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Hans-Georg Lohe im Interview: "Was nun, Herr Kulturdezernent?"

Hans-Georg Lohe im Interview : "Was nun, Herr Kulturdezernent?"

Hans-Georg Lohe steht mehr denn je in der Kritik. Seine Kritiker werfen ihm vor, er sei nur ein Erfüllungsgehilfe des Oberbürgermeisters. Ein Gespräch über den Scherbenhaufen in der Kulturlandschaft und darüber, wie es weiter geht.

Düsseldorf steckt im Stau. Die Stadt ächzt nicht nur unter den Folgen des Tausendfüßler-Abrisses, sondern ebenso schädlich für ihre Außenwirkung sind ihre kulturellen Baustellen.

Im Dreieck Heinrich-Heine-Allee, Ehrenhof, Gustaf-Gründgens-Platz sind renommierte Institutionen von Spar- und Umbaumaßnahmen betroffen — wie die Oper und das NRW-Forum. An einem der größten deutschen Schauspielhäuser ist der Intendant aus dem Amt geflüchtet, eine 1-A-Stelle vakant. Holm hatte neben persönlichen Gründen Sparmaßnahmen als Grund seiner Frustration angegeben. Fast sieht es so aus, als sei die Kulturlandschaft ein einziger Scherbenhaufen und Hans-Georg Lohe als Kulturdezernent der Prügelknabe. Wir sprachen mit ihm über die Vorwürfe, über Krisenszenarien und Ideen für die Zukunft.

Herr Lohe, sind Sie noch Herr der Lage angesichts der vielen Baustellen in der Kulturlandschaft?

Lohe Auf jeden Fall. Zumal bei unserem Kulturetat, der mit rund 120 Millionen Euro gegenüber dem Vorjahr keinerlei Kürzung aufweist. Das ist ein sehr hohes Niveau, mit dem wir in Deutschland an vorderster Stelle rangieren. Aber wir sind in der Tat mit vielen Problemen von außen konfrontiert, die wir angehen.

Man wirft Ihnen vor, die Themen nicht beherzt anzupacken — etwa im Falle des NRW-Forums. Der Proteststurm gegen die Schließung war zu erwarten. Haben Sie als Kulturdezernent schnell genug reagiert?

Lohe Ja. Das Land hat uns mit dem abrupten Ausstieg aus der Förderung überrascht. Wenige Tage, nachdem es klar wurde, habe ich mich an ein Konzept gemacht. Wir schätzen das Haus mit seiner besonderen Konzeption.

Begrüßen Sie die Initiative von kunstsinnigen Bürgern, die jetzt nach Zukunftsperspektiven für das NRW-Forumskonzept sucht?

Lohe Wir werden zeitnah ein Gespräch führen, um Ideen auszutauschen. Neben der Nachfolge-Personalie Lippert/Wenzel geht es in erster Linie um die Schließung der Finanzlücke von 700 000 Euro.

Welche Idee favorisieren Sie persönlich zur Zukunft des NRW-Forums, und was ist machbar?

Lohe Für attraktive Lösungen bin ich offen. Das Haus muss mehr sein als der Teil eines Museums. Es hat weit über NRW hinaus Bedeutung erlangt. Das soll so bleiben. Es wäre viel zu kurz gegriffen, es zu einer Abteilung des Kunstpalastes zu machen. Doch einen Schwerpunkt Fotografie könnte ich mir weiterhin gut vorstellen.

Die Zusammenarbeit mit dem Land ist für zwei Institutionen von existenzieller Bedeutung — beim Schauspielhaus und im Falle des NRW-Forums mit dem Wirtschaftsministerium. Sind die unterschiedlichen politischen Farben von Stadt und Land dem Kooperationsklima hinderlich?

Lohe Das glaube ich nicht.

Ist zu befürchten, dass das Land dem Schauspielhaus angesichts der schlechten Auslastungszahlen in Zukunft die Mittel streicht?

Lohe Das hoffe ich nicht. Wir suchen gerade gemeinsam einen neuen Intendanten.

Ein Kulturdezernent muss auch Moderator und Krisenmanager sein — hätten Sie den Abgang von Staffan Holm verhindern können?

Lohe Nein. 14 Tage, bevor Holm sich zurückzog, hat er mich informiert. Da war schon längst aufgrund seiner Erkrankung klar: Ein schneller Cut war die einzige Lösung.

Sie monierten öffentlich, dass Holm sich in einem Interview mit unserer Zeitung über Sparmaßnahmen beklagt hatte...

Lohe Nicht, dass er sich geäußert hat, habe ich beklagt, sondern dass er von Einsparungen gesprochen hatte. Eine einmalige Sonderzahlung von 300 000 Euro zum Start der Intendanz lief, wie vereinbart, aus. Das wusste Herr Holm. Im Übrigen gehört das Schauspielhaus mit 21 Millionen Euro zu den fünf bestausgestatteten Theatern Deutschlands.

Kritische Stimmen werden laut, dass Ihre Kollegin, Stadtsprecherin Natalia Fedossenko, in die Intendanten-Findungskommission berufen wurde. Glauben Sie, dass diese optimal zusammengesetzt ist, und waren Sie an der Konstitution beteiligt?

Lohe Ja, das glaube ich. Kritische Stimmen gibt es immer. Stadt und Land haben diese Kommission gemeinsam mit den Vertretern der Gesellschafter und den Theaterleuten besetzt. Jedes einzelne Kommissionsmitglied bringt sich kompetent und engagiert in die Arbeit ein.

2014 ist ein zweifaches Schicksalsjahr für die Kultur in Düsseldorf - nicht nur, dass das Land aus dem NRW-Forums-Vertrag aussteigt, auch die Eon hat das Recht, aus dem Vertrag der public private partnership (ppp) mit dem Museum Kunstpalast auszusteigen. Haben Sie schon ein Krisenszenario entworfen, wie es im Museum Kunstpalast ohne die Eon-Zuschüsse weitergehen könnte?

Lohe Der Vertrag läuft bis Ende 2014. Ich bin zuversichtlich, dass diese gute und bewährte Kooperation fortgesetzt wird.

Dass die Quadriennale 2014 stattfindet, die 4,2 Millionen Euro kostet, sieht nicht jeder ein. Warum halten Sie daran fest, während das NRW-Forum mit diesen Mitteln für ein paar Jahre hätte gerettet werden können?

Lohe Das Eine hat nichts mit dem Anderen zu tun. Wir können nicht jeden Ausstieg des Landes durch die Kürzung eigener Projekte kompensieren.

Wird es die letzte Quadriennale sein?

Lohe Das entscheiden wir erst, wenn sie gelaufen ist.

Die GMD-Suche in Düsseldorf läuft auch nicht gerade reibungsfrei — sind eigentlich die Zuständigkeiten geklärt? Wer beruft den neuen GMD, der Oberbürgermeister, der Tonhallen-Chef oder Sie?

Lohe Becker und ich suchen gemeinsam nach einem geeigneten Boreyko-Nachfolger, das Orchester ist auch eingebunden. Am Ende wird der Oberbürgermeister dem Stadtrat einen Einstellungsvorschlag unterbreiten.

Sie haben Michael Becker im Kulturausschuss getadelt — es heißt, er habe eine Abmahnung erhalten dafür, dass er sich über Personalnot beklagte. Das zeugt nicht gerade von konstruktiver Zusammenarbeit?

Lohe Interne Verwaltungsvorgänge sollte man auch intern besprechen. Mit Michael Becker arbeite ich weiterhin konstruktiv zusammen.

Der verstorbene Oberbürgermeister Erwin hat die Kultur zur Chefsache erklärt. Daran hat sich nicht viel geändert, oder haben Ihre Institutsleiter ein Mitspracherecht?

Lohe Doch, das haben sie. Ich stehe zu allen in guter Kooperation.

Ihre Kritiker sehen in Ihnen vor allem einen Erfüllungsgehilfen des Oberbürgermeisters...

Lohe Das ist völlig abwegig. Dirk Elbers lässt mir viel Raum. Im Übrigen sind wir uns in der Bedeutung der Kultur für die Stadt einig.

Auf welche Leistung sind Sie stolz?

Lohe Dass ich Ballettchef Martin Schläpfer nach Düsseldorf geholt habe und wir jetzt in die Zukunft des Balletts mit dem Bau eines Ballett—hauses investieren, die Zero-Foundation errichtet und die Wim Wenders Stiftung nach Düsseldorf geholt haben.

Wie sieht Ihr Masterplan für die Kulturstadt Düsseldorf aus?

Lohe Die Zukunft der Oper hat oberste Priorität für mich.

Und wenn Duisburg aussteigt aus der Opernehe?

Lohe In dieser Woche wird das Gutachten vorliegen, aus dem wir ersehen können, wie sich die verschiedenen zukünftigen Modelle darstellen.

Wird die freie Szene genug geachtet?

Lohe Auch diesen Etat haben wir gegenüber dem Vorjahr nicht abgesenkt. Wir geben sechs Millionen für die größtmögliche Vielfalt aus, für ein Atelierhaus und den Musikbunker. Ganz bewusst haben wir keine Kürzungen vorgenommen.

Braucht Düsseldorf noch mehr Kulturangebote?

Lohe Ich glaube, wir brauchen mehr und bessere Vernetzung. Die Vielfalt ist da, und das ist wichtig.

Sind Sie eigentlich amtsmüde?

Lohe Überhaupt nicht.

Werden Sie sich Ende des Jahres zur Wiederwahl stellen?

Lohe Ich wurde bis Mai 2014 gewählt und würde mich über eine weitere Amtsperiode freuen.

(RP/ila)