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Kunstsammlung NRW: Weibliche Avantgarde in Düsseldorf

Kunstsammlung NRW : Weibliche Avantgarde in Düsseldorf

Der "Damenbesuch" kommt verspätet. Denn wenn auch die Kunstsammlung NRW einhellig gelobt wird, so klaffen doch Lücken im Bestand. Es fehlen die Frauen. Direktorin Marion Ackermann füllt diese Lücke und holte jetzt die führenden Künstlerinnen der Avantgarde zu einer prächtig arrangierten Übersichtsschau in ihr Haus.

"Die andere Seite des Mondes" versammelt die Pionierinnen, acht zu ihrer Zeit besonders mutige, unkonventionelle, schräge, großartige Frauen, die als Bindeglied die drei maßgeblichen Strömungen der Zwischenkriegszeit eint, Dadaismus, Konstruktivismus und Surrealismus.

Etwas typisch Weibliches fällt auf bei ihren Skulpturen, Bildern, Collagen, Puppen, Stoffen und Fotografien: Es fehlt die große repräsentative Geste. Frauen bevorzugten kleinere Formate, was auch praktische Gründe hatte. Kuratorin Susanne Meyer-Büser: "Das kleine Format entsprach nicht nur dem Zeitgeist, sondern einem Wunsch nach Flexibilität und Mobilität." Man hat schnell mal was gemacht, wollte vieles ausprobieren, packte es in Reisetaschen und fuhr dahin, wo die Kunst diskutiert und vorangetrieben wurde. Man musste zur rechten Zeit am richtigen Ort sein — 1920 war das Paris.

Das Ausstellungsplakat, Hanna Höchs Fotomontage "Siebenmeilenstiefel" von 1934, unterstreicht die Lust auf Überwindung von geografischen Grenzen in Zeiten ohne Vielfliegertarife. Die über Welten fliegenden Frauenbeine weisen zudem auf die Überwindung von künstlerischen Grenzen hin.

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Die Beine wachsen aus Schnürstiefeln heraus, anstelle des weiblichen Geschlechts ist das Schneckenhaus angebracht, ein wiederkehrendes, vieldeutiges Symbol. Auch die Fotografin Dora Maar hat es in ihren surrealen Bilderwelten verarbeitet, hat die Muschel mit der perfekt manikürierten Hand verschweißt.

Die Ausstellung ist kleinteilig und dabei umfangreich. Durch die Hängung entsteht ein Dialog der Künstlerinnen Claudia Cahun, Dora Maar, Sonia Delaunay, Florence Henri, Hannah Höch, Sophie Taeuber-Arp, Katarzyna Kobro und Germaine Dula. Querverbindungen sind möglich, Korrespondenzen ergeben sich. Neben abstrakten Farb- und Formuntersuchungen lassen sich feinsinnige Gesellschaftsanalysen herauslesen, unterschwellige, rollenverkehrende Botschaften. Hannah Höch karikiert in ihrem Ölbild "Braut" die blauäugige Kindsfrau. In Claude Cahuns Selbstporträt findet sich schon ein Vorläufer des berühmten diamantbesetzten Schädels von Damien Hirst. Selbstbewusst waren sie und radikal — Frauen, vor denen Alice Schwarzer heute noch den Hut ziehen müsste.

Bis 15. Januar, Kunstsammlung NRW, Grabbeplatz 2; Eröffnung Freitag, 21. Oktober, 19 Uhr.

(RP)