Was sich aus dem Theaterstück "Post von drüben" ergeben hat

Besuch im Osten : Ost-West-Begegnung in Weimar

In dem Theaterstück „Post von drüben“ beim Asphaltfestival erhielt eine Zuschauerin eine Einladung nach Weimar. Die hat sie nun eingelöst – und ist begeistert von der Stadt.

Von Dorothee Krings

Beim Asphaltfestival hat die Kölner Gruppe „Futur3“ Mitte Juli ein Stück über Vorurteile zwischen Ost und West inszeniert. Die Theatermacher hatten Bürger in Weimar gebeten, Päckchen für den Westen zu packen. Diese Postsendungen durften Düsseldorfer Bürger während der Performance beim Asphaltestival dann öffnen und stießen neben Erinnerungsschätzen wie Original-Spüli aus der DDR auf zahlreiche Textbotschaften. Darin sprachen Menschen aus Weimar über ihre Stadt, über ihre Gegenwart und Vergangenheit – und über sich selbst. Vieles, was Ost und West noch immer trennt, kam darin zur Sprache. Die Absender blieben in dieser Stimmencollage anonym – bis auf einen. Benno Drellmann aus Weimar wagte den Schritt auf die Düsseldorfer zu und legte ein Zugticket in sein West-Päckchen. Das Publikum in Düsseldorf solle sich auf einen Zuschauer einigen, der nach Weimar reisen könne, um sich selbst ein Bild zu machen, hieß es in seiner Textbotschaft.

Bei der Premier fiel die Wahl auf Johanna Schifferings, Medizinstudentin aus Düsseldorf. Sie ist der Einladung jetzt tatsächlich gefolgt, hat den Absender aus Weimar getroffen – und ist begeistert von ihrem Besuch im Osten. „Es war ja schon ungewöhnlich, einfach zu einem Menschen zu reisen, den man gar nicht kennt“, erzählt Schifferings. Doch ihr Gastgeber sei herzlich, offen - und vor allem so begeistert von seiner Stadt gewesen, dass er sie gleich für Weimar gewonnen hätte. Dabei ist Drellmann gar kein „Ossi“. Er ist vor Jahrzehnten aus Gelsenkirchen nach Weimar gezogen und lebt so gerne in der Stadt von Goethe und Schiller, dass er andere mit seiner Begeisterung anstecken wollte. „Wir haben eine Radtour durch die Stadt gemacht, uns viele Sehenswürdigkeiten angesehen und natürlich eine Thüringer Bratwurst gegessen“, erzählt Schifferings. Sie seien auch mit anderen Leuten in Kontakt gekommen. „Wir haben uns etwa die Dauerbaustelle eines historischen Hauses angesehen, da kam ein älteres Ehepaar und meinte, in der DDR hätte es so einen Verfall nicht gegeben“, erzählt Schifferings. Ansonsten seien ihr aber keine Klischees begegnet. Weimar sei eine architektonisch reizvolle, beschauliche Stadt mit reicher Geschichte. Eine Stadt, in der sie sich auch vorstellen könnte, eine Weile zu leben. „Ich bin ja nach der Wende aufgewachsen“, sagt Johanna Schifferings (23), „für mich spielen die alten Ost-West-Empfindlichkeiten keine Rolle mehr.“

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