium dazu passt, sondern, was die Thematik hergibt." Und so ist im KIT nun eine vielseitige Auswahl zu sehen: Skulpturen, Malerei, Fotografien und multimediale Arbeiten füllen den Raum unter der Rheinuferpromenade.

Besonders deutlich wird die Fehlbarkeit des Menschen wohl in der Arbeit von Kubilay Meret Ural: Er hat ein Poster geschaffen, das auf den ersten Blick so auch in einem Jugendzimmer oder Partykeller hängen könnte. Darauf zu sehen ist die Besatzung der Raumfähre "Challenger" - die 1986 kurz nach dem Start explodierte und in den Atlantik stürzte. Auf das Poster schrieb der Künstler mit Kreide Songtexte der Sängerin Beyoncé. "Ein trauriges Mahnmal für das, was die Menschen alles nicht beherrschen", sagt Peters.

Unheimlich muten die Figuren von Müge Yilmaz an - die haarigen Wesen halten sich in grünen Tarnfarben gedeckt. Ob es Menschen, Pflanzen oder Tiere sind, lässt sich nicht genau sagen. Das ist Teil der Idee.

Von der Akademie-Professorin Yesim Akdeniz gibt es zwei Skulpturen zu sehen und eine Malerei, die aufgeräumt wirkt. Ein Bild im Bild, ein gelber Sessel und eine Steinskulptur füllen den Raum - ein Mensch taucht in der Kulisse nicht auf. "Trotzdem ist es nicht entleert", sagt Westermeier.

Wohl aber tritt der Mensch im Video "Pink Slime Caesar Shift" von der Künstlerin Jen Liu auf, das erst bei der Berlinale in der Akademie der Künste in Berlin gezeigt wurde. Doch ist der Mensch in dem 24-minütigen Film nicht als Individuum, sondern vielmehr als Ware zu sehen - es geht um chinesische Arbeiterinnen und um künstlich hergestelltes Fleisch, das die Künstlerin mit einem Wissenschaftler produziert hat.

"In den Arbeiten der Künstler scheint es, als hätte ein fremdes Prinzip die Kontrolle übernommen", sagt Peters, "während die Objekte lebendig, ja belebt wirken." Mit leeren Händen kam der Künstler Francois Dey, die Lage des KIT, an dem täglich mehrere tausend Autos vorbeirasen, hat ihn inspiriert. So fertigte er mehrere rosafarbene Einzelteile, die zusammen ein Auto ergeben und von Statisten in der Düsseldorfer Stadt ausgeführt wurden. Die Ergebnisse sind in einem Video zu sehen.

Auch Christoph Westermeister hat für die Ausstellung eine eigene Installation konzipiert: Lochbleche wurden zu einer Art Einkaufsmeile aufgebaut, Fotografien darin deuten das menschliche Wesen immerhin an.

(ubg)